Urothelkarzinom der Harnblase

Synonyme: Blasenkrebs, Urothel-Ca, Übergangsepithelkarzinome

Definition

Urothelkarzinom der Harnblase

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Das Urothelkarzinom der Harnblase ist ein maligner Tumor der Blase.


Ätiologie

Urothelkarzinom der Harnblase

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Ätiopathologie des Urothelkarzinoms der Harnblase:

  • > 90%Urothelkarzinome
  • 5 % Plattenepithelkarzinome
  • 5 % Adenokarzinome
  • Urachuskarzinome
  • infiltrierende gynäkologische Tumore Prostata- und Rektumkarzinome

Risiken für das  Urothelkarzinom:

  • Harnblasetumoren
  • Industrielle Karzinogene (z.B. Aromatische Amine, Benzidin, Aminodiphenyl usw.)
  • Zytostatika wie Cyclophosphamid
  • Nikotinabusus (Vor allem im Ureter und Nierenbecken)
  • Phenacetinmetabolite
  • HPV (Humane Papillomavirus) Typ 16
  • Vermutlich "Arsengehalt" im Wasser
  • Chronische Entzündungen, Traumata, Strikturen

Epidemiologie

Urothelkarzinom der Harnblase

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Die statistischen Angaben zum Urothelkarzinom der Harnblase zeigen folgendes:

  • mehr Männer als Frauen betroffen
  • Altersgipfel: 50. - 70. Lebensjahr
  • 20 pro 100.000 Einwohner/Jahr
  • macht ca. 2 - 3 % aller Tumorerkrankungen aus

Differentialdiagnosen

Urothelkarzinom der Harnblase

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Anamnese

Urothelkarzinom der Harnblase

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Folgende Informationen sind beim Urothelkarzinom der harnblase von großer Bedeutung:

  • Alter?
  • Seit wann auffällig?
  • Nahrungs-, Genussmitteanamnese? (z.B. Raucher? Seit wann? Wieviel am Tag?
  • Familienanamnese (Häufige Krankheit?)
  • Berufsanamnese? (Industriearbeiter? Kontakt mit karzinogener Substanzen?)
  • Bekannte genetische Erkrankungen? Bekannte Fehlbildungen?
  • Urologische- bzw. nephrologische Probleme? Miktionsbeschwerden? (Häamturie? Algurie? Pollakisurie?)
  • Allgemeinsymptome? Entzündungen?
  • Trauma/Unfall/Operation im Beckenbereich?

Diagnostik

Urothelkarzinom der Harnblase

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Zur Abklärung und Diagnosesicherung des Urothelkarzinoms der Harnblase sind folgende Untersuchungen unverzichtbar:

Diagnostik des Prinärtumors:

  • Anamnese
  • Klinische Untersuchung
  • Urindiagnostik: Sediment, Kultur, Zytologie
  • Urethrozystoskopie: Ggf. in Narkose mit Biopsie und binamueller Untersuchung
  • Labor: Kreatinin, Blutbild, Gerinnung
  • Diagnostische TUR

Ausbreitungsdiagnostik:

  • i.v.-Urographie:  Immer zum Ausschluss eines Tumors der oberen Harnwege
  • Sonographie des Abdomen:
  • Niere: Harnstauungsniere? → Prognostisch ungünstig, sie spricht für einen muskelinvasiven Tumor der Harnblase
  • Blase: Tumorausdehnung, Tumorlokalisation
  • CT-Abdomen und –Becken: Zum Nachweis vergrößerter Lymphknoten und Beurteilung anderer Organe
  • Röntgen-Thorax: Zum Nachweis von Lungenfiliae
  • Knochenszintigraphie: Zum Nachweis von Knochenmetastasen.

Klinik

Urothelkarzinom der Harnblase

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Die typischen Merkmale des Urothelkarzinoms der Harnblase sind:

  • schmerzlose Makrohämaturie
  • Mikrohämaturie
  • Dysurie

Therapie

Urothelkarzinom der Harnblase

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Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten des Urothelkarzinoms der Harnblase sind je nach Stadium unterschiedlich:

Operativ:

  • Transurethrale Resektion (TUR), radikale Zystektomie, Harnableitungen

Konservativ:

Adjuvante Instillationstherapie beim oberflächlichen Urothelkarzinom: Indikationsschema, Wichtigste Therapeutika:

  • Mitomycin (Chemotherapeutikum) führt zu einer Senkung der Rezidivhäufigkeit in 15-30 % und verlängert das rezidivfreie Intervall, hat jedoch keinen gesicherten Einfluss auf die Progression; Nebenwirkungen in ca.20-30% zystitische Beschwerden.
  • BCG (Immuntherapeutikum) beeinflusst neben der Rezidivrate und des rezidivfreien Intervalls auch die Progressionsrate positiv, besonders gutes Ansprechen zeigt das Carcinoma in situ; Nebenwirkung > 80 % zystitische Beschwerden, außerdem lokalegranulomatöse Entzündungen (selten auch systemisch, dann tuberkulostatische Dreierkombinationstherapie)
  • Cave: Vor Instillation eine floride Infektion ausschließen! Bei der Einlage des Katheters muss eine Schleimhautläsion vermieden werden

 Systemische Chemotherapie:

  • Neoadijuvant: Chemotherapie wird vor geplanter Zystektomie durchgeführt zum Downstaging bei T3/4-Befunden. Ein Vorteil konnte bisher in größeren Studien nicht belegt werden
  • Adijuvant: Nach Zystektomie bei R1-Resektion u./o. N1, Wertigkeit wird zur Zeit in Klinischen Studien geprüft
  • Induktiv: Nach Zystektomie bei R2-Resektion oder primär metastasiertem Tumor
  • Gebräuchliche Chemotherapieschemata

Radiotherapie:

  • Der alleinigen therapeutischen Bestrahlung hat keine Bedeutung  zu
  • Sinnvoll kann die Bestrahlung symptomatischer Knochenmetastasen sein

Kombinierte Radio-/Chemotherapie:

  • Hier werden von einigen wenigen Arbeitsgruppen Erfolge berichtet
  • Kein Standardverfahren

Therapie seltener Harnblasentumoren (s.o.):

  • Hier ist nur das radikale operative Vorgehen sinnvoll
  • beim Urachuskarzinom kann eine Blasenteilresektion durchgeführt werden
  • Bisher wenig Ansprechen auf verschiedene Chemotherapieschemata

Komplikationen

Urothelkarzinom der Harnblase

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Beim Urothelkarzinom der Harnblase können folgende Komplikationen entstehen:

  • Metastase
  • Urosepsis
  • Blasenentleerungsstörung

Zusatzhinweise

Urothelkarzinom der Harnblase

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TNM (klinisch) Klassifikation und pTNM (pathologisch) Klassifikation (gemäß UICC 2002) zum Urothelkarzinom der Harnblase:

Primäretumor:

Ta, Tis, T1, T2, T3, T4

Regionale Lymphknoten:

NX, N0, N1, N2, N3

Fernmetastasierung:

MX, M0, M1

Differenzierungsgrad:

GX, G1, G2, G3, G4


Literaturquellen

Urothelkarzinom der Harnblase

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  1. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  2. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  3. (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  4. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  5. (2003) Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban & Fischer

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Urologie

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