Wochenbettpsychose

Synonyme: Puerperalpsychose, Post-partum-Psychose

Definition

Wochenbettpsychose

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Wochenbettpsychose

  • Beginnt meist ca. 2 Wochen nach Geburt
  • Kann Monate andauern
  • Verschiedene psychotische Symptome sind vorhanden (Halluzinationen, Denkstörungen)
  • Absoluter Handlungsbedarf, da häufig Gefahr für Leib und Leben sowohl der Mutter als auch des Kindes

Ätiologie

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Risikofaktoren einer Wochenbettpsychose umfassen:

  • vorangegangene Wochenbettpsychose
  • bipolare Störung
  • erste Schwangerschaft
  • positive Familienanamnese für Wochenbettpsychose
  • vorangegangene Reduktion von Lithium oder anderen Stimmungsstabilisatoren [6]

Pathogenese der Wochenbettpsychose:

  • familiäre genetische Faktoren als Trigger [7]
  • evtl. hormonelle Ändeurngen nach Geburt [8]

Epidemiologie

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Wochenbettpsychose [2;1]

  • Depression: Schwangerschaft bis Kleinkindalter: 8-12%
  • Wochenbettdepression/ Postnatale Depression: 10- 15% der Wöchnerinnen
  • Wochenbettpsychose: 1-2 pro 1000 Geburten
  • Störungen der Mutter- Kind- Beziehung in 10% der behandlungsbedürftigen Störungen nach der Geburt

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Fragen bei V.a. Wochenbettpsychose umfassen:

  • ist Ihr Kind in irgendeiner Weise anders oder speziell?
  • meinen Sie, ihr Kind wurde vertauscht?
  • Haben Sie vermehrt Energie an sich festgestellt in den letzten Tagen?
  • Haben Ihnen andere Leute gesagt, sie hätten zuviel Energie oder reden zu schnell?
  • Wieviel schlafen Sie?
  • Habne Sie jemals Medikamente für die Stimmung bekommen? Wann und welche?
  • Welche Medikamente nehmen Sie sonst ein? Auch pflanzliche?
  • Sehen Sie Dinge, die andere Leute nicht sehen können?
  • Fühlen Sie sich oder ihr Kind bedroht?
  • auch: Fremdanamnese nötig!

Anamnese zur Depression im Rahmen einer Wochenbettpsychose nach Edinburgh Postnatal Depression Skala (EPDS, Cox et al., Brit. J Psychiatry 1987) [3;4;5]:

  • Wie fühlt sich die Patientin?
  • Kann sie sich an Dingen erfreuen?
  • Kann sie sich an ihrem Kind erfreuen?
  • Fühlt sich die Patientin wegen irgendetwas schuldig?
  • Ist die Patientin besonders besorgt, ängstlich?
  • Ist der Patientin „alles zu viel“?
  • Bestehen Schlafprobleme (über das Maß hinausgehend)?
  • Weint die Patientin häufig?
  • Gibt es Probleme in der Partnerschaft vor und/ oder nach der Geburt?
  • Hat die Patientin je daran gedacht sich etwas anzutun (Selbstmordgedanken)?
  • Hat die Patientin je daran gedacht, ihrem Kind etwas anzutun?

Diagnostik

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Die Diagnose einer Wochenbettpsychose sollte umfassen:

1. Anamnese (siehe dort)

2. Körperliche Untersuchung:

  • komplette neurologische Untersuchung zur DD Tumoren/Trauma

3. Labor: zur DD und zum Ausschluß anderer Erkrankungen

4. cCT oder cMRT

  • bei neurologischen Auffälligkeiten

Klinik

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Die Klinik der Wochenbettpsychose umfasst [1]

  • Halluzinationen
  • Denkstörungen
  • Wahnsymptome ("heiliges" oder "diabolisches" Kind; Kind vertauscht etc.) bei 53% [9]
  • meist begleitet von Depression und/oder Manie
  • Schlafstörungen
  • schnelle Stimmungswandel
  • psychomotorische Erregbarkeit

