Überlaufinkontinenz

Synonyme: Urininkontinenz, unwillkürlicher Harnabgang, Ischuria paradoxa

Definition

Überlaufinkontinenz

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Die Überlaufinkontinenz ist die Störung der Blasenreservoirfunktion mit objektivierbarem, unwillkürlichem Urinabgang.


Ätiologie

Überlaufinkontinenz

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Ursache der Überlaufinkontinenz ist:

Harnblasendruck überschreitet Urethraverschlussdruck durch eine vollgefüllte Blase bei:

  • Harnabflussbehinderung z.B. Urethrastenose (z.B. durch Verletzung, Tumore ), Harnsteine
  • Denervierung der Blase z.B. nach Operation

Epidemiologie

Überlaufinkontinenz

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Prävalenz der Überlaufinkontinenz:

  • Schätzungsweise 4 Mio. Patienten mit Inkontinenz in Deutschland, jedoch gehen nur 15% zum Arzt
  • Zunehmende Fallzahl mit dem Alter
  • die häufigste Inkontinenzform bei Männern

Differentialdiagnosen

Überlaufinkontinenz

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Anamnese

Überlaufinkontinenz

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Bei der Überlaufinkontinenz sind folgende Informationen von Bedeutung:
  • Miktionsanamnese: Harnfrequenz? Menge? Startschwierigkeiten, Kontinuierlicher/ intermittierender Miktionsverlauf, Harnstrahlqualität, Einsatz der Bauchpresse, Dysurie/Algurie, Hämaturie?
  • Wie hoch ist die Flüssigkeitsaufnahme?
  • Harnverlust bei Lachen, Pressen, Husten?
  • Gefühl von Harndrang?
  • Medikamente?
  • Operationen in der Vergangenheit? (v.a. im kleinen Becken)
  • gynäkologische Anamnese bei Frauen
  • Begleiterkrankungen (Diabetes mellitus, Z.n. Apoplex, Morbus Parkinson, Demenz, Radiatio, Depression, Rückenmarksläsionen)
  • Lebensqualität/Leidensdruck

Diagnostik

Überlaufinkontinenz

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Die Diagnostik der Überlaufinkontinenz umfasst:

Allgemeine Untersuchung:

  • körperliche Untersuchung
  • mentale und körperliche Leistungsfähigkeit
  • Untersuchung der äußeren Genitales
  • rektale Untersuchung
  • neurologische Untersuchung

Urinuntersuchung:

  • Teststreifen
  • bei pathologischem Befund → bakteriologische Untersuchung

Miktionstagebuch:

  • Zeitpunkt und Volumen der Miktionen
  • Zeitpunkt und Volumen der Trinkmenge
  • Harndranggefühl
  • Vorlagenverbrauch

Restharnbestimmung:

  • v.a. vor und während anticholinerger Medikation

Optionale Tests:

  • Stresstest
  • PAD-Test (Vorlagenwiegetest zu Obiektivierung und Quantifizierung des Harnverlustes)

Erweiterte Diagnostik:

  • Sonographie
  • Labor
  • Röntgenuntersuchung: Ausscheidungsurogramm
  • Urethrozystoskopie
  • Urodynamische Untersuchung

Klinik

Überlaufinkontinenz

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Symptome der Überlaufinkontinenz sind:
  • ständiger Harnverlust
  • normale Blasenentleerung nicht möglich

Therapie

Überlaufinkontinenz

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Folgende Therapiemöglichkeiten bestehen zur Überlaufinkontinenz:

  • Operativ: Beseitigung des Abflusshindernisses
  • Medikamentös: Bei Blasendenervierung können direkte Parasympathomimetika probiert werden
  • Blasentraining zur Wiederherstellung der Blasenfunktion

Komplikationen

Überlaufinkontinenz

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Komplikationen der Überlaufinkontinenz sind:
  • rezidivierende Harnwegsinfektionen
  • Kombination mit Stuhlinkontinenz
  • seelische Beeinträchtingung
  • Depressionen

Zusatzhinweise

Überlaufinkontinenz

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Durch Überlaufinkontinenz kommt es zu starken psychischen Belastungen und Lebensqualität Beeinflussung.


Literaturquellen

Überlaufinkontinenz

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  10. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  11. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  12. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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