Typhus
Synonyme: Typhus abdominalis, enterisches Fieber, typhoid fever
Definition
Typhus
Typhus ist eine in Deutschland seltene, septisch verlaufende bakterielle Infektion, hervorgerufen durch das Bakterium Salmonella typhi.
Typhus
Ätiologie
Typhus
Der Übertragungsweg für Typhus und Paratyphus:
- Orale Aufnahme des Erregers durch kontaminierte Speisen und Getränke. (z.B. Muscheln oder Trinkwasser in hygienisch nicht einwandfreier Umgebung)
- Erreger dringt durch Darmmukosa, vermehrt sich unter Granulombildung. Von dort gelangt Erreger in regionäre Lymphknoten
- Hämatogene Streuung mit Organbefall.
- Ausscheidung der Erreger über Galle in den Darm: Erneute Invasion durch Mukosa möglich → hyperergische Reaktionen wahrscheinlich: Ursache für akute intestinale Blutungen. (Aktivierung des Immunsystems führt zu Nekrosierungen)
Inkubationszeit: 14 Tage, je größer die Infektionsdosis, desto kürzer die Inkubationszeit
Typhus Epidemiologie zu:
Typhus
Epidemiologie
Typhus
Weltweite Inzidenz für den Typhus abdominalis: 30.000.000/Jahr, gehäuft in Indien, Nepal, Indonesien. In Deutschland werden 50-100 Fälle/Jahr gemeldet.
- S.Typhi und S. Paratyphi B. kommen weltweit vor
- Nur in tropischen Gebieten: S. Paratyphi A und C
- Infektionsquelle sind der Erkrankte und auch der Ausscheider
Typhus Differentialdiagnosen zu:
Typhus
Differentialdiagnosen
Typhus
- Colitis ulcerosa
- Influenza A
- Influenza B
- Shigellose, Infektion durch Shigellen, Shigellen-Gastroenteritis
- Salmonellen-Gastroenteritis
- Haemophilus influenzae-lnfektion
- Malaria
- Amöbiasis
- Brucellose
- Typhus und Paratyphus
- Influenza C
- Miliar-Tuberkulose
Typhus Anamnese zu:
Typhus
Anamnese
Typhus
Bei der Typhus-Erkrankung sind folgende Informationen von Bedeutung:
- Reiseanamnese!
- Fieber?
- Durchfall?
- Hautausschlag?
- Gliederschmerzen?
- Kopfschmerzen?
- Patient benommen? (Typhus = "Dunst")
- Alpträume?
- Impfstatus des Patienten
Typhus Diagnostik zu:
Typhus
Diagnostik
Typhus
Zur diagnostischen Abklärung der Typhus-Erkrankung sind relevant:
Anamnese
Labor:
- Leukopenie, absolute Eosinophilie
- Erregernachweis im Blut, Knochenmarkaspirat im frühen Stadium; Stuhl und Urin erst nach 2-3 Wochen möglich
- Serum-AK-Nachweis: ab 2. Woche; bei Titer 1:2000
Körperliche Untersuchung:
- Hauteffloreszenzen am Bauch: (ca. 2-4mm hellrote Roseolen → verschwinden auf Druck)!
Typhus Klinik zu:
Typhus
Klinik
Typhus
Klinisches Bild von Typhus und Paratyphus ist im Ablauf ähnlich und ohne Therapie zeigt einen typischen 4-wöchiger Verlauf:
1.Woche:
- Kopfschmerzen
- Gliederschmerzen
- Fieber
- Bauchschmerzen
- rel.Bradykardie
- eher Obstipation
2./3. Woche:
- kontinuierliches Fieber um 40°C mit Benommenheit ("Typhus"), ohne Schüttelfrost
- graugelb belegte Zunge mit roten Rändern ("Typhuszunge")
- feinblasige Rasselgeräusche über basaler Lunge
- Splenomegalie
- ggf. erbsbreiige Durchfälle
- Roseolen der Bauchhaut
4.Woche:
- Entfieberung
Typhus Therapie zu:
Typhus
Therapie
Typhus
Für die Therapie des Typhus ist eine rasche antibiotische Behandlung von Bedeutung:
- Trimethoprim-Sulfamethoxazol (6-12 mg Tromethoprim/kg/Tag + 30-60 mg Sulfamethoxazol/kg/Tag in 2 Dosen p.o.)
- oder Ampicillin 100-200 mg/kg/Tag i.v.
- oder Ciprofloxacin 8-14 mg/kg/Tag in 2 Dosen i.v.
- oder Chloramphenicol: Neugeborene 25-50 mg/kg/Tag i.v.; Kinder 50-100 mg/kg/Tag i.v.
- symptomatische Rehydratation
Therapiedauer: mindestens 14 Tage bei stationärer Behandlung. Entlassung aus dem Krankenhaus in der Regel nach Entfieberung und negativen Stuhlproben.
Bei Patienten mit Immundefekt:
- aktiver oraler Lebendimpfstoff
- Kapselpolysaccharid-Impfstoff
Bei Patienten im Schock:
- Dexamethason wenige Minuten vor der Antibiotikagabe
Prophylaxe:
- Hygienemaßnahmen
- Aktivimpfung möglich
Typhus Komplikationen zu:
Typhus
Komplikationen
Typhus
Zu den Komplikationen einer Typhus-Erkrankung gehören:
- Letalität 1% (unbehandelt bis 20%)
- bei rechtzeitiger Therapie keine Komplikation
- intestinale Blutungen der Darmperforation sind selten
- Meningitis
- bei AIDS-Patienten: Salmonellensepsis
Typhus Zusatzhinweise zu:
Typhus
Zusatzhinweise
Typhus
- Meldepflicht bei Verdacht, Erkrankung, Erregerausscheider und Tod durch Typhus und Paratyphus!
- Die Prognose einer Typhus- und Paratyphuserkrankung ist abhängig vom Alter, Immunstatus und Ernährungszustand
- Eine Schutzimpfung vor Reisen in Endemiegebiete ist empfehlenswert. (Schutz ca. 90 %). Wichtig ist die Einhaltung der Hygieneregeln
Typhus Literaturquellen zu:
Typhus
Literaturquellen
Typhus
- (2005) AWMF- Leitlinie - Akute Gastroenteritis
- (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
- (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
- (2007) Hahn JM - Checkliste Innere Medizin - Thieme
- (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
- (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
- (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
- (2005) AWMF- Leitlinie - Akute Gastroenteritis
- (2007) Mayatepek E - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
- (2008) Kiess, Merkenschlager, Pfäffle, Siekmeyer -Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Urban & Fischer Verlag, Elsevier
- (2007) RKI - Reiseassoziierte Infektionskrankheiten
- (2006) Dörner K - Klinische Chemie und Hämatologie - Thieme
- (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
- (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
- (2008) Berchtold R, Bruch H.-P, Trentz O - Chirurgie ,6. Aufl. - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
- (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
- (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
- (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag
Typhus
Assoziierte Krankheitsbilder zu Typhus
Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in med2click
Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Pädiatrie
Weiterführende Links
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen