Tuberkulose

Synonyme: Tbc, Schwindsucht, Morbus Koch, Knötchenkrankheit, TB, tuberculosis

Definition

Tuberkulose

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Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine bakterielle, meldepflichtige Infektionskrankheit, welche durch Mycobakterien hervorgerufen wird.


Ätiologie

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  • Erreger der Tuberkulose: Mycobacterium tuberculosis, M. bovis, M. africanum, M. canetti, M. microti
  • Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion
  • Die Mycobakterien überleben in Alveolarmakrophagen
  • Es bilden sich Granulome aus, welche aus Makrophagen, Granulozyten, Lymphozyten und Epitheloidzellen bestehen
  • Die Tuberkulose manifestiert sich zu 90% pulmonal
  • Extrapulmonale Formen sind die Miliartuberkulose und  tuberkulöse Meningitis (durch lymphogene oder hämatogene Streuung)
  • Primärkomplex → Primärtuberkulose
    Reaktivierung → postprimäre Tuberkulose (Organtuberkulose)

Epidemiologie

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  • Gesamtinzidenz der Tuberkulose in Deutschland 2005: 7,3 / 100.000 Einwohner
  • Weltweit ca 2 Mio. Todesfälle / Jahr

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Wichtige Fragen bei der Anamnese der Tuberkulose sind:

  • Müdigkeit, Blässe, Appetitlosigkeit?
  • Lymphknoten geschwollen?
  • Verletzungen?
  • Heiserkeit, Husten?
  • Gewichtsverlust?

Diagnostik

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Diagnostische Relevanz bei der Tuberkulose hat:

  • Anamnese
  • typische Klinik

Nachweis säurefester Stäbchen:

  • aus 3 Proben die an 3 unterschiedlichen Tagen entnommen worden sein sollten.
  • Nachweis oft falsch positiv, daher zusätzlich:

weitere Untersuchungen:

  • kultureller Nachweis
  • DNA Amplifikation
  • Differenzierung des Erregers
  • evtl. Resistenztest
  • Röntgenaufnahme der Lunge in zwei Ebenen zur Beurteilung des Lungenbefalls.

Bemerkung:

  • Als Untersuchungsmaterial eignet sich bei Lungenbefall am besten Morgensputum
  • Es eignen sich aber auch z.B. Biopsien und Punktate
  • Abstriche sind weniger erfolgversprechend

Klinik

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Klinik der Tuberkulose allgemein:

  • Primärtuberkulose betrifft meistens die Lunge
  • Sie ist i.d.R. klinisch inapparent.
  • in 90% der Fälle vernarbt oder verkalkt der Primärkomplex und macht keine Probleme mehr
  • Meist erst nach Jahren erfahren 10% eine endogene Reinfektion.
  • Symptome sind dann:
  1. Leistungsknick
  2. Appetitlosigkeit
  3. Gewichtsabnahme
  4. Nachtschweiß.
  • Die Sekundärtuberkulose kann in das Bronchialsystem durchbrechen (offene Tuberkulose).
  • Symptome sind dann:
  1. Husten
  2. Hämoptysen.
  • Es kann auch eine hämotogene Verschleppung des Erregers in prinzipiell jedes Organ stattfinden (Milliartuberkulose).
  • Manifestation an der Mundschleimhaut, Gesichtshaut, den regionären submandibulären und Halslymphknoten, den Speicheldrüsen und im Knochen
  • Lupus vulgaris
  • Halslymphknotentuberkulose

Therapie

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Bei Mundschleimhauterkrankungen, bedingt durch die Tuberkulose:

Therapie der Tuberkulose im Allgemeinen:

Kombinationstherapie (Monotherapie wegen Gefahr der Resistenzbildung kontraindiziert!)

Bei Nachweis säurefester Stäbchen Beginn der Therapie, nicht auf Nachweis aus der Kultur warten!

