Vorhofflimmern

Synonyme: Vorhofflimmern, Arrhythmia absoluta, VHF, Vorhoftachykardie

Definition

Vorhofflimmern

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Vorhofflimmern ist eine Arrythmie, bei der die elektrischen Impulse auf Grund einer kreisenden, myokardialen Erregung nicht regelmäßig an die Kammer weitergeleitet werden, mit folgender absoluten Arrhythmie. Die atriale Herzfrequenz übersteigt dabei 300/min.


Ätiologie

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Durch das Vorhhofflimmern fehlt die regelhafte Vorhofkontraktion und Vorhofdilatation, die ansonsten über die Entladung des Sinusknotens, der sich am Übergang Vena cava superior - rechter Vorhof befindet ausgelöst wird. Ursache ist entweder:

  • Mitralvitium 
  • linksventrikuläre Pathologie (KHK; Linksherzdilatation, systolische oder diastolsiche Linksherzinsuffizienz)
  • ursächlich kann auch eine latente oder manifeste Hyperthyreose sein
  • in selten Fällen liegt keine definierte Erkrankung zugrunde (Lone atrial fibillation)

Da beim Vorhof infolge der fehlenden Vorhofkontraktion die Hämodynamik verändert ist, können sich Thromben, v.a. im Herzohr, bilden. Diese könnten zu thromembolischen Komplikationen, i.e. Apoplexie führen.   


Epidemiologie

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Das Vorhofflimmern ist die häufigste Form der supraventrikulären Tachyarrhythmie:

  • Inzidenz altersabhängig: 50. Lebensjahr bis 1%, 60. Lebensjahr ca. 5%, >70. Lebensjahr bis 10%

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Der Patient mit Vorhofflimmern gibt an:

  • "Herzstolpern
  • unregelmäßigen Herzschlag 
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • in vielen Fällen ist die Rhythmusstörung dem Patienten auch bekannt
  • In der weiteren Anamnese sind TIA`s, Apoplexie akut oder in der Vorgeschichte, andere thrombembolische Komplikationen wie Milzinfarkt, Niereninfarkt oder Ischämien der Extremitäten zu erwähnen. 

Diagnostik

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Vorhofflimmern kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Klinisch: Pulsus irregularis
  • Auskultation: ggf. Mitralvitium
  • EKG: fehlende P Welle im EKG, unregelmäßige Abstände der QRS Komplexe
  • Langzeit EKG: Zum Nachweis insbesondere eines intermittierenden Vorhofflimmerns
  • Labor (Elektrolytstörungen)
  • Echokardiographie: fehlende A Welle in der Duplexechokardiographie, Vorhofvergößerung, ggf. Nachweis eines Mitralvitiums oder einer linksventrikulären diastolischen oder systolischen Funktionsstörung

Klinik

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Vorhofflimmern präsemtiert sich meist durch:

  • Herzpalpitationen
  • Schwindelgefühl
  • Synkopen
  • Dyspnoe
  • Angsgefühl
  • Polyurie

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Vorhofflimmern umfassen:

  • bei neu aufgetretenen Vorhofflimmern, nicht älter als 24 h, kann die elektrische oder medikamentöse Kardioversion versucht werden
  • ansonsten vor jedem Kardioversionsversuch entweder transösophageale Echokardiographie zum Ausschluß linksventrikulärer Thromben (Cave thrombembolische Komplikationen) oder 3-wöchige Antikoagulation mit initial Heparin und später Marcumar nach INR (2 bis 3 als Zielwert)
  • Gelingt eine dauerhafte Kardioversion nicht, ist eine Antikoagulation (bei fehlenden Kontraindikationen) in der Regel mit einem Vit. K Antagonisten indiziert
  • zudem frequenzregulierende Medikamente wie Beta-Blocker oder Caliumantagonisten vom Verapamiltyp und/oder Digitalispräparate
  • sollte es unter der bradykardisierenden Medikation zu einer symptomatischen Bradyarrhythmie kommen, ggf. Schrittmacherversorgung (VVI SM)

Kardioversion:

  • Medikamentöse:
  1. Patienten ohne kardialer Grunderkrankung: Klasse I-Antiarrhythmikum (Flecainid, Propafenon)
  2. Patienten mit kardialer Grunderkrankung: Amiodaron
  • EKG-getriggerte:
  1. Kurznarkose: 10 mg Diazepam mit 20 mg Etomidat i.v.
  2. initiale Dosis 200J
  3. Absolute Indikation: drohender kardiogener Schock

Rezidivprophylaxe:

  • Medikamentös: Amiodaron
  • Katheterablationsverfahren: Pilmonalvenenablation mit Hochfrequenzstrom

Komplikationen

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Eine häufige Komplikationen vom Vorhofflimmern sind:

  • akute Linksherzinsuffizienz
  • Bildung von Thromben → Gefahr arterieller Embolien

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zum Vorhofflimmern:

  • 20% aller Schlaganfälle werden durch Vorhofflimmern verursacht
  • großes Embolierisiko bei permanentem Vorhofflimmern

Literaturquellen

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  1. (2010) ESC Guidelines - Guidelines for the management of atrial fibrillation
  2. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  3. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  4. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  5. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  6. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer

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