Zentral anticholinerges Syndrom

Synonyme: Anticholinerges Syndrom

Definition

Zentral anticholinerges Syndrom

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ein krankhafter Zustand des vegetativen Nervensystems, bei dem der N. vagus (Parasympathikus) in seiner bremsenden und dämpfenden Funktion weitgehend ausgeschaltet wurde


Ätiologie

Zentral anticholinerges Syndrom

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  • Antiparkinsonmittel
  • Äthylalkohol
  • Belladonnaalkaloide (Atropin, Scopolamin)
  • Benzodiazepine, H1- und H2-Rezeptorenblocker
  • Hypnotika
  • Inhalationsanästhetika
  • Lokalanästhetika
  • Neuroleptika (Butyrophene)
  • Opiate
  • Phenothiazide
  • trizyklische Antidepressiva
  • einige giftige Pflanzen (z.B. Tollkirsche, Stechapfel, Fliegenpilz, Pantherpilz)

Acetylcholin ist zerebral an verschiedenen Funktionen beteiligt, hierzu gehört unter Anderem das Bewusstsein

wird dieser Effekt durch anticholinerge Substanzen, wie beispielsweise die oben genannten, antagonisiert führt dies zu einer Reihe neurologischer Symptome

dieser antagonistische Effekt wird durch eine kompetitive Verdrängung vom Acetylcholinrezeptor erzielt


Epidemiologie

Zentral anticholinerges Syndrom

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keine Zahlenangaben möglich


Differentialdiagnosen

Zentral anticholinerges Syndrom

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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  • Pat. beobachten
  • Glasgow Coma Scale

Diagnostik

Zentral anticholinerges Syndrom

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  • Ausschluss von Narkotikaüberhang, Relaxantienüberhang, Hypoxie, Hyperkapnie sowie Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes
  • Nachweis von mind. 1 zentralen und 2 peripheren Symptomen
  • Diagnose ex juvantibus

Klinik

Zentral anticholinerges Syndrom

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2 Verlaufsformen:

  • komatöse mit Schläfrigkeit bis zum Koma
  • agitierte mit Unruhezuständen

Symptome sind sehr vielfältig:

  • zentrale Symptome

- Bewusstseinstörungen

- verzögertes Erwachen aus der Narkose

- Somnolenz bis Koma

- Verwirrtheit

- Halluzinationen

- Unruhe

- Angst

- Desorientiertheit

- Amnesie

- Hyperaktivität

- motorische Dyskoordination

- aggressives Verhalten

- Krämpfe

- Atemdepression

- zentrale Hyperpyrexie

  • periphere Symptome

- Mydriasis

- Tachykardie

- Arrhythmie

- rote trockene Haut

- Hyperthermie

- verminderte Schleim-, Schweiß- und Speichelsekretion

- Harnretention

- reduzierte intestinale Motilität


Therapie

Zentral anticholinerges Syndrom

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Physostigmin (Cholinesterasehemmer), Dosierung:

  • 0,04 mg/kg KG sehr langsam i.v. oder i.m., titrieren! Max. 2 mg, rascher Wirkungseintritt
  • wenn nach 20 Min. keine Wirkung, Ausschluss einer ZAS
  • erneute Gabe erst nach 20 Min. (50% der 1. Dosis) oder Dauertropfinfusion

Wichtig:

  • strenge Überwachung der Vitalfunktionen während Medikament Gabe und für weitere 2 h
  • Intoxikationssymptome: bei Überdosierung (letale Dosis 10 mg) oder zu rascher Injektion: Übelkeit, Erbrechen, vermehrtes Speichelfluss, Bradykardie, Krämpfe, Miosis, gesteigerte Bronchosekretion, Bronchospasmus, Harn- und Stuhlabgang, zentrale Atemlähmung (Antidot: Atropin)
  • Kontraind.: geschlossenes SHT, Barbituratintoxikation, Dystrophia myotonica, Intoxikation oder Therapie durch irreversible Cholinesterasehemmer

Komplikationen

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Zusatzhinweise

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zu Differentialdiagnose:

  • Muskelrelaxantienüberhang
  • Nakrotikaüberhang
  • Infektion

Literaturquellen

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  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

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