Urosepsis

Synonyme: Harnfieber, Harnsepsis, Blutvergiftung aus den Harnwegen

Definition

Urosepsis

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Bei der Urosepsis kommt es zu einem Übertritt von Bakterien aus dem Harntrakt in die Blutbahn. Hierdurch kann es durch eine systemische inflammatorische Reaktion des Organismus zu einem lebensbedrohlichen Multiorganversagen mit Störungen der Mikrozirkulation, der Sauerstoffversorgung des Gewebes und des Stoffwechsels kommen.


Ätiologie

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Die Urosepsis hat mehrere Ursachen (vor allem Infektionen) und dazu gehören:

1. prädisponierende Faktoren:

  • Harnabflussstörung (z.B.Prostatahypertrophie, Strikturen)
  • immunsuppressive oder zytostatische Therapie
  • vorausgegangene Operation (mit Verweilkathetern in Harnblase oder Venen) mit Verschleppung von meist hochresistenten Keimen
  • Harnverhalt unter Morphintherapie
  • Diabetes mellitus
  • Malignome oder Leberzirrhose
  • höheres Alter und reduzierter Allgemeinzustand

2. Infektionen:

  • häufig hämatogene Streuung gramnegativer Keime: E. coli (35%), Proteus spp. (15%), Pseudomonas app. (15%), Klebsiella spp. (25%), Serratia spp. (5%)
  • iatrogen nach therapeutischen oder diagnostischen Eingriffen an Blase und Prostata
  • iatrogen im Rahmen retrograder Manipulationen am oberen Harntrakt

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Urosepsis in der Palliativmedizin liegen derzeit keine ausreichenden Daten vor.


Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Folgende Informationen sind zur Abklärung der Urosepsis von Bedeutung:

  • Fieber?
  • Schmerzen?
  • Dysurie? Pollakisurie?
  • Oligurie?
  • rezidivierende Harnwegsinfekte?
  • Bekannte urologische Erkrankungen?
  • Vorerkrankungen?
  • Laufende medikamentöse Therapie? Immunsuppresion?
  • liegender Blasenkatheter? wann erfolgte der letzte Wechsel?
  • vorangegangene urologische oder ärztliche Eingriffe?
  • Aussehen des Urins? Blut beim Urin? auffälliger Geruch?
  • Herzrasen?
  • Tachypnoe?
  • Benommenheit? Schwindel?

Diagnostik

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Folgende diagnostische Schritte sind bei der Urosepsis von Bedeutung:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung (Palpation von Abdomen, Nieren,rektale Untersuchung, Inspektion eines liegendes DKs)
  • Messung von Blutdruck und Puls, evtl. intraarterielle RR-Messung, Pulsoxymetrie
  • Messung der Körpertemperatur
  • Labor (Leukozytose oder Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Gerinnungsstörungen, evtl. Kreatinin und Harnstoff ↑, Elektrolyte, GOT, GPT, GGT, AP, CRP ↑, LDH, Laktat, BZ)
  • Prokalzitonin (als Frühmarker der Sepsis)
  • Blutkulturen im Fieberanstieg (vor Antibiotikatherapie)
  • U-status mit Urikult ( Leukozyturie, Bakteriurie, ggf. Hämaturie, Erregernachweis mit Resistenzprüfung)
  • ggf Wundabstriche
  • BGA: metabolische Azidose
  • EKG
  • Sonographie des Abdomens und der Harnwege(Sepsisursache? z.B. Harnstauung, Nieren-abszess, Prostatavergrößerung
  • kontrastverstärktes CT (anatomische Besonderheiten, Obstruktionen, Harnsteine? aussagekräftiger als iv-Urographie)
  • ggf.MRT

Klinik

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Die folgenden Symptomen können bei einer Urosepsis vorkommen:

  • Körpertemperatur >38°C oder < 36°C 
  • Schüttelfrost
  • Tachykardie
  • Tachypnoe
  • Erbrechen, Durchfall
  • Oligurie oder Anurie
  • übel riechender Urin
  • Hämuturie
  • Infektion an der Einstichstelle eines suprapubischen DKs
  • Blutdruckabfall
  • Zyanose oder Blässe
  • Unruhe, Angst 
  • Bewußtseinsstörungen

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei einer Urosepsis umfassen:

  • sofortige (operative) Beseitigung der auslösenden Ursache (z.B. Entlastung einer infizierten Harnstauungsniere, Entfernung eines DKs, Behebung einer Obstruktion der Harnwege)
  • Antibiotika-Therapie schon vor Erreger-Nachweis beginnen!
  • vorher mehrere Blutkulturen und Urinkultur abnehmen
  • Antibiose initial iv. mit Ceftriaxon 3x2g/d iv,evtl. in Kombination mit Gentamicin 2 - 3 mg/kg KG/d i.v.; bei Nichtansprechen der Therapie: Tazobaktam/Piperacillin 3x4,5g iv. oder Meropenem 3x1g iv.
  • Falls ein Erregernachweis gelingt, Umstellen der antibiotischen Therapie unter Berücksichtigung der Resistenzprüfung
  • Volumensubstitution, Ziel-ZVD: 8-12 mm Hg
  • Flüssigkeitsbilanzierung
  • O2-Applikation,  ggf Intubation und Beatmung
  • BZ zwischen 150-200 mg/dl einstellen
  • Katecholamine iv. zur Kreislaufstabilisierung
  • niedrig dosiertes Heparin zur Vermeidung einer DIC
  • Ausgleich einer metabolischen Azidose mit Natriumbikarbonat
  • ggf. Erythrozytenkonzentrate
  • gggf. Thrombozytenkonzentrate 
  • evtl. Nierenersatzverfahren

Komplikationen

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Die Urosepsis kann folgende Komplikationen zur Folge haben:

  • Blutdruckabfall
  • Stenokardien, Herzinfarkt
  • metabolische Azidose
  • Thrombozytopenie
  • disseminierte intravasale Gerinnung / DIC
  • Schockniere
  • Schocklunge
  • Stressulzera
  • Bewußtseinstrübungen, Enzephalopathie
  • zerebrale Krampfanfälle
  • Multiorganversagen
  • septischer Schock 
  • Tod

Zusatzhinweise

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Die Urosepsis zeigt bei adäquater und frühzeitiger intensivmedizinischer Therapie eine Letalität von < 20%.

Ein großes Problem stellen die zunehmenden Resistenzen der Erreger, v.a. bei Enterobakterien, dar [1].


Literaturquellen

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  1. (2010) Wagenlehner, Lichtenstern, Weigand, Weidner: Urosepsis und Therapie. Der Urologe; Vol 49, Nummer 5: 618-622
  2. (2009) Werni-Kourik M, Likar R, Strohscheer I - Palliativmedizin - Uni Med. Bremen
  3. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  4. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  5. (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  6. (2007) Bausewein C, Roller S, Voltz R - Leitfaden Palliativmedizin - Palliative Care - Urban & Fischer Verlag 
  7. (2007) Aulbert E, Nauck F, Radbruch L - Lehrbuch der Palliativmedizin - Schattauer Verlag
  8. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  9. (2003) Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban & Fischer

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Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Palliativmedizin

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