Tinea capitis

Synonyme: Kopfpilz, Tinea capillitii, Trichophytia capillitii

Definition

Tinea capitis

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Die Tinea capitis stellt eine häufige Dermatophyten-Infektion der Kopfhaut bei Kindern, seltener bei Erwachsenen dar.


Ätiologie

Tinea capitis

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Zu den häufigsten Erregern (fakultativ pathogen), die eine  Tinea capitis hervorrufen können, gehören:

  • in Europa: Microsporum canis (sehr kontagiös), Trichophyton mentagrophytes; zoophile Dermatophyten
  • in den USA: Trichophyton tonsurans (anthropophiler Erreger)
  • in Afrika und Asien: Trichophyton violaceum (zoophil)

Risikofaktoren, die bei der Entstehung der Infektion eine wichtige Rolle spielen, sind:

  • gestörte Hautbarriere
  • Immunabwehrstörungen

Epidemiologie

Tinea capitis

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  • Die Tinea capitis ist eine der häufigsten Dermatophytosen im Kindesalter.
  • Die Infektion kommt aber sehr selten auch bei geschädigter Haarstruktur bei älteren Damen vor.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Tinea capitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Wann ist die Hauterkrankung erschienen?
  • Lokalisation? 
  • Was für Beschwerden: Juckreiz?, Schmerz?, Alopezie?, schuppige Bereiche?, Haarausfall? 
  • Verlauf?
  • Hat sich der Befund verbreitert? Wenn ja, wohin?
  • Infektionsquellen: Haustiere?
  • Autoimmune Erkrankungen? andere Grunderkrankungen?
  • Immunsuppressive Therapie?
  • Medikamenteneinnahme? Selbstmedikation? bisherige Therapie? Mit welchem Erfolg?


Diagnostik

Tinea capitis

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Zur diagnostischen Abklärung der Tinea capitis sind relevant:

  • Anamnese
  • klinische Inspektion (Rötung, Schuppung, Kratzspuren)
  • Inspektion des betroffenen Hautareals mittels UV-Licht (Wood-Licht-Lampe) zur Aufdeckung klinisch nur diskret befallener Areale mit bestimmten Dermatophyten oder Malasseziaarten sowie orientierender Einordnung der Erreger.
  • Mikroskopischer Nachweis von Pilzelementen (Hyphen und Sporen) im Nativpräparat
  • Kultur von Gewebeproben (Anzüchtung von den Keinem auf geeigneten Nährböden i.d.R. bei 28° C bzw. Raumtemperatur über 1 bis 3 - 4 Wochen, je nach dem Spezies; im Falle von Wachstum: makroskopische und mikroskopische Beurteilung auf morphologischer Basis möglich)
  • evtl. Materialgewinnung zur weiteren Labordiagnostik

Klinik

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Die Tinea capitis wird durch folgende klinische Merkmale gekennzeichnet:

Lokalisation:

  • Kopfhaut

Symptomatik:

  • Kinder können asymptomatische Träger sein
  • Juckreiz, Schmerz
  • bei schweren Verläufen: Lymphknotenschwellung, Fieber, Krankheitsgefühl
  • bei schlechter zellulärer Immunabwehr (sehr selten) können auch Granulome auftreten, diese werden als Granuloma trichophyticum Majocchii bezeichnet.

Man unterscheidet verschiedene Formen:

  • Tinea capitis superficialis (Erreger: Microsporum canis): Infektion mit kreisrunden, erythemato-squamösen Herden mit dichter Schuppung und abgebrochenen Haaren
  • Tinea capitis profunda: sehr schmerzhafte abszendierende Form mit Lymphknotenschwellung (Kerion Celsi), die häufig zur vernarbenden Alopezie führt
  • Favus, durch den anthropophilen Erreger Trichophyton schönleinii hervorgerufene chronische Tinea capitis (in den Mittelmeerländern und Nordafrika)

Therapie

Tinea capitis

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Die Erkrankung ist sehr ansteckend.

Die Infektionsquelle z. B. Haustier muss unbedingt gefunden und behandelt werden, sonst kommt es gehäuft zum Rezidiv.

Die Behandlung der Tinea capitis ist durch eine systemische antimykotische Therapie möglich:

  • Itraconazol Hartkapseln; Dosierung bei Erwachsenen und Kindern > 12 Jahre: 1-mal täglich 1 Hartkapsel (entsprechend 100 mg Itraconazol) über 2 Wochen, oder 1-mal täglich 2 Hartkapsel (entsprechend 200 mg Itraconazol) über 7 Tage;
  • Dosierung bei Kindern (unter 12 Jahren): nur begrenzte klinische Erfahrungen; die Behandlung sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

oder

  • Fluconazol Hartkapseln; Dosierung bei Erwachsenen und Jugendlichen: 1-mal täglich 50 (-200) mg Fluconazol. Die Dauer der Anwendung beträgt 2 bis 7Wochen.
  • Fluconazol sollte bei Kindern unter 1 Jahr nicht angewendet werden (nur begrenzte Erfahrung). Das Medikament sollte bei Kindern unter 16 Jahren nur angewendet werden, wenn keine therapeutische Alternative zur Verfügung steht.
  • Terbinafin (Allylamine; Wirkort: Plasmamembran, Ergosterinbiosynthese-Inhibition; fungizide Wirkung); Dosierung bei Erwachsenen: 1 Tablette (250 mg) täglich über 4-6 Wochen;
  • Dosierung bei Kindern unter 12 Jahren: nur begrenzte klinische Erfahrungen; die Behandlung sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

