Tic-Störungen

Synonyme: Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, Tourette-Syndrom

Definition

Tic-Störungen

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  • als Tics bezeichnet man unwillkürliche , plötzlich einsetzende und wiederholt auftretende umschriebene Zuckungen oder Lautäußerungen, die vom Patienten als unvermeidbar empfunden werden, jedoch zeitweise unterdrückbar sind
  • beim Gilles-de-la-Tourette-Syndrom handelt es sich um eine besondere Form der Ticstörung, bei der es zum gemeinsamen Auftreten multipler motorischer Tics und mindestens einem vokalen Tic kommt
  • die vokalen und motorischen Tics müssen hierbei nicht notwendigerweise gleichzeitig vorkommen

Ätiologie

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  • es werden genetische bzw. neurobiologische Befunde diskutiert
  • wie z.B. eine Dysfunktion des dopaminergen Systems, wobei Umweltfaktoren offenbar den Schweregrad der Störung mitbestimmen

Epidemiologie

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  • vorübergehende Ticstörungen sind im Kindes- und Jugendalter sehr häufig
  • Anteil der Jungen überwiegt deutlich (Lebenszeitprävalenz bis zu 25%)
  • geschätzte Prävalenz für chron. Ticstörungen liegt bei 2-3%
  • je nach Ausprägungsgrad betragen die Prävalenzangaben für das Tourette-Syndrom zwischen 1 : 100 und 1 : 1.000
  • wie auch andere Tics kommt das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom bei Jungen rund zwei- bis dreimal häufiger vor als bei Mädchen
  • mittleres Manifestationsalter liegt bei ca. 7 Jahren

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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  • Inspektion
  • genaue Beobachtung des Patienten
  • welche Form der Tics?
  • Zeitraum der Tic-Störungen?
  • wird die Symptomatik durch bestimmte Situationen verstärkt?
  • multiple Tics?
  • vokale oder motorische Tics?
  • Phonationstics?

Diagnostik

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  • Diagnose wird klinisch durch Anamnese und Beobachtung gestellt

Klinik

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vorübergehende Tic-Störungen:

  • kommen im Kindes- und Jugendalter sehr häufig vor und bestehen nicht länger als 1 Jahr
  • am häufigsten sind Gesichtstics (Grimassen, Augenzwinkern)
  • emotionale Belastungssituationen (z.B. schulische Anforderunen) verstärken die Symptomatik
  • ein Verschwinden und ein Wiederauftreten nach 1-2 Monaten ist möglich

chronische motorische oder vokale Tic-Störungen:

  • Auftreten entweder motorischer oder vokaler Tics
  • Symptomatik besteht idR länger als ein Jahr und ist meist durch multiple Tics gekennzeichnet
  • sie treten nicht gleichzeitig, möglicherweise aber zeitlich einander folgend auf

Gilles-de-la-Tourette-Syndrom:

  • dieses 1885 durch Gilles de la Tourette erstmalig beschriebenes Syndrom ist durch multiple Tics und Phonationstics (Ausstoßen unartikulierter Laute bzw. Koprolalien) gekennzeichnet
  • Störung beginnt immer im Kindesalter und setzt sich meist ins Erwachsenenalter fort
  • motorische Tics konzentrieren sich am häufigsten auf Kopf und Gesicht, später auf Rumpf und Extremitäten
  • bei 50% der Patienten beginnt die Erkrankung mit einem einzelnen motorischen Tic, der meist im Gesicht lokalisiert ist
  • Symptomatik hat einen fluktuierten Verlauf

Therapie

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  • die Therapie besteht idR aus drei Komponenten
  • a) einer ausführlichen Aufklärung über die Natur der Erkrankungen
  • b) einer medikamentösen Behandlung (Medikament der 1. Wahl ist Tiaprid)
  • c) sowie einer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmten psychotherapeutischen Intervention
  • Medikamente der 2. Wahl sind: Risperidon, Pimozid und Haloperidol

Komplikationen

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Zusatzhinweise

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Prognose:

  • Prognose bei Ticstörungen ist recht günstig, wenn man vom Gilles-de-la-Tourette-Syndrom absieht

Literaturquellen

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  1. F.C. Sitzmann - Pädiatrie - Duale Reihe - Thieme Verlag
  2. K.F. Masuhr, M. Neumann - Neurologie - Duale Reihe - Thieme Verlag

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