  • in den ersten 2-3 Monaten tägliche Gabe einer Dreier- oder Viererkombination aus folgenden Medikamenten:
  1. Isoniacid : führend
  2. Streptomycin (SM): Aminoglykosid, bei Hörstörungen und/oder Schwindel sofort absetzen. Ototoxisch!
  3. Rifampicin: (im Verlauf Transaminasen beachten)
  4. Pyrazinamid: hepatotoxisch, hemmt die Harnsäureausscheidung (Vorsicht bei Gicht)
  5. Ethambutol
  6. etc.

unkomplizierte Primärtuberkulose: Therapie 6 Monate

Isoniazid (INH) :

  • 1x 200 mg/m² =
  • 0 - 5 J.: 8 - 10 mg/kg, 6- 9 J.: 7 - 8 mg/kg, 10 - 14 J.: 6 - 7 mg/kg, 15 - 18 J.: 5 - 6 mg/kg

Rifampicin (RMP):

  • 350 mg/m² =
  • 0 - 5 J.: 15 mg/kg, 6- 9 J.: 12 mg/kg, 10 - 8 J.: 10 mg/kg, max 600 mg

+ erste 2 Monate Pyrazinamid (PZA):

  • 1 x 30 mg/kg p.o.

komplizierte Primärtuberkulose
zusätzlich noch 3 Monate länger Isoniazid und Rifampicin

Bei Resistenz: zusätzlich Ethambutol

  • < 5 J.: 30 mg/kg
  • > 5 J.: 25 mg /kg, max. 1,75 g in 1 Einzeldosis

Bei Miliartuberkulose: statt Ethambutol Streptomycin

  • 20 mg/kg max 750 mg; Gesamtdosis 30 g/m²

+ 6 Wochen Kortikoide

[2, S.212 - 213]

  • Einnahme unter Aufsicht bei zweifelhafter Compliance.
  • Überwachung des Patienten für mindestens zwei Jahre

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen der Tuberkulose sind:

  • Meningitis
  • Encephalitis
  • verkäsende Pneumonie
  • Pleuritis, Perikarditis
  • Nephritis
  • Sepsis (Typhobazillose Landouzy)
  • letaler Ausgang (Tod)

Zusatzhinweise

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Weiterhin wichtig zur Tuberkulose zu wissen ist:

  • Die Krankheit ist meldepflichtig!
  • Besonders anfällig für Tbc sind immunsupprimierte Patienten. (HIV, Diabetes, Leukämie etc.). Bei diesen Gruppen kommen auch besondere Verläufe vor.
  • weltweit der häufigste Grund der Sterblichkeit bei Kindern

Literaturquellen

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  1. Berchtold – H.-P. Bruch, O. Trentz – Chirurgie – Urban u. Fischer
  2. V. Schumpelick, N. Bleese, U. Mommsen – Kurzlehrbuch Chirurgie – Thieme Verlag
  3. (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme, Stuttgart, Duale Reihe
  4. (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - 2010/11,10. Aufl. - Medizinische Verlags- und Informationsdienst
  5. (2009) Schiergens T - BASICS Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
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  7. (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D.K - Berchtold Chirurgie - Elsevier, München
  8. (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag, Berlin
  9. (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  10. (2006) Siewert J. R - Chirurgie - Springer, Berlin
  11. (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag
  12. (2007) Mayatepek E.- Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  13. (2007) Fuchs, Rothe, Wintergerst, Kieslich, Ruß - Arneimittel Pädiatrie pocket - Börm Bruckmeier Verlag
  14. (2006) Friedrich Carl Sitzmann - Duale Reihe - Pädiatrie - Taschenbuch-Georg Thieme Verlag
  15. (2008) Kiess, Merkenschlager, Pfäffle, Siekmeyer - Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier
  16. (2008) Zener H - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie,Rehabilitation - Schattauer Verlag
  17. (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  18. (2003) Werner, Lippert - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  19. (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG
  20. (1990) Ganz Herausgegeben - Lehrbuch Hals-Nasen-Ohren Heilkunde - Walter De Gruyter
  21. (2008) Probst/Grevers/Iro: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  22. (2006) Groß: Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  23. (2008) Hahn/Kaufmann/Schulz/Suerbaum: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg
  24. (1992) Naumann/Helms/Herberhold/Kastenbauer (Hrsg.): Oto-Rhino-Laryngologie in Klinik und Praxis. Band 2: Nase, Nasennebenhöhlen, Gesicht, Mundhöhle und Pharynx, Kopfspeicheldrüsen. Georg Thieme Verlag Stuttgart.
  25. (2002) Schwenzer N, Spezielle Chirurgie Band 2, Thieme
  26. (2002) Reichart P.A., Zahnärztliche Chirurgie, Quintessenz Verlags-GmbH

Assoziierte Krankheitsbilder zu Tuberkulose

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

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