Unterstützende topische Behandlung:

  • Ciclopirox-Olamin Lösung bzw. Creme 2 x täglich auftragen und leicht einreiben bzw. antrocknen lassen. Puder 1 – 2 x täglich aufstreuen Die Behandlungsdauer beträgt ca. 2 Wochen. Zur Vermeidung von Rückfällen wird empfohlen, die Behandlung darüber hinaus noch 1 –2 Wochen weiterzuführen.
  • Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder sollen mit nicht mit Puder behandelt werden. Eine Behandlung mit anderen Zubereitungsformen sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.
  • Terbinafin-Creme  wird einmal täglich bei Erwachsenen oder bei Kindern > 12 Jahre (Erfahrung bei Kindern begrenzt) dünn auf der erkrankten Stelle appliziert. Vor der Applikation sind die erkrankten Hautstellen gründlich zu reinigen und abzutrocknen. Die Creme bzw. das Gel sollte auf die zu behandelnden Stellen und die umgebenden Hautpartien leicht eingerieben werden

Komedikation muss berücksichtigt werden (es kann zu schwer wiegenden Interaktionen kommen!).

Die Erkrankung ist sehr ansteckend.

Die Infektionsquelle z. B. Haustier muss unbedingt gefunden und behandelt werden, sonst kommt es gehäuft zum Rezidiv.

Die Behandlung der Tinea capitis ist durch eine systemische antimykotische Therapie möglich:
Itraconazol Hartkapseln; Dosierung bei Erwachsenen und Kindern > 12 Jahre: 1-mal täglich 1 Hartkapsel (entsprechend 100 mg Itraconazol) über 2 Wochen, oder 1-mal täglich 2 Hartkapsel (entsprechend 200 mg Itraconazol) über 7 Tage; 
Dosierung bei Kindern (unter 12 Jahren): nur begrenzte klinische Erfahrungen; die Behandlung sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

oder
Fluconazol Hartkapseln; Dosierung bei Erwachsenen und Jugendlichen: 1-mal täglich 50 (-200) mg Fluconazol. Die Dauer der Anwendung beträgt 2 bis 7Wochen. 
Fluconazol sollte bei Kindern unter 1 Jahr nicht angewendet werden (nur begrenzte Erfahrung). Das Medikament sollte bei Kindern unter 16 Jahren nur angewendet werden, wenn keine therapeutische Alternative zur Verfügung steht.
Terbinafin (Allylamine; Wirkort: Plasmamembran, Ergosterinbiosynthese-Inhibition; fungizide Wirkung); Dosierung bei Erwachsenen: 1 Tablette (250 mg) täglich über 4-6 Wochen; 
Dosierung bei Kindern unter 12 Jahren: nur begrenzte klinische Erfahrungen; die Behandlung sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.

Unterstützende topische Behandlung:
Ciclopirox-Olamin Lösung bzw. Creme 2 x täglich auftragen und leicht einreiben bzw. antrocknen lassen. Puder 1 – 2 x täglich aufstreuen Die Behandlungsdauer beträgt ca. 2 Wochen. Zur Vermeidung von Rückfällen wird empfohlen, die Behandlung darüber hinaus noch 1 –2 Wochen weiterzuführen.
Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder sollen mit nicht mit Puder behandelt werden. Eine Behandlung mit anderen Zubereitungsformen sollte nur nach strenger Indikationsstellung durchgeführt werden.
Terbinafin-Creme wird einmal täglich bei Erwachsenen oder bei Kindern > 12 Jahre (Erfahrung bei Kindern begrenzt) dünn auf der erkrankten Stelle appliziert. Vor der Applikation sind die erkrankten Hautstellen gründlich zu reinigen und abzutrocknen. Die Creme bzw. das Gel sollte auf die zu behandelnden Stellen und die umgebenden Hautpartien leicht eingerieben werden

 

Komedikation muss berücksichtigt werden (es kann zu schwer wiegenden Interaktionen kommen!).


Komplikationen

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Bei der Tinea capitis kommen folgende Komplikationen vor:

  • Superinfektionen
  • Narbenbildung
  • Alopezie 

Zusatzhinweise

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Zur Tinea capitis liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2005) Ingrid Moll - Duale Reihe, Dermatologie - Thieme Verlag - 6. Auflage
  2. (2006) Alexander Meves - Intensivkurs Dermatologie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  3. (2008) Gholamreza Darai, Michaela Handermann, Hans-Günther Sonntag, Christian A. Tidona, Lothar Zaller - Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen: Erreger, Symptome, Diagnose, Therapie und Prophylaxe - Springer Verlag - 3. Auflage
  4. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  5. (2009) AWMF - Leitlinie - Tinea der freien Haut
  6. (2010) Rote Liste
  7. www.fachinfo.de
  8. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer
  9. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  10. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  11. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer
  12. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe

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