Terminüberschreitung

Synonyme: Übertragung, Überschreitung des Geburtstermines, partus serotinus

Definition

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Terminüberschreitung [1]

  • Die normale Dauer einer Schwangerschaft errechnet man mit der Naegele- Regel ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Dann dauert die normal verlaufende Schwangerschaft 280 Tage, oder 40 + 0 Wochen.
  • Ab 40 + 1 (also 40 vollendete Wochen + 1 Tag) bis 41 + 6 spricht man von einer Terminüberschreitung.
  • Ab  42 + 0, also 294 Tagen, spricht man von Übertragung.

Ätiologie

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Mögliche Ursachen und Gründe für eine Terminüberschreitung [1;2]

  • Erste Schwangerschaft
  • Sozioökonomischer Status vermindert
  • Hohes Gewicht der Mutter (BMI > 35)
  • Männliche Neugeborene
  • Falscher Geburtstermin bestimmt
  • Hormonelle Störungen → fehlende Triggermechanismen für Geburt
  • Väterliche Gene spielen eine Rolle → bei Partnerwechsel ist Wiederholungsrisiko geringer

Epidemiologie

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Epidemiologische Daten zur Terminüberschreitung [1;2]

  • Häufigkeit Terminüberschreitung: 33-36%
  • Häufigkeit Übertragung (> 42 Wochen): 4-14%
  • Wiederholungsrisiko Übertragung: 30- 40 %
  • Regelmäßige Ultraschallvorsorge hilft den Geburtstermin besser zu  bestimmen und verringert so in den letzten Jahren die Häufigkeit von Terminüberschreitungen und Übertragungen.
  • Risiko  einer Totgeburt steigt auf den 3-4 fachen Wert an im Zeitraum der 37.-42. SSW
  • Mütterliche und fetale Mortalität erheblich erhöht, je länger die Terminüberschreitung dauert (bei allen Arten der Entbindung)

Differentialdiagnosen

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese bei Terminüberschreitung

  • In welcher Schwangerschaftswoche befindet sich die Patientin?
  • Wann ist/ war der errechnete Geburtstermin?
  • Wann war der erste Tag der letzten Regelblutung? (Selbst nochmal den Geburtstermin errechnen!)
  • Gab es danach noch Blutungen?
  • Wie war der Verlauf der Schwangerschaft?
  • Wurden regelmäßige Vorsorge- und Ultraschall- Untersuchungen durchgeführt?
  • Gab es dabei Auffälligkeiten?
  • Welche waren das? (Mutterpass!)
  • Wie war der Gewichtsverlauf der Patientin während der Schwangerschaft?
  • Ist das die erste Schwangerschaft der Patientin?
  • Wie viele Schwangerschaften und Geburten gab es vorher?
  • Wie verliefen diese Schwangerschaft und Geburten?
  • Kam es bei einer vorangehenden Geburt zu einer Terminüberschreitung?
  • Gab es dafür bekannte Gründe, welche?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen der Patientin?
  • Raucht die Patientin?
  • Nimmt Sie regelmäßig Alkohol, Medikamente oder Drogen zu sich?
  • Welche sind das und in welcher Dosierung?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen des Feten?
  • Gibt es in der näheren Familie bekannte genetische Erkrankungen?

Diagnostik

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Diagnostik bei V.a. Terminüberschreitung [1]

  • Exaktes Gestationsalter feststellen; also Geburtstermin selbst nochmal errechnen

Sonographie und Doppler- Sonographie [3;4]

  • Evtl. Feststellung einer fetalen Makrosomie (in Kombination mit klinischer Untersuchung)
  • Überprüfung der fetalen Versorgung
  • Überprüfung der Plazentafunktion
  • Beurteilung der Fruchtwassermenge

CTG [5]

  • Nach Leitlinie 2006 ab 41 + 0 empfohlen
  • Feststellung einer evtl. fetalen Gefährdung
  • Wenn Wehen vorhanden sind: Wehenaufzeichnung

Klinik

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Klinik bei Terminüberschreitung [1]

  • Spezielle Symptome im Sinne einer Erkrankung sind nicht unbedingt zu erwarten
  • Evtl. Zeichen der Plazentainsuffizienz
  • Evtl. Oligohydramnion

Therapie

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Vorgehen bei Terminüberschreitung [1]

40 + 0 bis  40 + 6 SSW

  • Komplikationslose Schwangerschaft: keine Geburtseinleitung nötig
  • Bestimmung der Fruchtwassermenge empfohlen, alle drei Tage
  • CTG kann durchgeführt werden; Kontrolle der Herzaktionen
  • Geburtseinleitung auf Wunsch der Schwangeren möglich

41 + 0 bis 41 + 6 SSW

  • Geburtseinleitung empfohlen; wenn nicht gewünscht:
  • Fruchtwassermenge 2-3x täglich beurteilen
  • CTG- Kontrolle
  • Patientin über die Risiken aufklären

Ab 42 + 0 SSW

  • Beendigung der Schwangerschaft: Geburtseinleitung oder Sectio

Geburtseinleitung

  • Zervix noch nicht geburtsreif: Prostaglandin E₂- Gel 0,5 mg intrazervikal, oder PGE₂- Tabletten 3mg retrozervikal unter CTG- Überwachung alle 2 Stunden
  • Zervix geburtsreif: Oxytozin- Infusion möglich, z.B. 3 IE Oxytozin in 250ml Glukose 5%- Lösung per Infusor mit 12 ml/h beginnen. Alle 40 Min. Sterigerung um 12 ml/h möglich.

Komplikationen

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?
Mögliche Komplikationen bei Terminüberschreitung [1]

  • Minderversorgung des Kindes durch zu wenig Fruchtwasser
  • Steigende perinatale Mortalität
  • Steigende fetale Morbidität durch z. B Schulterdystokie Schulterdystokie
  • Steigende maternale Morbidität und Mortalität

Ein übertragenes Neugeborenes gilt als Risikoneugeborenes!

Runge- Zeichen= Zeichen der Übertragung beim Neugeborenen:

  • Körberhaut, Eihäute oder Nabelschnur gelb gefärbt
  • Waschfrauenhände
  • Epidermis abgeschält oder abgeschilfert
  • Labien bzw. Skortum gerötet
  • Vernix caseoa fehlend
  • Dystrophie

Zusatzhinweise

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?

Zusatzinformation zu Terminüberschreitung [1;6]

  • Generelle Geburtseinleitung am errechneten Termin wird nicht empfohlen
  • Regelmäßiger Koitus gegen Ende der Schwangerschaft kann der Patientin zur Geburtsstimulierung empfohlen werden.

Literaturquellen

Terminüberschreitung

Bearbeitungsstatus ?
  1. AWMF Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, AG Materno-fetale Medizin: Vorgehen bei Terminüberschreitung und Übertragung; Register Nr. 015/065, Stand: 02/2010
  2. Studie: Oleson AW et al.: Perinatal and maternal complications related to postterm delivery: A national register- based study. 1978-1993. Am J Gynecol Obstet 2003; 189:222-227
  3. AWMF Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, AG Medizinrecht: Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge, Register Nr. 015/ 044; Stand 08/2010
  4. AWMF Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für maternofetale Medizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Doppler- Sonographie in der Schwangerschaft; Register Nr. 015/019; Stand 07/2008
  5. AWMF Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe; AG der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin und AG für Materno- Fetale Medizin: Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt; Register Nr. 015/036; Stand 11/2007
  6. Obstet Gynecol 2006; 108: 134-140; Tan PC et al.: Effect of Coitus at Term on Length of Gestation, Induction of Labor and Mode of Delivery

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen