Vaskuläre Demenz

Synonyme: VAD, Multiinfarktdemenz, Morbus Binswanger, subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, SAE

Definition

Vaskuläre Demenz

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Die vaskuläre Demenz (auch subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, SAE, Morbus Binswanger) ist ein dementielles Syndrom auf Basis einer Makro- oder Mikroangiopathie mit multiplen subkortikalen Hirninfarkten. Symptomatisch ist eine Störung der Frontalhirnfunktion (Aufmerksamkeits- und Antriebsstörung) und Lokomotionsbeeinträchtigung (Starthemmung, Störung der posturalen Kontrolle). Hingegen ist die Gedächtnisleistung in Abgrenzung zur Alzheimer Demenz nicht wesentlich beeinträchtigt.


Ätiologie

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Die Ursachen der vaskulären Demenz sind:

Vier Hauptmechanismen:

  • Multiinfarktsyndrom
  • "strategische Infarkte" an wichtigen Stellen wie Thalamus
  • mikroangiopathische Läsionen (multilakunäres Syndrom) oder konfluierende Marklagerveränderungen (subkortikale vaskuläre Enzephalopathie)
  • Mikrogefäßveränderungen mit Kapillarverlust

Risikofaktoren:

  • arterielle Hypertonie
  • Hyperlipidämie
  • Nikotinabusus
  • Diabetes mellitus
  • Herzinsuffizienz

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der vaskulären Demenz liegen folgende Daten vor:

  • im Westen: Alzheimer häufiger als vaskuläre Demenz
  • ungefähr 15 % der Demenzerkrankungen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der vaskulären Demenz sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn (auch plötzlich möglich, DD Schlaganfall)?
  • Hinweise auf einen Schlaganfall in der Vorgeschichte? Kardiovaskuläre Erkrankungen bekannt?
  • wechselnder Verlauf?
  • Verlangsamung, Antriebsmangel, Erschöpfbarkeit?
  • Defizite bei Konzentration, Aufmerksamkeit, kognitiver Leistung?
  • labile Gefühlswelt, Reizbarkeit, Ängstlichkeit?
  • nächtliche Verwirrtheit?
  • Schwindel, Benommenheit?
  • ungewollter Harnabgang?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der vaskulären Demenz sind relevant:

  • neurologische Untersuchung (fokal neurologische Defizite, TIA, PRIND)
  • Demenztests wie Demtect, MMSE, Uhrentest
  • Depression abgrenzen, z.B. Geriatric Depression Scale
  • CCT/MRT: Nachweis vaskulärer Hirnveränderungen, fleckige/diffuse ventrikelnahe Hypodensitäten, ev. multiple Lakunen
  • internistischer Status, ev. Herzecho, Langzeit-EKG
  • Doppler/Duplex zur zerebrovaskulären Abklärung, Stenosen/Verschlüsse?
  • Labor: Ausschluss Lebererkrankung, Hypothyreose

Klinik

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Die klinische Diagnose der vaskulären Demenz basiert auf den NINDS-AIREN-Kriterien:

1) Demenz

Verlust ehemals vorhandener kognitiver Fähigkeiten von solcher Schwere, dass die gewohnte Alltagsbewältigung erheblich eingeschränkt wird. Dauer 6 Monate, Defizite nicht durch andere Erkrankungen erklärbar (affektive Störung, Delir, Schizophrenie etc.)

Hinzu kommen mindestens 2 der folgenden Symptome:

  • Sprachdefizite
  • Defizite bei Konzentration, Aufmerksamkeit, Orientierung
  • kognitive Leistung (Lesen/Schreiben/Rechnen) eingeschränkt, teils länger erhalten als bei Alzheimer
  • Störungen der visuell-räumlichen Wahrnehmung
  • Abnahme der motorischen Kontrolle
  • Schwindel, Benommenheit
  • Gangstörungen
  • Störungen von Abstraktions- und Handlungsfähigkeit

2) Zerebrovaskuläre Erkrankungen

  • Schlaganfälle der A. cerebri anterior und der A. cerebri posterior
  • Kleingefäßerkrankungen

3) Verknüpfung von 1) und 2)

  • Beginn max. 3 Monate nach Infarkt
  • rapide Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der vaskulären Demenz umfassen Folgendes:

  • Bezugspersonen beraten
  • kognitives Training

Pharmakotherapie

  • Therapie kognitiver Symptome:
  • Nootropika, z.B. Ginkgo-biloba: 240 mg pro Tag, Nicergolin: 15-30 mg pro Tag

Für den Einsatz von Antidementiva in der Behandlung der vaskulären Demenz liegen keine ausreichenden Daten vor um eine generelle Empfehlung auszusprechen. Eine Therapie kann im Rahmen des off-label-use im Einzelfall erwogen werden. [7]

  • Antidementiva: Donepecil 5/10 mg/d, Galantamin 24mg/d, Rivastigmin 12 mg/d, Memantin 20mg/d [7]

Therapie nicht-kognitiver Symptome:

  • Neuroleptika (bei Psychose, Unruhe): z.B. Trizyklische Neuroleptika, Dibenzepine, Benzamide und Butyrophenone
  • Antidepressiva: SSRI

Komplikationen

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Bei der vaskulären Demenz kommen folgende Komplikationen vor:

  • deutlich verringerte Lebenserwartung
  • Tod häufig durch Schlaganfall oder durch Folgen der Demenz (z.B. Verschlucken, zu schwache Atembewegung etc.)

Zusatzhinweise

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Mischformen von vaskulärer Demenz und Alzheimer-Demenz sind möglich.


Literaturquellen

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  1. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  2. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  3. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  4. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  5. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  6. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  7. (2009) S 3 - Leitlinie "Demenzen" der DGN und DGPPN: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/038-013l.pdf>

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