UV-Schutz für Kinder

Synonyme: Sonnenschutz für Kinder

Definition

UV-Schutz für Kinder

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Für die besonders empfindliche und dünne Haut der Kinder ist ein konsequenter und intensiverer UV-Schutz notwendig, der ausreichend hohen Schutz vor UVA- und UVB-Strahlen bei Sonnenexposition gewährt (höheren Lichtschutzfaktor, je nach Hauttyp und UV-Index). Dabei werden unerwünschte Effekten der Sonne wie Sonnenbrand und Hautkrebs vorgebeugt.


Ätiologie

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  • Der Sonnenbrand stellt eine phototraumatische Reaktion mit zytotoxischem Prozess durch UVB-Fraktion des Lichtes dar.

Epidemiologie

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  • Der Sonnenbrand kommt gehäuft im Frühjahr und Sommer vor.
  • Er tritt sehr oft bei hellhäutigen Menschen (Hauttyp I und II) auf.

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Bei dem UV-Schutz bei Kindern sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Hat das Kind schon mal einen Sonnenbrand gehabt? Alter des Kindes?
  • chronische UV-Exposition? bestehende Naevi bzw. kongenitale Naevi?
  • Was für Beschwerden? Juckreiz?Schmerzen? Brennen?
  • Verlauf? Lokalisation der Hauterkrankung? Blasenbilung?
  • Sonnenüberempfindlichkeit? 
  • Den Patienten nach Hauttyp (fett?/trocken?) fragen (subjektives Empfinden des Patienten)
  • bekannte Hauterkrankungen?
  • bekannte Grunderkrankungen? Malignes Melanom?
  • Erkrankungen in der Familie?
  • Allergien?
  • Medikamentenanamnese

Diagnostik

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Vor dem Beginn der Hautpflege mit UV-Schutz für Kinder sind relevant:

  • Anamnese
  • klinische Untersuchung

Klinik

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Die Kinderhaut wird durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet:

  • Die Haut der Kinder ist besonders dünn, zart und empfindlich. Aus diesem Grund soll sie gut vor Sonnenstrahlen geschützt werden.
  • Ihre vollständige Schutzfunktion baut sich erst auf und sie hat eine fettärmere Hautoberfläche.

Therapie

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Die Hautpflege mit UV-Schutz bei Kindern umfasst folgendes:

Allgemeine Maßnahmen:

  • Aufklärung bzw. Beratung der Eltern.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Altersgerechter Sonnenschutz:

Im 1. Lebensjahr:

  • Sonnenbestrahlung: keine direkte Sonnenexposition, immer im Schatten bleiben.
  • Kleidung: sonnendichte Kleidung und Kopfbedeckung
  • Sonnencreme: keine

1.-5. Lebensjahr:

  • Sonnenbestrahlung: direkte Sonnenbestrahlung vermeiden, keine Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr.
  • Kleidung: sonnendichte Kleidung und Kopfbedeckung
  • Sonnencreme: kindergeeignete Sonnencreme mit hohem Lischtschutzfaktor

Ab 5. Lebensjahr:

  • Sonnenbestrahlung: wenig direkte Sonnenexposition, keine Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr.
  • Kleidung: sonnendichte Kleidung und Kopfbedeckung
  • Sonnencreme: ab Lichtschutzfaktor 15

Allgemeine Regel:

  • Sonnencremes mit ausreichendem Lichtschutzfaktor anwenden.
  • Genügend Sonnenschutzmittel verwenden.
  • Sonnenschutz alle zwei Stunden bzw. Nach jedem Bad erneuern.
  • Sonnenbrille tragen.

Sonnenschutzmittel:

  • Natürlicher Sonnenschutz: Betakarotinzufuhr: Karotten, Karottensaft; Lycopin-haltige Produkte: Tomaten, Tomatensaft
  • Primäre Photoprotektion: Sonnenschutzmittel mit chemischen UV-Schutzfiltern (Wirkungsmechanismus: Absorption der UV-Strahlung; Je nach dem Absorptionsspektrum unterscheidet man zwischen UVA-, UVB- und Breitbandfiltern; Wirkungsmaximum: nach 20-30 min; aus diesem Grund ist sinnvoll, dass man das Mittel spätenstens eine halbe Stunde bevor man in die Sonne geht aufträgt) oder Sonnenschutzmittel mit physikalischen Filtern wie z.B. Titandioxid, Zinkoxid (Wirkungseintritt: sofort, Mechanismus: Reflexation der Sonnenstrahlen).
  • Sekundäre Schutzstoffe (hautberuhigende und hautpflegende Mittel während und/oder nach einer UV-Belastung) z.B.: Dexpanthenol (hautbefeuchtende und die Epithelisierung fördernde Wirkung), Glycerin in den Sonnenschutzprodukten (hautbefeuchtende Wirkung).

