Vesikoureteraler Reflux

Synonyme: Vesikoureterorenaler Reflux, vesico - ureteric reflux, VUR

Definition

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

VUR ist der retrograde Harnfluss von der Blase zurück in die Ureteren


Ätiologie

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

Der primäre VUR ist durch das angeborene Fehlen oder eines Defektes in der longitudinalen Muskulatur der Uretersubmucosa bedingt, welche in einer „Fehlplazierung“ des Ureterostiums endet.

VUR ist autosomal - dominant vererbt mit variabler Penetranz. Zwischen 25 - 50 % der asymptomatischen (♀♂) Geschwister hat ebenfalls einen VUR


Epidemiologie

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

m : w = 2 : 1 bis 5 : 1 antenatal in Kontrast zum Überhang des weiblichen Geschlechtes in der späten Kindheit.


Differentialdiagnosen

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

(kann im Kindesalter sehr variabel und inkonstant sein)

VUR ist der retrograde Harnfluss von der Blase zurück in die Ureteren. Primärer VUR ist das häufigste kinderurologische Problem. Er findet sich bei 30 - 50 % aller Kinder, die mit einem Harnwegsinfekt vorgestellt werden. Die pränatale Hydronephrose ist in 11 % durch einen VUR bedingt. In den ersten 6 lebensmonaten sind insbesondere unbeschnittene Jungen gefährdet, fieberhafte (Durchbruchs-) HWI zu erleiden. Durch die fortschreitende Refluxnephropathie können ein terminales Nierenversagen un deine schwere Hypertonie entstehen. Wichtig ist die Familienanamnese: Kinder von Eltern mit VUR leiden häufiger ebenfalls an einem VUR.


Diagnostik

Vesikoureteraler Reflux

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  • (pränataler) Ultraschall (Polyhydramnion)
  • klinischer Befund
  • Kreatinin
  • U-Status/Uricult
  • MCU
  • DMSA
  • Zystoskopie
  • Zystomanometrie

Klinik

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

(kann im Kindesalter sehr variabel und inkonstant sein)

  • (rezidivierende) (fieberhafte) (Durchbruchs-)Harnwegsinfekte
  • Sepsis
  • schlechter Strahl beim Urinieren
  • Gedeihstörung
  • Polyurie, Polydypsie
  • kindliche arterielle Hypertonie
  • Parenchymnarben (stehen im direkten Verhältnis zum Schweregrad des Refluxes
  • Refluxnephropathie
  • terminales Nierenversagen
  • VUR ist assymptomatisch, keine Bauch- oder Flankenschmerzen

Klassifikation: Grad I - V (nach Heikel-Parkulainen)

in 2/3 der Fälle ist der VUR beidseitig


Therapie

Vesikoureteraler Reflux

Bearbeitungsstatus ?

Beginn mit antibiotischer Langzeitprophylaxe z. B. Trimethoprim (Infectotrimet ®), Nitrofurantin (Nifuretten ®) 1 – 2 mg/kgKG abends) unter Ausnutzung spontaner Maturation des VUR, ggfs. Begleitbehandlung bei bestehender Detrusorinstabilität mit einem Anticholinergikum (Oxybutynin (z. B. Dridase®) 0.3 mg/kg KG/d (max. 3 x 5 mg/d, Propiverinhydrochlorid (z. B. Mictionetten®) 2 x 0.4 mg/kg KG/d). Auch einhöhergradiger VUR wird im 1. Lebensjahr konservativ mit antibiotischer Langzeitprophylaxe behandelt, während ein VUR I bei klinischer Beschwerdefreiheit keiner weiteren Behandlung bedarf.

Bei Refluxpersistenz mit abnehmender Tendenz wird die Langzeitprophylaxe fortgesetzt. Bei fortbestehendem höhergradigen VUR bzw bei einer Ablehnung der langzeitprophylaxe oder bei Durchbruchsinfekten endoskopische Antirefluxplastik (ARP) wie STING = subureteral teflon injection, oder SCIN = subureteral collagen injection) mit z. B. Deflux®. Die endoskopische ARP wird maximal 1 x wiederholt.

Bei höhergradigem VUR ohne oder mit nur sehr geringer Chance zur Spontanmaturation, > II° VUR über das 6./7. Lebensjahr hinaus, Versagen der konservativen Therapie, massiven Durchbruchsinfekten, Refluxpersistenz über das 1. Lebensjahrzent hinaus offene Ureterreimplantation (intravesikal: Cohen, Leadbetter - Politano; extravesikal: Lich - Gregoir, Psoas - Hitch).

perioperative Antibiotikaprophylaxe mit Cefuroxim (z. B. Elobact®) 50 - 100 mg/kg KG

STING/SCIN: kurzstationärer Aufenthalt mit Blasenkatheter

offene operative Verfahren: 7 - 10 Tage stationär, 5 - 7 Tage Ureterstent (oder länger 6 Wochen: J - Katheter)

einfache Ein-/Ausfuhrbilanz

orale antibiotische Prophylaxe für 12 Wochen

Ultraschallkontrolle (postoperativ), vor Stententfernung, nach 3 (6) Wochen

MCU nach 12 Wochen, weiter je nach Befund

ggfs. Absetzen der Langzeitprophylaxe 


Komplikationen

Vesikoureteraler Reflux

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  • Harnverhalt
  • narbige Ostiumstenose,
  • „Kollagendepot - Unverträglichkeit“
  • Urinom
  • „Rezidiv, Therapieversager“

Zusatzhinweise

Vesikoureteraler Reflux

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Der pränatal diagnostizierte VUR zeigt überwiegend hohe Schweregrade.

Unbehandelt führt ein persisitierender VUR zu Nierenfunktionsverlust bis hin zur Niereninsuffizenz. Erfolgsrate bei Ureterreimplantation 98 % für einen niedergradigen, 90 % für einen höhergradigen Reflux.


Literaturquellen

Vesikoureteraler Reflux

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PL Glick, RH Pearl, MS Irish, MG Cathy (Eds.) Pediatric Surgery Secrets, Chapter 50, SP Greenfield:Vesicoureteral reflux, Hanley & Belfus Inc, Philadelphia, 2001, ISBN 1-56053-317-X

M. Bettex, N. Genton, M Stockmann (Eds.) Kinderchirurgie, M Bettex Kapitel: Vesikoureteraler Reflux 8.110 – 8.125, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 1982, ISBN 3-13-338102-4 

Prem Puri (Ed), Newborn Surgery, P Puri, Chapter 89, Vesico - ureteric reflux, Arnold Publisher, 2003, ISBN 0 340 76144 X

HG Dietz, T Schuster, M Stehr (Hrsg) Operative Eingriffe in der Kinderurologie. Ein Kompendium, Kapitel: Vesikoureterorenaler Reflux (VUR), Urban und Vogel Verlag, München, 2001, ISBN 3-86094-141-0


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