Urethraverletzungen

Synonyme: Harnröhreverletzung, engl. urethral injury, ICD-10: S37.3

Definition

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Die Urethralverletzungen sind die Verletzungen der Harnröhre, die durch verschiedene Ursachen hervorgerufen werden können(Iatrogen, Trauma usw.)


Ätiologie

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Die häufigsten Ursachen der Urethraverletzungen sind folgendes:

  • Polytrauma mit Beckenfrakturen ,z.B. Verkehrsunfälle, Überrolltrauma, Sturz aus großer Höhe
  • Nach Sturz auf den Dammbereich (Straddle-Trauma) z.B. typische Sturz auf die Fahrradstange
  • Masturbationsverletzung
  • Sexualverletzung
  • Iatrogen (Blasenläsion oder Verletzung durch operative oder endoskopische Eingriffe)

Epidemiologie

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  • Scherläsion der Harnröhre bei 75% der Beckenfrakturen 
  • 70% der Urethraverletzung durch Verkehrsunfälle
  • 25% durch Sturz aus größerer Höhe
  • Kombinierte Blasen- und Harnröhren- läsionen/Abriss bei 50% aller Beckenfakturen 

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Die folgenden Informationen sind bei Urethraverletzungen von Bedeutung:

  • Trauma?Unfall? (Stumpfes Trauma, Spitze, Straddle)
  • Zeitraum (Seit wann?)
  • Symptomatik (Schmerzen)
  • Urologische Beschwerden und Behandlungen?
  • Begleit- bzw. Nebenerkrankungen?

Diagnostik

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Die Urethralverletzungen sind häufig mit den anderen Verletzungen verbunden und daher sind unten aufgelistete Untersuchungen fällig:

  • Anamnese (Unfallhergang, Polytrauma) und urologische Untersuchung (Prellmarken, Hämatome, Prostata Abtastung mit Rektal-digital Untersuchung)
  • Sonographie (Extravesikale Flüssigkeit im Abdomen, Hämatom, Hochstehende Blase)
  • Retrogrades Urethrogramm
  • Urethroskopie
  • Röntgen (Übersichtsaufnahme des Beckens)
  • Ggf. CT (Bei Polytrauma)

Bei Beckenfrakturen immer eine Harnblasenbeteiligung überprüfen!!


Klinik

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  • Leitsymptome der Urethraverletzungen: Blutung am Meatus urethrae mit Harndrang ohne Miktion, volle Blase, Hämaturie, Dysurie, Harnverhalt
  • Entwicklung eines Hämatoms im Bereich des kleinen Beckens (Bei supradiaphragmaler Harnröhrenverletzung) oder im Beirech des Penis, Skrotums und Perineums (Infradiagphragmale Harnröhrenverletzung)
  • Suprapubische Schmerzen oder Schmerzen im Dammbereich (Vor allem bei mitbetroffener Blase)

Therapie

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Man kann die Urethraverletzungen je nach Zustand entweder konservativ oder operativ wie folgendes behandeln:

  • Stabilisierung der Kreislaufverhältnisse und Diagnostik weiterer Lebensbedrohlicher Verletzungen bei polytraumatisierten Patienten
  • Anlage des suprapubischen Katheters für Harnableitung (CAVE : Bei Beckentraum und Miktionsstörungen keine transurethraler Blasenkatheterismus)
  • Antiobiotische Behandlung bei Hämatomen
  • Therapie je nach Verletzungsart wie z.B. penetrierende anteriore/posteriore Harnröhrenverletzung, stumpfe anteriore/posteriore Harnröhrenverletzung (Antiobiose, Blutstillung, Suprapubische Katheter, Öffnung der Strikturen)
  • Operative Behandlung (Sofortige Intervention zur Rekonstruktion oder Reanastomosierung der Harnröhre bei kompletter Harnröhrenruptur)
  • Post OP Nachsorge

Komplikationen

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Die Urethraverletzungen können zu den verschiedenen Komplikationen führen wie z.B.

  • Urosepsis
  • Erektile Dysfunktion
  • Hämorrhagischer Schock 
  • Phlegmone
  • Harnröhrenstriktur
  • Harninkontinenz

Zusatzhinweise

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Einteilung der Urethraverletzungen:

  • Infradiaphragmale Harnröhrenverletzungen (Pars penilis und bulbosa) : Häufig iatrogen oder "Straddle injury"
  • Supradiaphragmale Harnröhrenverletzungen (Pars membranacea und prostatica) : Als Begleitverletzungen bei komplexen Beckenfrakturen 

Verschiedene Klassifikationen im Bezug auf das Ergebnis des Urethrogramms :

  • Klassifikation der AAST
  • Erweiterte Klassifikation der stumpfen Verletzungen der anterioren und posterioren Urethra nach EU-Guidelines 

Literaturquellen

Urethraverletzungen

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  • (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  • (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  • (2008) Keil J - Prüfungsvorbereitung Urologie - Thieme Verlag
  • (2007/08) Haag, Hanhart, Müller - Gynäkologie und Urologie - Medizinische Verlags - und Informationsdienste
  • (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  • (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  • (2006) Hautmann R, Huland H - Urologie - Springer Verlag
  • Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban und Fischer

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Urologie

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