Symptomatische Behandlung:

  • bei leichtem und kleinflächigem Sonnenbrand: lokale Kortikosteroid (Klasse II) Therapie in Form von Cremes, Gelen, Lotiones
  • bei schwerem oder großflächigem Sonnenbrand: zusätzlich systemische Behandlung mit Prostaglandinhemmern (z. B. 3 x 25-50 mg Diclofenac)
  • bei stark ausgeprägter Juckreiz: Begleitmedikation mit H1-Antihistaminika: topische Anwendung in Form von Gelen, Cremes, Sprays: bis zu 3-mal täglich dünn auf die betroffenen Hautarealen autragen und kurz einmassieren; Alternative: Dimentindenmaleat 1mg/ml Lösung, Dosierung: bei Kindern (1–8 Jahren) 3-mal täglich je 10–15 Tropfen, ab 9 Jahren je 20 Tropfen, bei Erwachsenen 3 mal täglich je 20 – 40 Tropfen; oder Dexchlorpheniraminhydrogenmaleat (Tabletten): Dosierung bei Erwachsenen: 3- bis 4-mal ½-1 Tbl. täglich; bei Kindern < 12 J.: 3- bis 4-mal ½ Tbl. täglich.
  • Bei Zeichen einer Superinfektion zusätzlich topisch antiseptisch behandeln (Lösungen, Cremes).
  • Bei deutlichen Zeichen der bakteriellen Superinfektion: systemische antibiotische Kurzzeittherapie (3-5 Tage) mit oralem Flucloxacillin (Standarddosierung: 2-4 g/Tag bei Erwachsenen bzw. 50 mg/kg/Tag bei Kindern, verteilt auf 4-6 Einzeldosen/Tag) oder Cephalosporin (Standarddosierung bei Erwachsenen: 2 x 250-500 mg (z.B. Cefuroxim) bzw. bei Kindern: 20-40 mg/kg/Tag).
  • ggf. antimykotische Behandlung mit Itraconazol (Hartkapseln): 100 mg 1- bis 2-mal täglich über 2-4 Wochen.

Empfehlungen:

  • Kinder bis 18 Jahre müssen zur Risikoreduktion von malignen Hauttumoren vor der Sonne und dem Solarium geschützt werden.
  • Insbesondere Kinder mit hellem Hauttyp müssen intensiv und konsequent vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.
  • Besonders wichtig ist der Schutz im Säuglings- und Kleinkindalter.
  • Beratungen vor dem Urlaub bzw. den Sommermonaten wichtig
  • Das Spielen im Freien bei bewölktem und insbesondere bei sonnigem Wetter birgt ein großes Risiko, da sich die Bestrahlungsstunden über den Sommer summieren.
  • Die Empfehlung von leicht anwendbaren Präparaten (Sprays und leicht einziehende Lotionen) fördern die Anwendungshäufigkeit und die Toleranz bei den Kindern und ist somit ein entscheidender Faktor in der Hautkrebsprophylaxe.
  • Es sollte darauf geachtet werden, dass die Präparate wasserfest, abriebfest und schwitzfest sind.

Komplikationen

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Bei einer ungeeigneten Hautpflege mit UV-Schutz für Kinder können folgende Komplikationen vorkommen:

  • Hautttockenheit, Hautirritationen
  • Rötung, Juckreiz, Brennen der Haut, gefolgt von leichter Schuppung
  • bakterielle Superinfektion
  • Allergische Reaktionen
  • Auftreten von aktinischen Keratosen, besonders im
  • Gesicht, am Nacken, Handrücken, Unterarmen
  • Hautzellentartung

Zusatzhinweise

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Man unterscheidet zwischen den folgenden Hauttypen [2, 16]:

