Symphysenläsionen unter der Geburt

Synonyme: Beckenringlockerung, Symphysenschaden, Symphysenzerrung, Symphysenruptur

Definition

Symphysenläsionen unter der Geburt

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Symphysenläsionen [1]

  • Hierunter werden Verletzungen der Symphyse unter der Geburt zusammengefasst.
  • Sie können als Lockerung der Symphyse, sog. Diastase, oder Sprengung der Symphyse, sog. Ruptur, auftreten.
  • Bei einer Diastase gibt es verschiedene Variationen; vom schmalen bis deutlichen Spalt zwischen den beiden Symphysenästen.
  • Bei der Ruptur ist die bindegewebige Verbindung zwischen den Schambeinästen komplett zerrissen. Es kann u.U. zu Knochenabsplitterungen und Verschiebung der Symphysenäste gegeneinander kommen.

Ätiologie

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Ätiologie der Symphysenläsion [1]

  • Östrogene in der Schwangerschaft → physiologische Auflockerung der Symphyse, Bandapparat und Iliosakralgelenke
  • Geburt eines makrosomen Kindes
  • Verengtes Becken
  • Geburt in klassischer Rückenlage und Abstützen der Beine (Abduktion der Hüftgelenke) begünstigt Verletzungen des Beckens
  • Evtl. Kalkstoffwechselstörungen nach schnell aufeinanderfolgenden Schwangerschaften
  • Evtl. D- Hypovitaminosen

Epidemiologie

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Epidemiologie der Symphysenläsion (unter der Geburt)

  • 10% aller Schwangeren sind von der Symphysenläsion  betroffen
  • 0,02-0,3% der Gebärenden von Symphysenriss bzw. -ruptur betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnese bei V.a. eine Symphysenläsion

  • Wie verlief die Geburt allgemein?
  • Wurde ein sehr großes und schweres Kind (> 4000g) geboren?
  • Hatte die Patientin schon während der Schwangerschaft Beschwerden im Bereich des Beckens?
  • Wann traten diese Beschwerden auf und welche waren es genau?
  • Wurden die Beschwerden medikamentös, physiotherapeutisch oder nach Methoden der alternativen Medizin behandelt?
  • Wurde bei der Patientin im Verlauf der Schwangerschaft der Verdacht auf ein verengtes Becken geäußert?
  • In welcher Geburtsposition wurde entbunden?
  • War dies die erste Geburt der Patientin?
  • Wie viele Geburten gab es vorher?
  • Wie war der Verlauf dieser Geburten?
  • In welchem Abstand zur aktuellen Geburt fanden die vorangehenden Entbindungen statt?
  • War dies die erste Schwangerschaft der Patientin?
  • Wie viele Schwangerschaften gab es vorher?
  • In welchem Abstand zur aktuellen Entbindung lagen diese?
  • Hat die Patientin aktuell Beschwerden?
  • Welche sind das?
  • Strahlen die Schmerzen evtl. in den Bereich der Oberschenkel und/ oder Kreuzbein aus?
  • Hat die Patientin Schmerzen beim Gehen oder Liegen?
  • Kann sie sich selbständig vom Rücken auf die Seite drehen?
  • Kann die Patientin auf einem Bein stehen?
  • Verstärkt sich der Schmerz bei Bewegung?

Diagnostik

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Diagnostik bei V.a. Symphysenläsion [1]

1. Klinisches Bild ist charakteristisch

  • Schmerzen verstärken sich beim Druck auf beide Hüftbeine in Rückenlage
  • Patientin weicht evtl. auf „Watschelgang“ aus, um eine Verschiebung des Beckens zu vermeiden

2. Röntgen mit Fragestellung: Erweiterung des Symphysenspaltes? Dislokation der Schambeinäste? Knochenabsplitterungen im Bereich der Symphyse?


Klinik

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Klinik bei V.a. Symphysenläsion [1]

  • Patientin ist sehr schmerzempfindlich im Bereich der Symphyse nach der Geburt
  • Schmerzen strahlen u.U. aus
  • Schmerzen verstärken sich beim Druck auf beide Hüftbeine in Rückenlage
  • Patientin kann sich nur unter großen Schmerzen oder gar nicht auf die Seite drehen
  • Schmerzen verstärken sich bei jeder Bewegung

Therapie

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Therapie einer Symphysenschädigung [1;2]

  • Körperliche Ruhe/ Bettruhe (evtl. low- dose- Thromboseprohylaxe! Dekubitusprohylaxe!)
  • Schmerztherapie je nach Intensität der Beschwerden (stillt die Patientin?) z. B. Paracetamol Tabl. 3-4x täglich 10-15 mg/kg Körpergewicht; oder Ibuprofen 2-3x 200-600mg p.o.; oder Tramadol bis 4x 50-100 mg p.o./ i.v.; Hinweis: Metamizol in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen!
  • Physiotherapie
  • Spezialbinde mit Trochanterpelotten [3], oder Stützkorsett (Orthopäden hinzuziehen)
  • Kalzium- und vitaminreiche Kost
  • Vitamin-D- und Kalziumsubstitution: z.B. mit Colecalciferol + Calciumcarbonat 800-880 I.E./ d
  • Evtl. Rotlichtbestrahlung (Förderung der Durchblutung)

Komplikationen

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Komplikationen bei Symphysenläsionen [1]

  • Verletzungen der Symphyse unter der Geburt heilen bei entsprechender Behandlung meist gut aus
  • Häufig erleiden die Patientinnen psychische Krisen oder eine verstärkte Wochenbettdepression (evtl. psychologische Hilfestellung)

Zusatzhinweise

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Zur Zeit gibt es keine Zusatzhinweise zur Symphysenläsion.


Literaturquellen

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  1. Das Hebammenbuch, Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe, 4. Auflage, Mändle, Opitz-Kreuter, Wehling, Schattauer Verlag 2003
  2. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main
  3. Schmidt- Matthiesen H; Gynäkologie und Geburtshilfe, 8. Auflage, Stuttgart, New york; Schattauer Verlag 92

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