Trichinose

Synonyme: Trichinose, Wurminfektion, Entzündungen durch Würmer, Trichinelliasis, Trichinellosis

Definition

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Bei der Trichinose handelt es sich um eine parasitäre Erkrankung, die durch die Fadenwürmer der Gattung Trichinella hervorgerufen wird.


Ätiologie

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Die Trichinose entsteht folgendermaßen:

  • Die Infestation geht von eingekapselten infektiösen Larven aus, die sich in der quergestreiften Skelettmuskulatur von Tieren eingenistet haben
  • durch unzureichendes Kochen von Wurst- und Fleischprodukten gelangen Larven in den Darm und setzten sich dort fest
  • nach Geschlechtsreife (binnen weniger Tage) werden Weibchen befruchtet und produzieren Wurmlarven
  • Larven wandern in die menschliche Muskulatur, was zur Verkalkung führt
  • Lebensdauer: 3-6 Monate
  • Tierarten: Schweine, Pferde, Wildtiere
  • Schweinefleisch ist das Ausgangsprodukt für die meisten Infestationen beim Menschen

Eine Infestation kann von folgenden Trichinella-Arten ausgehen:

  • Trichinella spiralis
  • T. nelsoni
  • T. britovi (Afrika und Südeuropa)
  • T. nativa (Arktis)
  • T. pseudospiralis (Südostasien)

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Daten zur Trichinose sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • kann auf allen Kontinenten auftreten, bevorzugt findet man sie jedoch in den gemäßigten Klimazonen
  • in Deutschland ist die Inzidenz seit der Einführung der amtlichen Fleischbeschau im Jahre 1877 deutlich gesunken

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnestisch sind bei dem V.a. Trichinose folgende Fragen wichtig:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Verzehr von rohem, oder ungenügend erhitztem Schweinefleisch?
  • kolikartige Schmerzen im Abdomen?
  • Übelkeit?
  • Erbrechen?
  • Diarrhoe?
  • Allgemeine Symptome einer Lebensmittelvergiftung?
  • Exantheme?
  • Lidödem?
  • Muskelschmerzen?
  • Fieber?
  • Eosinophilie?
  • mitbetroffene Familienmitglieder?
  • mitbetroffene Restaurantbesucher?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Trichinose sind relevant:

  • da sich Trichinen und ihre Larven nur selten im Stuhl und im peripheren Venenblut nachweisen lassen, erfolgt die Sicherung der Diagnose in der Regel durch eine Muskelbiopsie mit Histologie
  • geschlechtsreife Trichinen können in der 1. Woche im angereicherten Stuhl nachgewiesen werden
  • Direktnachweis durch Mikroskopie des Mikrofiltrats antikoagulierten Vollbluts: Bei hoher Parasitenlast in der 1. und 4. Woche
  • Antikörper sind ab der dritten Woche nachweisbar, jedoch sind Kreuzreaktionen möglich

Klinik

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Die Trichinose kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • je nach Anzahl der inkorporierten Larven variiert der klinische Verlauf der Erkrankung
  • bei geringem Erregerfall verläuft die Infestation asymptomatisch
  • für letale Verläufen sind in der Regel mehr als zweitausend Larven notwendig, Symptome treten aber bereits bei einer Anzahl ab 50 Larven auf
  • imponiert zu Beginn durch die Symptome einer Lebensmittelvergiftung
  • typischerweise treten dabei innerhalb von 24 Stunden kolikartige Schmerzen im Abdomen auf, sowie Diarrhoe, Übelkeit und Erbrechen
  • die Streuung der Larven in das Gewebe findet zwischen dem 7ten und 11ten Tag nach der Aufnahme der Trichinen statt und führt zu Konjunktivitis, Gesichtsödemen sowie einer Schwellung der Augenlider
  • in dieser Phase sind auch Myalgien, Fieber bis 41 Grad Celsius sowie Lymphknotenschwellungen möglich

Weitere Symptome einer Infestation mit Trichinen können sein:

1-7 Tage nach Aufnahme der Larven:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfälle
  • Erbrechen
  • allgemeines Krankheitsgefühl

nach 14.-15. Tag:

  • Fieber
  • Eosinophilie
  • Lid-und Gesichtsschwellung
  • Konjunktivitis
  • okkulomotorische Schmerzen
  • Photophobie
  • urtikarielle Symptome

danach:

  • schmerzhafte Polymyositis:
  1. Kau- und Nackenmuskulatur
  2. Zunge
  3. Beugemuskeln der Extremitäten
  4. Rückenmuskulatur
  5. Atemmuskulatur

Des weiteren:

  • Meningeale Reizung
  • zentralnervöse Störungen
  • periphere Störungen

Therapie

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Die Therapie der Trichose stellt sich folgendermaßen dar:

Albendazol:

  • 6-18J.: 15 mg/kg in 2 Einzeldosen 2 Wochen lang
  • bei Kleinkindern: Mebendazol plus Prednison

Mebendazol:

  • >2 J.: 200 mg in 2 Einzeldosen

Prednison:

  • 0,5 - 1 mg/kg/d, erste 5 Behandlungstage in ausschleichender Dosis

[2]


Komplikationen

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Bei der Trichinose kommen folgende Komplikationen vor:

  • Meningitis, EnzephalitisPneumonie, Myokarditis,Leberbefall und Nierenbefall
  • unbehandelt führt die Erkrankung in 2% aller Fälle zum Tode
  • Bei einsetzendem Muskelzerfall hat die Trichinose eine schlechte Heilungsrate

Zusatzhinweise

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Prävention der Trichinose:

  • Kochen des Fleisches bei einer Innentemperatur von 77 °C
  • oder Einfrieren bei - 15° C für 20 Tage

Eine nachgewiesene Infestation mit Trichinen ist meldepflichtig!


Literaturquellen

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  9. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
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  11. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  12. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
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  19. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  20. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer
  21. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
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