Therapie

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Wochenbettpsychose [3]

  • Sofortige fachärztliche Behandlung durch einen Psychiater
  • die Patientin nicht mit dem Kind alleinelassen!
  • stationäre Behandlung: eine Patientin mit einer akuten Wochenbettpsychose kann nicht für ihr Kind oder sich selbst sorgen => Einweisung erforderlich!
  • Medikamentöse Therapie: alle psychotropen Medikamente werden in die Muttermilch abgegeben. Bei Wochenbettpsychose mit ausgeprägten Denkstörungen und Halluzinationen ist allerdings dringend eine medikamentösen Therapie nötig. Wenn die Patientin nicht abstillen will, sollte eine Abwägung des Risikos stattfinden; generell ist das Risiko schwererwiegender Nebenwirkungen beim Kind recht gering; eine interdisziplinäre Beratung zwischen Psychiater und Gynäkologe sollte jedoch stattfinden. Antipsychotika, die während der Stillzeit am besten verträglich sind: Olanzapin, Quetiapin, Risperidon unter Kontrollen von Glukose, Fettwerten, Gewicht und extrapyramidaler Motorik. Behandlung bis mindestens 12 Monate nach Remission. Bei Notwendigkeit von i.v.-Gabe bei starker Agitation etc. Haloperidol 0,5 - 2mg i.m.möglich. 
  • Elektrokrampftherapie (EKT): wenn keine Reaktion auf Medikamente; bes. auch bei Suizidabsichten oder Tötungsabsichten des Kindes

Komplikationen

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Komplikationen einer Wochenbettpsychose:

  • u.U. Gefahr für Leib und Leben der Patientin und/oder ihres Kindes

Zusatzhinweise

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Aktuell liegen keine Zusatzinformationen zur Wochenbettpsychose vor.


Literaturquellen

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  1. Artikel  des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. Postfach 20 03 63
    80003 München Präsident: Dr. Christian Albring in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) e.V. Robert-Koch-Platz 7
    10115 Berlin Präsident: Prof. Dr. Klaus Friese
  2. Was Mütter depressiv macht… und wodurch sie wieder Zuversicht gewinnen, Maria Hofecker Fallapour et al., Verlag Hanshuber 2005, Bern, aktualisiert 22.01.2007
  3. Klinisches Management für Depression in der Schwangerschaft und nach der Geburt, Mercé Gesellschaft, Psych. Zentrum Nordbaden, 69168 Wiesbaden
  4. Edinburgh Postnatal Depression Skala (EPDS, Cox et al., Brit. J Psychiatry 1987); Brockington, Oates, George, Turner, Vostanis, Sullivan, Loh, Murdoch, „A screening questionnaire for mother- infant bonding disorders“. Archives of Women´s Mental Healths, 2001; 3:133-140
  5. Post partum Support International 2010,  “ Perinatal Mood& Anxiety Disorders” ; 6706 SW 54th Avenue, Portland Oregon 97219, USA
  6. Viguera AC, Whitfield T, Baldessarini RJ, Newport DJ, Stowe Z, Reminick A, Zurick A, Cohen LS (2007): Risk of recurrence in women with bipolar disorder during pregnancy: prospective study of mood stabilizer discontinuation. Am J Psychiatry. 2007;164(12):1817.
  7. Jones I, Craddock N (2001): Familiality of the puerperal trigger in bipolar disorder: results of a family study. Am J Psychiatry. 158(6):913.
  8. Seyfried LS, Marcus SM (2003): Postpartum mood disorders. Int Rev Psychiatry. 15(3):231.
  9. Chandra PS, Bhargavaraman RP, Raghunandan VN, Shaligram D (2006): Delusions related to infant and their association with mother-infant interactions in postpartum psychotic disorders. Arch Womens Ment Health. 9(5):285.

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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