Zentralarterien- und Arterienastverschluss

Synonyme: ZAV, AAV, retinale Arterienverschlüsse, retinal artery occlusion

Definition

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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  • Ein Zentralarterien- und Arterienastverschluss ist ein Verschluss der Zentralarterie im Bereich der Lamina cribrosa oder Verschluss retinaler Arteriolen mit ischämischen Netzhautinfarkt, der zu perakutem Visusverlust führt

Ätiologie

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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  • beim Zentralarterien- und Arterienastverschluss meist liegt eine Embolie vor
  • häufige Ursachen: exulzerierte atheromatöse Plaques der A. carotis, aber auch Emboli von Herzklappen, bei Vorhofmyxom oder Vorhofflimmern
  • seltenere Ursachen: Arteriitis temporalis, Drusen der Papille und die Einnahme oraler Kontrazeptiva

Epidemiologie

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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  • Zentralarterien- und Arterienastverschluss sind deutlich seltener als Venenverschlüsse
  • Inzidenz  1 : 10.000

Differentialdiagnosen

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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Anamnese

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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Bei Zentralarterien- und Arterienastverschluss sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Inspektion
  • Plötzliche, einseitige Erblindung?
  • Amaurosis fugax?
  • Visusreduktion?
  • Gesichtsfeldausfälle?
  • Keine Schmerzen?
  • Grunderkrankung (Arteriitis temporalis, Vorhofflimmern usw.)?

Diagnostik

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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Zur diagnostischen Abklärung bei Zentralarterien- und Arterienastverschluss sind relevant:

  • Visusverlust meist einseitig und schmerzlos, kirschroter Fleck im Makulabereich
  • Funduskopie bei akutem Zentralarterienverschluss: Netzhaut weiß, ödematös, kirschroter Fleck der Makula, evtl. schmaler Streifen intakter Netzhaut im Bereich eines zilioretinalen Gefäßes; sehr enge Arterien und Arteriolen mit Kaliberschwankungen
  • Funduskopie bei Zentralarterienverschluss nach einigen Wochen: kein kirschroter Fleck; arterielle Gefäße bleiben sehr eng; N. opticus blass, atrophisch
  • Funduskopie bei Arterienastverschluss: weiße, ischämische Retina; entsprechender Gesichtsfelddefekt; nach langsamer Rekanalisation und Ödemresorption nur noch geringe oder gar keine ophthalmolog. Sichtbaren Veränderungen; Gesichtsfelddefekt bleibt bestehen
  • Pupillen: afferenter Defekt auf der betroffenen Seite
  • Serologie: BSG bei Arteriitis temporalis idR erhöht
  • Dopplersonographie der Karotiden, kardiovaskuläre Diagnostik: zum Ausschluss von kausalen Veränderungen

Klinik

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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  • Zentralarterienverschluss führt zur plötzlichen, einseitigen Erblindung
  • Arterienastverschluss führt zu plötzlicher Visusreduktion oder Gesichtsfeldausfällen
  • es entstehen keine Schmerzen
  • gelegentlich tritt als Vorbote eine Amaurosis fugax auf (d.h. vorübergehende Visusreduktion eines Auges), sie ist als TIA (transitorisch ischämische Attacke) zu werten und muss abgeklärt werden

Therapie

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Zentralarterien- und Arterienastverschluss umfassen folgendes:

  • konservativ: Abklärung Grunderkrankung, allgemeinmed./internistische Betreuung, Kortisontherapie bei Arteriitis temporalis
  • Soforttherapie: Rückenlage, 500 mg Acetazolamid i.v.; feste Bulbusmassage mit plötzlichem Drucknachlass für ca. 15 min.
  • Fibrinolytische Therapie (Urokinase) durch internistische Intensivstation; KI (Kontraindikation): bis zur 18. SSW; manifeste Blutungen oder Blutungsanamnese; hämorrhagische Diathese; Hypertonus; Zerebralsklerose; Endocarditis lenta; Urolithiasis; akute Pankreatitis; schwerer Diabetes mellitus; nach chirurg. Eingriffen; Leberzirrhose; aktive Lungentuberkulose; Bronchiektasien mit Neigung zu Hömopysen; höheres Alter (> 75 J.)
  • chirurgisch: Behandlung der Grunderkrankung, z.B. Endarteriektomie bei Karotisstenose; Orbitadekompression mit retroorbitaler Blutung; ggf. Parazenthese zur Augeninnendrucksenkung

Komplikationen

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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  • nach 6 Stunden andauernden Zentralarterien- und Arterienastverschluss idR irreversible Schäden
  • Zentralarterienverschluss: 1 – 8% Rubeosis iridis, evtl. Neovaskularisationsglaukom

Zusatzhinweise

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Zum Zentralarterien- und Arterienastverschluss liegen derzeit keine Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

Zentralarterien- und Arterienastverschluss

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  1. M. Sachsenweger – Augenheilkunde – Duale Reihe – Thieme Verlag
  2. A. Burk, R. Burk – Checkliste Augenheilkunde – Thieme Verlag
  3. G.K. Lang – Augenheilkunde – Thieme Verlag
  • (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer
  • (2009) Dahlmann C - Crashkurs Augenheilkunde - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Schmidt D - Tipps und Tricks für den Augenarzt, Problemlösungen von A – Z - Springer Verlag
  • (2008) Lang, G.K - Augenheilkunde - Thieme Verlag
  • (2008) Kanski J - Klinische Ophthalmologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer Verlag, Berlin
  • (2003) Sachsenweger M - Augenheilkunde - Thieme
  • (2001) Augustin A - Augenheilkunde - Springer

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