Syphilis

Synonyme: Lues, harter Schanker, Progressive Paralyse, Tabes dorsalis

Definition

Syphilis

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Die Syphillis ist eine chronische Infektionskrankheit, welche in 3 Stadien verläuft und meist sexuell übertragen wird.


Ätiologie

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Ursächlich für die Syphillis ist folgender Erreger:

  • Treponema pallidum
  • Spirochäte
  • nicht anzüchtbar
  • persistiert im Körper ohne Therapie
  • Inkubationszeit 14-24 Tage

Übertragung:

  • durch Geschlechtsverkehr
  • intrauterine Infektion des Fötus (konnatal)
  • im Geburtskanal
  • über Bluttransfusionen

Epidemiologie

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Die Inzidenz der Syphilis: 2/100 000/Jahr in Westeuropa; Russland 100-150/100 000/J

  • m:w=2:1
  • bei homosexuellen  Männern zunehmend

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Syphillis sind folgende Informationen von Bedeutung:
  • Seit wann Beschwerden?
  • Frühere Beschwerden? Primärkomplex?
  • Sexualanamnese
  • Partneranamnese
  • Andere Infektionen: HIV?
  • Penicillinallergie?
  • Hautulzeration?
  • Lymphknotenschwellung in Vergangenheit bemerkt?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Syphilis sind relevant:

  1. Klinik
  2. Serologie:
  • Suchtest: TPHA-Test nach 2-3 Wochen post infectionem positiv
  • Bestätigungstest: FTA-ABS-Test
  • Verlauf: VDRL-Test (nicht luesspezifisch, sondern auch bei SLE, Lepra u.a. erhöht), nach 4-6 Wochen positiv, Abfall bei erfolgreicher Therapie
  • ggf. Liquorerregernachweis zum Ausschluss einer Neurolues

Klinik

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Die Syphilis präsentiert sich meist wie folgt:

Inkubationszeit: 14-24 Tage, selten bis 90 Tage

Erworbene Syphilis:

1. Frühsyphilis:

Primärstadium:

  • Primärkomplex: Schmerzloses, meist einzelnes Ulcus durum ("Harter Schanker")im Genitalbereich und geschwollene Lymphknoten; verschwindet ca. 5 Wochen nach Infektion

Sekundärstadium:

  • Beginn 2-3 Monate nach Infektion
  • Exanthem mit Roseolen, Condylomata lata
  • Alopezie
  • Plaques muqueses an der Mundschleimhaut
  • Iritis
  • Uveitis
  • Hepatitis
  • Pneumonie
  • ggf. generalisierte Lymphknotenschwellung
  • Dauer bis zu 5 Jahren
  • Spontanausheilung in 30% d.F.

2. Spätsyphilis:

Tertiärstadium:

  • 5-50 Jahre nach Infektion
  • braunroter, derber Hautknoten ggf. mit Ulzeration und Narbenbildung
  • nekrotischer Gewebszerfall mit folgenden Substanzdefekten an allen Geweben möglich, z.B. Haut: Tuberöse Syphilide; "Gummen" in Lunge, Knochen, Muskeln, Herz, Magen, Darm, Rektum, Leber, Hirn; Aortenaneurysma, Aortenklappeninsuffizienz
  • häufig als Tumor oder Tbc fehldiagnostiziert

Quartärstadium:

  • Neurosyphilis mit Tabes dorsalis im Rückenmark und meningovaskuläre Neurosyphilis mit Hirninfarkten
  • progressiver Paralyse mit Persönlichkeitsveränderungen oder Demenz

Angeborene Syphilis:

  • Multisystemerkrankung
  • Haut- und Knochenveränderungen
  • Befall innerer Organe
  • selten: Hutchinson Trias

Therapie

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Die Therapie der Syphillis ist abhängig vom Krankheitstadium:

Primär- und Sekundärstadium:

  • Benzathinpenicillin G 1x2,4 Mio IU i.m. oder
  • Clemizolpenicillin G 1 Mio IU i.m. für 14 Tage oder
  • Bei Penicillinallergie: Doxycyclin 2x100mg p.o. für 14 Tage

Spätere Stadien:

  • Benzathinpenicillin G 1x2,4 Mio IU i.m an den Tagen 1, 8, 15 oder
  • Clemizolpenicillin G 1 Mio IU i.m. für 21 Tage oder
  • Bei Penicillinallergie: Doxycyclin 2x100mg p.o. für 28 Tage

Mitbehandlung der Sexualpartner!

Cave: Herxheimer-Reaktion!

Prophylaxe:

  • Sexualhygiene
  • Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung mit Lues-Serologie

Komplikationen

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Bei der Syphilis kommen folgende Komplikationen vor:

  • Neurolues
  • Aortenaneurysma
  • Herxheimer-Reaktion unter Therapie bei älteren Menschen oder länger bestehender Syphilis

Zusatzhinweise

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Die Syphilis ist meldepflichtig

  • hohe Kontagiosität in Stadium I und II
  • Prophylaxe: Kondome
  • Mitbehandlung der infizierten Sexualpartner
  • Schwangerschaftsscreening
  • Mehrfache Geschlechtsinfektionen bedenken (Gonokokken, HIV, Chlamydien etc.)

Literaturquellen

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  2. (2007) Haag, Hanhart, Müller - Gynäkologie und Urologie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
  3. (2009) Gruber S - BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH
  4. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  5. (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  7. (2008) Bühling K J, Friedmann - Intensivkurs Gynäkologie - Urban & Fischer, Elsevier
  8. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  9. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  10. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  11. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  12. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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