UIcus molle

Synonyme: weicher Schanker, Chancroid, Schankroid, Ulkus molle

Definition

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Als Ulcus Molle (auch als "weicher Schanker" bekannt) wird eine sexuell übertragbare Krankheit bezeichnet, welche durch das gramnegative Stäbchen Haemophilus ducreyi ausgelöst wird.


Ätiologie

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Ursächlich für Ulcus Molle ist folgender Erreger:

  • Haemophilus ducreyi (gramnegatives, fakultativ anaerobes Stäbchen)
  • Infektion durch sexuelle Übertragung (genital-genital)

Die Inkubationszeit beträgt 1-5 Tage.

Der Ulcus Molle ist außerdem ein Risikofaktor bei der Infektion mit dem HI-Virus.


Epidemiologie

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  • Ulcus Molle ist sehr selten in Deutschland
  • Vorkommen vor allem in Afrika, Südostasien und Lateinamerika
  • In den USA jährlich ca. 4000 Neuerkrankungen
  • Die Infektion betrifft Männer häufiger als Frauen
  • geschätzt 7 Mio. Erkrankungen/Jahr weltweit

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Ulcus Molle sind folgende Informationen von Bedeutung:
  • ungeschützter Sexualkontakt?
  • Reiseanamnese
  • Inspektion
  • klinische Differenzialdiganose Syphilis?
  • Lokalisation bei Mann oder Frau?
  • tiefe Ulzerationen?
  • Lues-, Herpes- oder HIV-Infektion?
  • Lymphknotenschwellung?
  • Schmerzen?

Diagnostik

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Die Diagnostik des Ulcus Molle besteht aus:

  • Abstrichentnahme vom Geschwürrand
  • Mikroskopisch nach Gram oder Giemsa:fischzugartige Anordnung
  • Kultureller Nachweis
  • in Methylenblaufärbung bipolare Anfärbung eines gramnegativen Bakteriums
  • Syphilis-Stereodiagnostik zum Ausschluss von Lues

Klinik

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Klinisch tritt ein Ulcus Molle folgendermaßen in Erscheinung:

  • nach Inkubationszeit von 3 - 5 Tagen Ausbildung des Primäreffektes: Papulopustel die rasch in schmerzhaftes Geschwür zerfällt (Ulkusrand ist weich)
  • häufigste Lokalisation beim Mann: Meatus externus, inneres Vorhautblatt und Frenulum
  • Lokalisation bei Frauen: kleine Labien, hintere Kommissur, perianale Region
  • An Eintrittsstelle (große und kleine Labien) ein oder mehrere rundlich-ovale, weiche, druckschmerzhafte bis markstückgroße Geschwüre mit gezacktem Rand und gerötetem Saum
  • bei Fortschreiten der Entzündung entstehen tiefe Ulzerationen; am Penis bis hin zur urethralen Fistelbildung
  • Später schmerzhafte Schwellung und Abszessbildung der Leistenlymphknoten, die spontan durch die gerötete Haut aufbrechen können
  • diese Läsionen sind oft Eintrittspforte für das HI-Virus
Die aufgelisteten Symptomen weisen auf Ulcus molle hin:
nach Inkubationszeit von 3 - 5 Tagen Ausbildung des Primäreffektes: Papulopustel die rasch in schmerzhaftes Geschwür zerfällt (Ulkusrand ist weich)
häufigste Lokalisation beim Mann: Meatus externus, inneres Vorhautblatt und Frenulum
Lokalisation bei Frauen: kleine Labien, hintere Kommissur, perianale Region
bei Fortschreiten der Entzündung entstehen tiefe Ulzerationen; am Penis bis hin zur urethralen Fistelbildung
diese Läsionen sind oft Eintrittspforte für das HIV-Virus
schmerzhafte Lymphknotenschwellung mit eitriger Einschmelzung und Perforation nach außen

Therapie

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Die Therapie des Ulcus Molle  besteht in der Antibiose:

Erreger sind empfindlich auf Sulfonamide
Cotrimoxazol (Cotrim) 2 x 960 mg tägl. für 10 Tage ODER
Tetrazyklin (Supramycin 500 2-4 Drg.) 1 - 2 g tägl. für 4 Wochen ODER
Erythromycin (Erythromycin-Wolff) 4 x 500 mg tägl. für 7 Tage ODER
einmalige Gabe von 125 - 250 mg Ceftriacon (Rocephin) i.m.; CAVE: i.m. Injektion ist schmerzhaft, nur mit 1% Lidocain-Lsg. applizieren
bei abszedierender Lymphadenitis: Punktion, Abszessöffnung
Geschlechtspartner mitbehandeln

Erreger sind empfindlich auf Sulfonamide Cotrimoxazol (Cotrim) 2 x 960 mg tägl. für 10 TageODER Tetrazyklin (Supramycin 500 2-4 Drg.) 1 - 2 g tägl. für 4 Wochen ODER Erythromycin (Erythromycin-Wolff) 4 x 500 mg tägl. für 7 Tage ODER einmalige Gabe von 125 - 250 mg Ceftriacon (Rocephin) i.m.; CAVE: i.m. Injektion ist schmerzhaft, nur mit 1% Lidocain-Lsg. applizieren bei abszedierender Lymphadenitis: Punktion, Abszessöffnung Geschlechtspartner mitbehandeln!


Komplikationen

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Im Extremfall kann Ulcus molle zur Perforation und Infektionen führen
  • Im Extremfall kann Ulcus molle zur Perforation und Infektionen führen
  • offene Genitalulzera sind Eintrittspforte für andere Infektionen vor allem HIV

Zusatzhinweise

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Für das Ulcus Molle besteht nach dem Infektionsschutzgesetz keine Meldepflicht mehr!


Literaturquellen

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