Vorhofflimmern

Synonyme: Vorhofflimmern, Arrhythmia absoluta, VHF, Vorhoftachykardie

Definition

Vorhofflimmern

Bearbeitungsstatus ?

Vorhofdepolarisationen die mit unorganisiertem Ablauf zu keinen effektiven Kontraktionen führen und durch eine unregelmäßige AV-Überleitung gekennzeichnet sind.


Ätiologie

Vorhofflimmern

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  • Zu 6% bei Herzgesunden (idiopathisch),  welches durch starken Alkohol-, Nikotin- oder Kaffeekonsum oder in Situationen hoher emotionaler Erregung verstärkt auftritt
  • Meist ist Ursache organisch: Herzinsuffizienz, rheumatische Herzerkrankungen, KHK, Kardiomyopathie, Hyperthyreodismus, Perikarditis, Lungenembolie, WPW-Syndrom, Sick-Sinus Syndrom, postoperativ nach Herzoperationen

Epidemiologie

Vorhofflimmern

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  • Häufigste Herzrhythmusstörung
  • Inzidenz: 5%

Differentialdiagnosen

Vorhofflimmern

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Vorhofflimmern

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Klinik von der Symptomlosigkeit bis zur Präsynkope Palpitationen? ("Herzstolpern") Herzrasen? (durch gesteigerte Überleitung vom Vorhof auf die Kammern) Luftnot? Schwindel?


Diagnostik

Vorhofflimmern

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  • Oberflächen-12-Kanal EKG
  • Langzeit-EKG zur Diagnose eines intermittierenden Vorhofflimmerns: charakteristisches Fehlen der P-Welle, irreguläre atriale Oszillationswellen, Kammerrhythmus ist irregulär (absolute Arrhythmie), unregelmäßiges RR-Intervall
  • Palpation eines Pulsdefizits
  • Intrakardiale EKG-Ableitung

Klinik

Vorhofflimmern

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Je nach AV-Überleitung symptomfrei bis stark symptomatisch Bei 2:1 oder 3:1 Überleitung tolerierbare Kammerfrequenz ohne Beeinträchtigung der Hämodynamik Bei 1:1 Überleitung (z.B. nach Klasse-I-Antiarrhythmikagabe) Möglichkeit der kardialen Dekompensation Bei eingeschränkter linksventrikulärer Funktion kann eine Dekompensation schon bei niedrigeren Kammerfrequenzen eintreten


Therapie

Vorhofflimmern

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  • Bei allen Vorhhoftachykardien muss berücksichtigt werden, ob außerdem eine akzessorische Leitungsbahn vorliegt, die eine ungebremste Überleitung auf die Kammern ermöglicht. In diesem Fall könnte die auf den AV-Knoten gerichteten negative chronotrope Wirkung eines Antiarrhythmikums eine schnelle Weiterleitung über das akzessorische Bündel auf die Kammern begünstigen.

Transösophageale Echokardiographie (TEE):

  • zum Ausschluss intrakardialer Thromben

Therapie der Wahl: 

  • Elektrische Kardioversion: hohe Erfolgsrate von ca. 90%, Sinusrhythmus bleibt jedoch nur bei 30-50% der Patienten über 12 Monate bestehen

Akuttherapie bei geringer Symptomatik:

  • Absenkung der Kammerfrequenz: Bolus i.v. Verapamil (5-10mg), anschließend permanente Infusion mit 5mg/kg/min) (Frequenzkontrollierte medikamentöse Therapie)
  • Digitalis i.v. zur Verlangsamung der Kammerfrequenz
  • Beta-Blocker
  • Flecainid

Langzeittherapie:

  • Therapie der Wahl: primäre Katherterablation: Hohe Erfolgsrate von 60-95%
  • Ebenfalls Sotalol, Klasse-Ic-Antiarrhythmika oder Amiodaron zur Aufrechterhaltung des Sinusrhythmus
  • Zusätzlich kann Digitalis in Kombination mit Beta-Blockern gegeben werden
  • Behandlung der kardialen Grunderkrankung
  • Palliativ: Katheterablation des AV-Knotens, His-Bündels mit nachfolgender Schrittmachertherapie

Komplikationen

Vorhofflimmern

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  • Dekompensation des Herzens bei 1:1 Überleitung oder linksventrikulärer Schwäche
  • Arterielle Embolie aus dem linken Vorhof in das Gehirn - besonders gegen Ende des Vorhofflimmern stark erhöht
  • Embolierisiko bie idiopathischem Vorhofflimmern gering erhöht, beim rheumatisch bedingtem jedoch 17-fach

Zusatzhinweise

Vorhofflimmern

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DD zum Vorhofflattern:

beim Flimmern:

  • keine monomorphe P-Welle
  • komplette irreguläre RR-Intervalle

Literaturquellen

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1. Duale Reihe Innere Medizin (2009) - Thieme, Stuttgart

2. Dörner K. - Klinische Chemie und Hämatologie (2006) - Thieme, Stuttgart

  • (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  • (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  • (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  • (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  • (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

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