Verletzungen der Harnblase

Synonyme: Harnblasenverletzungen

Definition

Verletzungen der Harnblase

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  • Die Verletzung der Harnblase kann manigfaltig hervorgerufen werden (iatrogen, Stichverletzungen, Beckenfraktur usw.)

Ätiologie

Verletzungen der Harnblase

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  • Prinzipiell Unterscheidung zwischen intra- und extraperitonealer Blasenverletzung

Eine Verletzung der Harnblase kann mehrere Ursachen haben:

Stumpfes Trauma(67-86%):

  • In 90% der Fälle Verkehrsunfälle als Ursache
  • In97% gleichzeitige Beckenringfraktur mit Scherverletzung oder Perforation durch Knochenfragmente (15% aller Beckenfrakturen gehen mit Blasenverletzung einher: in 85 % extraperitoneale Ruptur)
  • In 20-50 % gleichzeitige Urethraverletzung
  • Solitäre Blasenverletzung ist selten (15%); direktes Unterbauchtrauma bei voller Blase (häufig in alkoholisiertem Zustand), meist mit intraperitonealer Ruptur im Vertexbereich (Blasenscheitel)



Penetrierende Verletzung:

  • Stich-,Schuss-oder Pfählungsverletzung

 
latrogen:

  • Relativ selten
  • Blasenperforation bei endoskopischen Eingriffen (Tur-Blase, forciertem Katheterismus oder Zystoskopie)
  • Operationen im kleinen Becken (V.a. bei gynäkologischer oder urologischer Tumorchirurgie, Inguinalhernienplastik mit Blasenherniation)



Spontanruptur von Ersatzblasen:

  • Meist Patienten unter intermittierendem Selbskatheterismus mit verminderter Sensibilität
  • Rupturmechanismus durch ischämische Nekrose bei chronischer Pouch-Überdehnung unter Selbstkatheterismus und erhöhtem Blasenauslasswiderstand oder durch peptische Ulcera bei Castro-pouch erklärt

Epidemiologie

Verletzungen der Harnblase

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Die Verletzung der Harnblase ist nach Nierenverletzung  zweithäufigstes verletztes urogenitales Organ (22% aller urologischen Traumen)


Differentialdiagnosen

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Anamnese

Verletzungen der Harnblase

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Folgende Befragungen nach Vorgeschichte bei den Verletzungen der Harnblase sind von Bedeutung:

  • Unfallmechanismus?
  • Inspektion: Prellmarken, Unterbauch-/Genital-/Perineal-Hämatome?
  • Makrohämaturie?
  • Dysurie?
  • Unterbauchschmerzen?
  • Schock?

Diagnostik

Verletzungen der Harnblase

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Verschiedene diagnostische Verfahren, die bei Verletzungen der Harnblase unverzichtbar sind, sind unten aufgelistet:

Klinische Untersuchung:

  • Beckenfraktur
  • abdominale Schwellung
  • Abwehrspannung
  • Ileus
  • Kreislauf-Instabilität (Schock) durch extensiven Blutverlust ins Becken oder durch andere assoziierte Verletzung (Polytrauma)



Labor:



Sonographie:

  • Blasentamponade
  • Urinom infraperitoneal
  • frei Flüssigkeit intraperotoneal?

Retrograde Urethrographie:

  • Cave: kein blinder Blasen-Katheterismus bei urethraler Blutung vor Ausschluss einer Urethraverletzung durch retrograde Urethrographie!


CT-Zystogramm:

  • Mit abgeklemmtem DK (Dauerkatheter) und 400 ml KM (Kontrastmittel)- Füllung bei Polytrauma


Zystographien:

  • Füllung der Blase über DK mit mindestens 300-400 ml KM
  • Darstellung der Blase in 2 Ebenen
  • Extravasation intra – oder extraperitoneal
  • Zusatzaufnahme nach Blasenentleerung
  • Kopfstehende „Tropfen“ Deformität durch paravesikales Hämatom

IPV:

  • Als Zusatzuntersuchung zur Beurteilung der oberen Harnwege notwendig
  • bezüglich Blasenverletzungsdiagnostik  jedoch unzureichend

Klinik

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Folgende Zeichen und Symptomen sind bei Patienten mit Verletzungen der Harnblase anzutreffen:

  • Makrohämaturie (in 95%): Relativ sicheres Zeichen. Allerdings korreliert die Blutung nicht mit dem Schweregrad der Verletzung
  • Imperativer Harndrang mit Dysurie oder Harnverhalt bei „tastbarem Unterbauchtumor“
  • Blutige Anurie
  • Unterbauchschmerzen mit Peritonismus, Abwehrspannung und paralytischem Ileus bei intraperitonealer Perforation
  • Schock
  • Urämie und Azidose durch peritoneale Urin-Rückresorption bei intraperitonealer Perforation
  • Spülwasserverlust, positive Flüssigkeitsbilanz, Bauchumfangzunahme bei iatrogener Perforation

Therapie

Verletzungen der Harnblase

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Man kann die Verletzungen der Harnblase je nach Zustand entweder konservativ oder operativ behandeln:

Konservativ:

  • Bei kleiner extraperitonealer Perforation (iatrogen) ohne Makrohämaturie Selbstheilung
  • bei offener Urinableitung via DK oder suprapubischer Harnableitung abwarten
  • Ableitung für 10 Tag
  • Vor Katheterentfernung allenfalls Zystographiekontrolle
  • Antibiotische Therapie



Operativ:

  • Bei Polytrauma, intraperitonealen oder schweren Blasenverletzungen immer sofortige offenen Blasenfreilegung

Komplikationen

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Als Komplikationen der Verletzungen der Harnblase können Blutungen und Blasentamponaden entstehen


Zusatzhinweise

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Es liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise zu den Verletzungen der Harnblase


Literaturquellen

Verletzungen der Harnblase

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  • (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  • (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  • (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  • (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  • Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban und Fischer
  • Hauri D, Jaeger P - Checkliste Urologie - Thieme Verlag

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Urologie

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