Tonsillogene Sepsis

Synonyme: Angina septica, postanginöse Sepsis

Definition

Tonsillogene Sepsis

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Bei der tonsillogenen Sepsis erfolgt ausgehend von den Mandeln ein Eindringen von Erregern in den Blut-kreislauf mit systemischer entzündlicher Reaktion, die zu einem lebensbedrohlichen Multiorganversagen mit Störungen der Mikrozirkulation, der Sauerstoff-versorgung des Gewebes und des Stoffwechsels führen kann.


Ätiologie

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Zu den Auslösern und Ursachen einer tonsillogenen Sepsis gehören:


Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der tonsillogenen Sepsis liegen derzeit keine Daten vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

Tonsillogene Sepsis

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Bei der tonsillogenen Sepsis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Halsschmerzen?
  • Schluckschmerzen?
  • Fieber?
  • Schüttelfrost?
  • vermehrter Speichelfluss?
  • Ohrenschmerzen?
  • wie lange und ausreichende antibiotische Therapie?
  • Atemnot?
  • Hypotonie?
  • Schwindel, Benommenheit, Bewußtseinsstörungen?
  • Grunderkrankungen?
  • Medikamenteneinnahme, immunsuppressive Medikamente?

Diagnostik

Tonsillogene Sepsis

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Zur diagnostischen Abklärung der tonsillogenen Sepsis sind relevant:

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung (vergrößerte, gerötete mit evtl. Eiterstippchen belegte Mandeln? Inspektion des Mundraumes, Palpation der Halsweichteile)
  • Blutdruck
  • Puls
  • Herzfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Diurese 
  • Temperatur
  • Sauerstoffsättigung
  • Rachenabstrich, Mandelabstrich 
  • mehrere Blutkulturen im Fieberanstieg
  • Labor (BB, Diff.BB: Leukozytose (>12.000) oder Leukopenie (< 4000), Linksverschiebung, >10% unreife Neutrophile, evtl. Thrombozytopenie, CRP↑, Kreatinin und Harnstoff evtl.↑, Elektrolyte, GOT,GPT,GGT, LDH, Laktat, BZ, Gerinnung)
  • Procalcitonin als Frühmarker der Sepsis
  • Urinstatus mit Urinkultur
  • Blutgasanalyse 
  • EKG
  • Echokardiographie
  • Röntgen Thorax
  • Sonographie

Klinik

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Die tonsillogene Sepsis kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Körpertemperatur >38°C oder < 36°C
  • Schüttelfrost
  • vermehrter Speichelfluß
  • Tachypnoe
  • Tachykardie
  • Unruhe, Angst
  • Verwirrtheit, Benommenheit
  • Oligurie
  • schweres Krankheitsgefühl
  • Schluckschmerzen, Ausstrahlung der Schmerzen in das Ohr
  • Foetor ex ore
  • geröteter Rachen und Mandeln
  • Lymphadenitis colli mit Halsschwellung
  • Kinder verweigern Nahrung und Trinken
  • Schwindel, Benommenheit, Bewußtseinstrübung

Therapie

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Folgende Therapiemaßnahmen kommen bei der tonsillogenen Sepsis zum Einsatz:

  • Antibiotika-Therapie schon vor Erreger-Nachweis beginnen!
  • vorher: Rachen- und Mandelabstrich, mehrere Blutkulturen im Fieberanstieg abnehmen
  • Antibiotika i.v. (Cephalosporin plus Ampicillin, ggf. plus Aminoglykosid plus Metronidazol; bei schwerer Sepsis: Imipenem iv.)
  • Volumensubstitution, Ziel-ZVD: 8-12 mm Hg
  • O2-Applikation,  ggf Intubation und Beatmung
  • BZ zwischen 150-200 mg/dl einstellen
  • Katecholamine iv. zur Kreislaufstabilisierung
  • niedrig dosiertes Heparin zur Vermeidung einer DIC
  • ggf. Erythrozytenkonzentrate
  • ggf. Thrombozytenkonzentrate 
  • evtl. Nierenersatzverfahren
  • Tonsillektomie akut oder im Intervall

Komplikationen

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Komplikationen der tonsillogenen Sepsis sind:

  • Retro- und Peritonsillarabszeß
  • Arrosion von Gefäßen
  • Endokarditis, Myokarditis
  • Poststreptokokkenglomerulonephritis
  • metabolische Azidose
  • Thrombozytopenie
  • disseminierte intravasale Gerinnung / DIC
  • Schockniere
  • Schocklunge
  • Stressulzera
  • Bewußtseinstrübungen, Enzephalopathie
  • Multiorganversagen
  • septischer Schock
  • Tod

Zusatzhinweise

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Die verschiedenen Schweregrade der Sepsis sind:

  • Bakteriämie: Nachweis von Bakterien in der Blutkultur
  • Systemic inflammatory response syndrom (SIRS): generalisierte Entzündungsreaktion durch unterschiedliche Ursachen (z.B. Infektion, Verbrennung)
  • Sepsis: SIRS durch eine Infektion mit Organschäden
  • Septischer Schock

Bei kombinerter Antibiose und Tonsillektomie besteht bei der tonsillogenen Sepsis eine gute Prognose, aber es ist auch ein letaler Verlauf möglich [1].


Literaturquellen

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  1. (2008) Zenner HP - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie,Rehabilitation - Schattauer Verlag
  2. (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  3. (2003) Werner, Lippert - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  4. (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG

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