  • Typ I (keltisch): extrem empfindlich; Eigenschaften: sehr helle Haut, Sommersprossen, blonde bis rote Haare, blaue oder grüne Augen; Reaktion auf UV-Exposition: immer Sonnenbrand, nie Bräunung; Eigenschutzzeit: 5-10 min.
  • Typ II (nordisch): empfindlich; Eigenschaften: helle Haut, manchmal Sommersprossen, blonde bis hellbraune Haare, blaue, graue oder grüne Augen; Reaktion auf UV-Exposition: häufig Sonnenbrände; Eigenschutzzeit: 10-20 min.
  • Typ III (europäisch, dunkel): mäßig empfindlich; Eigenschaften: helle bis hellbraune Haut, keine Sommersprossen, dunkelblonde bis braune Haare, graue oder braune Augen; Reaktion auf UV-Exposition: manchmal Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: 20-30 min.
  • Typ IV (mediterran, hell): unempfindlich; Eigenschaften: hell- bis olivbraune Haut,  dunkelbraune bis schwarze Haare, dunkle Augen; Reaktion auf UV-Exposition: fast nie Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: 30-40 min.
  • Typ V (mediterran, dunkel, asiatisch): unempfindlich; Eigenschaften: braune Haut – unabhängig von Sonneneinwirkung,  dunkelbraune bis schwarze Haare, dunkle Augen; Reaktion auf UV-Exposition: nie Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: ˃ 40 min.
  • Typ VI (negroid): unempfindlich; Eigenschaften: dunkelbraune bis fast schwarze Haut,  schwarze Haare, dunkelbraune oder schwarze Augen; Reaktion auf UV-Exposition: nie Sonnenbrand; Eigenschutzzeit: nahezu unbegrenzt hoch.

Typisch für einen Sonnenbrand sind folgende Merkmale:

Lokalisation:

  • sonnenexponierte Hautareale

Symptomatik:

  • 6-8 Stunden nach der Exposition: Rötung, Schwellung
  • Juckreiz, brennender Schmerz in der Anfangs- und der Kulminationsphase
  • bei starker Exposition: Ödem- oder Blasenbildung
  • die Symptome haben ihren Höhepunkt nach 24-36 Stunden und klingen erst nach 1-2 Wochen mit einer posteruptiven Hyperpigmentierung ab.
  • Bei einem Sonnenbrand im Gesicht ist eine begleitende Konjunktivitis und Keratitis solaris möglich.
  • bei großflächigem Sonnenbrand: Fieber, Allgemeinsymptomen, Superinfektionen bei Öffnung der Blasen

Literaturquellen

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  1. (2005) G. Plewig, P. Kaudewitz, Christian A. Sander -  Fortschritte der Praktischen Dermatologie und Venerologie  - Springer Verlag 
  2. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M – Dermatologie und Venerologie – Springer Verlag, Heidelberg
  3. Bundesamt für Strahlenschutz: www.bfs.de
  4. (1998) Dr. med. Ferdinand Vennemann/Annette Jordan - Aktiv gegen Falten - Schlütersche Verlag
  5. (2003) Dirschka Th, Sommer B, Usmiano J - Leitfaden Ästhetische Medizin - Elsevier, Urban & Fischer Verlag, Jena München
  6. (2008) Jean Krutmann, Thomas Diepgen, Claudia Billmann-Krutmann - Hautalterung: Grundlagen- Prävention- Therapie - Springer Verlag, 2. Auflage
  7. (2003) Wolf-Ingo Worret, Wolfgang Gehring -  Kosmetische Dermatologie - Springer Verlag
  8. (2010) Rote Liste
  9. (2008) Sabine Ellsässer - Körperpflegekunde und Kosmetik - Springer Verlag, 2. Auflage
  10. (2005) Werner Voss, Stefan Siebrecht, Roland Jermann - Gesunde Haut - Georg Thieme Verlag
  11. (2005) Ingrid Moll - Duale Reihe, Dermatologie - Thieme Verlag, 6. Auflage
  12. (2005) Peter Altmeyer, Klaus Hoffmann - Basiswissen Dermatologie: Eine vorlesungsbegleitende Darstellung - W3l GmbH Verlag
  13. (2006) Alexander Meves - Intensivkurs Dermatologie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  14. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer Verlag
  15. (2008) Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft - Polymorphe Lichtdermatose
  16. (2004) Günther H. Jacobi - Anti-Aging für Männer: Strategien für den ganzen Mann -  Georg Thieme Verlag
  17. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  18. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer Verlag
  19. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer Verlag
  20. (2006) Andrea Schmelz - Gesundheit und Erziehung für mein Kind - Riva Verlag

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