Vorhofflattern

Synonyme: Vorhofflattern, Atrial flutter, typisches Flattern, atypisches Flattern, Vorhoftachykardie

Definition

Vorhofflattern

Bearbeitungsstatus ?

Paroxysmale oder persistierende Herzrhythmusstörung bei der die Vorhöfe zwischen 220 und 350 x pro Minute erregt werden. Es kann zwischen klassischem (TypI) und ungewöhnlichem (TypII) Vorhofflattern unterschieden werden.


Ätiologie

Vorhofflattern

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  • Paroxysmal bei Herzgesunden
  • Begünstigt durch Stress, viel Alkohol- oder Kaffeekonsum
  • Bei chronisch paroxysmalen Auftreten liegt meist eine organische Kardiomyopathie vor, z.B. Mitralstenose,KHK, Art.Hypertonie, Rheumatisch bedingter Klappenschaden, seltener: Thyreotoxikose, Perikarditis, Myokarditis, pulmonale Embolie, Thoraxtrauma, Digitalisintoxikation, kongenitale Herzerkrankungen
  • Entstehung aufgrund kreisender Erregungen ausschließlich im Vorhof

Epidemiologie

Vorhofflattern

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Seltener als das deutlich häufigere Vorhofflimmern


Differentialdiagnosen

Vorhofflattern

Bearbeitungsstatus ?

Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Vorhofflattern

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  • Klinik von der Symptomlosigkeit bis zur Präsynkope
  • Palpitationen? ("Herzstolpern")
  • Herzrasen? (durch gesteigerte Überleitung vom Vorhof auf die Kammern)
  • Luftnot?
  • Schwindel?

Diagnostik

Vorhofflattern

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12-Kanal EKG:

  • TypI: Sägezahnartige P-Wellen mit negativer Polarität in II, III und avF (inferiore Ableitungen), positive Wellen in V1 ,QRS-Komplex ist schmal (wie beim Sinusrhythmus), kann aber auch schenkelblockartig deformiert sein (wegen schneller AV-Überleitung)
  • TypII: Fehlendes Sägezahnmuster der P-Wellen. Keine typische Polarität der P-Wellen

Elektrophysiologische Untersuchung am Herzen (EPU):

  • Hierdurch ist der Nachweis der kritischen Zone bei beiden Typen möglich. Die kritische Zone ist der Bereich im Herzen, der für die Aufrechterhaltung der Tachykardie verantwortlich ist -> siehe Zusatzhinweise

Klinik

Vorhofflattern

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  • Je nach AV-Überleitung symptomfrei bis stark symptomatisch
  • Bei 2:1 oder 3:1 Überleitung tolerierbare Kammerfrequenz ohne Beeinträchtigung der Hämodynamik
  • Bei 1:1 Überleitung (z.B. nach Klasse-I-Antiarrhythmikagabe) Möglichkeit der kardialen Dekompensation
  • Bei eingeschränkter linksventrikulärer Funktion kann eine Dekompensation schon bei niedrigeren Kammerfrequenzen eintreten

Therapie

Vorhofflattern

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  • Bei allen Vorhhoftachykardien muss berücksichtigt werden, ob außerdem eine akzessorische Leitungsbahn vorliegt, die eine ungebremste Überleitung auf die Kammern ermöglicht. In diesem Fall könnte die auf den AV-Knoten gerichteten negative chronotrope Wirkung eines Antiarrhythmikums eine schnelle Weiterleitung über das akzessorische Bündel auf die Kammern begünstigen.

Akuttherapie bei starker Symptomatik:

  • Externe Kardioversion unter Kurznarkose (2-4J/kg) -> Wiederherstellung des Sinusrhythmus
  • Überstimulation mit invasivem Stimulationskatheter

Akuttherapie bei geringer Symptomatik:

  • Absenkung der Kammerfrequenz: Bolus i.v. Verapamil (5-10mg), anschließend permanente Infusion mit 5mg/kg/min)
  • Digitalis: Vorhofflattern geht dabei häufig in Vorhofflimmern über
  • Beta-Blocker
  • Flecainid

Therapie nach erfolgter Konversion:

  • Erhaltungsdosis Sotalol, Klasse-Ic-Antiarrhythmika (Kontrolle der Kammerfrequenz!) oder Amiodaron (low dose)

Langzeittherapie:

  • Therapie der Wahl: Katherterablation: Hohe Erfolgsrate von >95%
  • Ebenfalls Sotalol, Klasse-Ic-Antiarrhythmika oder Amiodaron zur Aufrechterhaltung des Sinusrhythmus
  • Zusätzlich kann Digitalis in Kombination mit Beta-Blockern gegeben werden
  • Behandlung der kardialen Grunderkrankung

Komplikationen

Vorhofflattern

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  • Dekompensation des Herzens bei 1:1 Überleitung oder linksventrikulärer Schwäche.

Zusatzhinweise

Vorhofflattern

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Kritische Zone Typ I:

  • Isthmusbereich, zwischen inferiorem Teil der Trikuspidalklappe und Öffnung der V.cava inferior

Kritische Zone Typ II:

  • Linksatrialer Isthmusbereich, zwischen linker inferiorer V.pulmonalis und dem Mitralklappenanulus

Literaturquellen

Vorhofflattern

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1. Duale Reihe Innere Medizin (2009) - Thieme, Stuttgart

2. Dörner K. - Klinische Chemie und Hämatologie (2006) - Thieme, Stuttgart

  • (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  • (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  • (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  • (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  • (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

Assoziierte Krankheitsbilder zu Vorhofflattern

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