Trigeminusneuralgie

Synonyme: typische Trigeminusneuralgie, essenzielle Trigeminusneuralgie, genuine Trigeminusneuralgie, primäre Trigeminusneuralgie, klassische Trigeminusneuralgie, Tic douloureux, symptomatische Trigeminusneuralgie

Definition

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Die Trigeminusneuralgie wird durch  einseitige, blitzartig auftretende, sekundenlange, stechend-brennende Schmerzen im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Trigeminusäste charakterisiert. 


Ätiologie

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Idiopatische Trigeminusneuralgie:

  • Ursache nicht vollständig geklärt
  • Es wird ein pathologischer Kontakt zwischen Blutgefäßen und dem N. Trigeminus als Ursache diskutiert, der auch bei der Mehrzahl der Patinten nachgewiesen werden kann

Symptomatische Trigeminusneuralgie:

  • MS
  • Tumore (Meningeom, Schwannom, Metatstase)
  • vaskuläre Malformation
  • Postzoster

Epidemiologie

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Idiopathische Trigeminusneuralgie:

  • Beginn in der Regel ab dem 40. Lebensjahr
  • Inzidenz: Männer: 3,4:100.000, Frauen: 5,9:100.000
  • V1 ist in 1-5% der Fälle betroffen, V2 in 18% und V3 in 15%
  • In circa 40% sind die V2 und V3 in Kombination betroffen
  • Die Trigeminusneuralgie tritt nur in 3-5% aller Fälle bilateral auf

Symptomatische Trigeminusneuralgie:

  • Tritt überwiegend vor dem 40. Lebensjahr auf
  • V1 öfter betroffen als bei der idiopatischen Trigeminusneuralgie
  • Bilaterale Schmerzen treten häufig auf
  • 2% aller MS-Patienten entwickeln eine Trigeminusneuralgie
  • 2,5% aller Betroffenen sind an multipler Sklerose erkrankt

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Bei der Trigeminusneurologie sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Dauer der Schmerzattacke?
  • Wo treten die Schmerzen auf?
  • Schmerzcharakter?
  • Schmerzintensität?
  • Trigger: Waschen, Rasieren, Kauen, Zähneputzen, Sprechen, kalte Luft?
  • Sich wiederholendes Muster der Schmerzattacken?
  • Grunderkrankung: MS, Tumor, Gefässveränderungen im Hirn?
  • Durchgemachte Zoster Infektion?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Trigeminusneurologie sind relevant:

  • Klinische Diagnose
  • cMRT/ MRA DD: Tumor (Meningeom, Schwannom, Metastase), Gefäßkompression (A. cerebelli sup., Megadolichobasilaris), Multiple Sklerose (Entmarkungsherde)
  • Liquor (MS, Neuroborreliose, Zoster)

Konsiliaruntersuchungen

  • HNO
  • Zahnarzt/ Kieferchirurg

Klinik

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Die Trigeminusneurologie kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • paroxysmale Schmerzattacken von Bruchteilen einer Sekunde bis zu 2 Minuten
  • betroffen sind einer oder mehrere Trigeminusäste
  • Schmerzcharakter stark, stechend, oberflächlich
  • Attacken in V3 provoziert durch Sprechen, Trinken, Essen, Kältereiz, Wärmereiz, Gähnen
  • V2-Attacken durch kutane Reize wie Waschen, Rasieren, Schnäuzen, mimische Bewegungen im Bereich der Oberlippe und Nasolabialfalte
  • stereotypes Attackenmuster
  • Begleitsymptome: Tic convulsiv=reflektorische tonische oder klonische Zuckungen der mimischen Muskulatur im betroffenen Gebiet, evtl. vegetative Reizerscheinungen: Hautrötung, Hyperlakrimation,-salivation
  • kein neurologisches Defizit nachweisbar
  • nicht auf andere neurologische Erkrankungen zurückzuführen
  • Vermeidungsverhalten der Patienten: Sprechen ohne Kiefer/Zungenbewegung, Verzicht auf Waschen, Rasur, Mundhygiene bis zur Verwahrlosung

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der symptomatischen Trigeminusneurologie umfassen folgendes:

Medikamentöse Verfahren:

  • Carbamazepin ret. langsam eindosieren: ca. 600-1200 mg/d  (cave: initiale Sedierung, Exanthem, Hyponatriämie)
  • Oxcarbazepin ca. 900-1800 mg/d (NW: s. CBZ)
  • Phenytoin (langsam 250 mg i.v. unter Monitorüberwachung und exakt liegendem venösem Zugang (cave paravasales Gangrän) keine weitere Begleitmedikation über gleichen Zugang, beachte auch neurotoxische Symptome. Blutspiegelkontrolle Gabapentin 600-3600 mg/d (cave initiale Sedierung)
  • Pregabalin  2x75 mg bis 2x150 mg (NW: s. Gabapentin)

Chirurgische Verfahren (bei Nicht-Ansprechen auf konventionelle Therapie oder zu starker Nebenwirkungen:

  • Temperaturgesteuerte Koagulation
  • Glyzerinrhizolyse
  • Ballonkompression
  • mikrovaskuläre Dekompression nach Janetta

Komplikationen

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Zu den Komplikationen der Trigeminusneurologie liegen folgende Daten vor:

  • Patienten bei denen der Schmerz durch Schluck- oder Kaubewegungen getriggert wird können eine Exsikkose oder Kachexie entwickeln

Zusatzhinweise

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Zur Trigeminusneuralgie liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2007) Brandt, Diener, Dichgans (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen. S. 50 ff
  2. (2007) Schuh-Hofer S, Arnold G - Therapie der Gesichtsschmerzen - DMW. 132: 2149-2152
  3. (2008) Gronseth G et al - The diagnostic evaluation and treatment of trigeminal neuralgia - Neurology. 71: 1-8
  4. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  5. (2007) Masuhr KF, Neumann M - Neurologie - Thieme Verlag, Duale Reihe
  6. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme Verlag
  7. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
  8. (2006) Poeck K, Hacke W - Neurologie - Springer Verlag
  9. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  10. (2008) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie - Trigeminusneuralgie - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-016.htm>

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