Urethralsyndrom

Synonyme: Urethrasyndrom, Frequency-urgency-Syndrom, Reizblase, Reizurethralsyndrom, Zystalgie, Neuralgia vesicae, Blasenneurose, engl. irritable bladder

Definition

Urethralsyndrom

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Das Urethralsyndrom ist ein funktionelles Syndrom wobei ein korrelierender organopathologischer Befund fehlt (bei nicht infektiöser Beschwerden)


Ätiologie

Urethralsyndrom

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Das klinische Bild des Urethralsyndroms umfasst verschiedene folgende Krankheitsentitäten:

  • Entzündlich/infektös: Chlamydieninfektion, "Low-count-Bakteriurie"
  • Nichtentzündlich : Harnröhrenatrophie (Örtrogenmangel), funktionelle Blasenentleerungsstörung, anatomische Harnröhrenveränderungen
  • Störungen im vegetativen Nervensystem unter psychologischen und neurophysiologischen Aspekten
  • Pathophysiologische Dyssynergie der Blasen- und Beckenbodenmuskulatur

Epidemiologie

Urethralsyndrom

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Es liegen derzeit keine epidemiologischen Angaben zum Urethralsyndrom vor


Differentialdiagnosen

Urethralsyndrom

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Anamnese

Urethralsyndrom

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Zur Befunderhebung des Urethralsyndroms sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Sexualanamnese und Miktionsanamnese
  • Schmerzsymptomatik (Dauer, Seit wann? Genauere Lokalisation?)
  • Alter? (Psychosomatischer Reizblase meist zwischen 35 und 70 Jahre bei verheirateter Frauen, Psychosomatischer Urethralsyndrom meist zwischen 18 und 50 Jahre)
  • Neurologische- und psychologische Probleme?
  • Infektionen?Entzündungen?Verletzungen?
  • Begleiterkrankungen? (Nephrologisches, Urologisches)

Diagnostik

Urethralsyndrom

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Verschiedene diagnostische Verfahren, die beim Urethralsyndrom unverzichtbar sind, sind unten aufgelistet:

  • Anamnese : v.a. Miktions- und Sexualanamnese
  • Körperliche Untersuchung : äußeres Genitale, Damm, Rektale Untersuchung
  • Flour Diagnostik : Nativ, Färbungen, Kulturen
  • Entzündungsdiagnostik : ≥5 Leukozyten/1000fach im Urethralabstrich
  • Zystomanometrie, Urethrozystoskopie, Ggf. Uroflowmetrie, Restharnbestimmung (Sonografie)
  • Mikrobiologische Diagnostik
  • Östrogenmangel : Karyopyknotischer Index im Harnröhrenabstrich (Parabasal- und Basalzellen überwiegen gegenüber Superfizialzellen

Klinik

Urethralsyndrom

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Folgende Zeichen und Symptomen sind bei Patienten mit Urethralsyndrom anzutreffen:

  • Akute dysurische Beschwerden ohne pathologischen Urinbefund (kein Infektnachweis) oder "Low-count-Bakteriurie"
  • Ständiger quälender Harndrang, Restharngefühl, Algurie, Pollakisurie wie bei einem Harnweginfekt aber ohne Erregernachweis
  • Patientinnen meistens zwischen 18 und 50 Jahre
  • Miktionsunabhängig, jedoch durch eine Miktion verstärkbare brennende, anfallsartige Schmerzen in der Harnröhre im Vordergrund (Dauer : einige Minuten bis zu meheren Tagen)

Therapie

Urethralsyndrom

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Man kann das Urethralsyndrom folgendermaßen behandeln:

  • Erregerspezifische und Resistenzgerechte antibiotische Behandlung
  • Lokale und systemische Östrogengabe bei Frauen (z.B. östrogenhaltige Vaginalsuppositorien; z.B. Ovestin 0,5mg Ovula, tgl.  Ovulum für 3 Wochen, dann 2x1 Ovulum/Woche)
  • Anticholinergika/Spasmolytika/α-Sympathikolytika(Trospiumchlorid, Spasmo-Urgenin® oder Flavoxat, Spasuret®)
  • Ggf.Psychotherapie (Miteinbezug der Familien-, Beziehungs- oder Berufsprobleme), bei Männern ggf. auch Therapieversuch mit Lidocain-Gel-Installation in die Harnröhre

Komplikationen

Urethralsyndrom

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  • Das Urethralsyndrom kann Harninkontinenz als Folge haben

Zusatzhinweise

Urethralsyndrom

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Es liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise zum Urethralsyndrom vor


Literaturquellen

Urethralsyndrom

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  • (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  • (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  • (2008) Keil J - Prüfungsvorbereitung Urologie - Thieme Verlag
  • (2007/08) Haag, Hanhart, Müller - Gynäkologie und Urologie - Medizinische Verlags - und Informationsdienste
  • (2007) Jung C - Urologie in Frage und Antwort – Elsevier - Urban & Fischer
  • (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  • (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer
  • (2006) Hautmann R, Huland H - Urologie - Springer Verlag
  • Eichenauer R, Sandmann J, Vanherpe H - Klinikleitfaden Urologie - Urban und Fischer

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