Strahlenschäden des Rückenmarks

Synonyme: Strahlenmyelopathie, Strahlenmyelitis

Definition

Strahlenschäden des Rückenmarks

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Strahlenschäden des Rückenmarks sind spinale Symptome in Folge der Schädigung von vor allem Gliazellen des Rückenmarks durch radioaktive Strahlung, die meist iatrogen bedingt ist.


Ätiologie

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Die Ursachen der Strahlenschäden des Rückenmarks sind:

  • radioaktive Strahlung ab einer bestimmten Dosis:
    • Strahlentoleranz des Rückenmarks geringer als die des Gehirns: Schäden ab > 40 Gy
    • durchschnittliche Latenzzeit von 6 - 16 Monaten
  • Strahlungsquellen: therapeutische Bestrahlung von Neoplasien (Bronchial-Ca, Larynx-Ca, Ösophagus-Ca, spinale Neoplasien), selten Havarien in kerntechnischen Anlagen
  • betroffene Lokalisationen: zervikal > thorakal > lumbal
  • Risiko wächst mit Einzeldosen mehr als mit Gesamtstrahlungsdosis

Pathophysiologie:

  • auf bestimmte Regionen lokalisierte oder querschnittsförmige Entmarkungen und Nekrosen
  • Strahlenschädigung von Endothelzellen kleiner und kleinster Gefäße als entscheidender Pathomechanismus

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Angaben zu Strahlenschäden des Rückenmarks liegen nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Strahlenschäden des Rückenmarks sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Z.n. Bestrahlungstherapie?
  • Dosierung und Bestrahlungsschema?
  • bekannte (neurologische) Vorerkrankungen?
  • Muskelschwäche/Muskelschwund/Lähmungen?
  • Missempfindungen/Gefühlsstörungen?
  • Blasen-/Mastdarmstörungen/Potenzstörungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Strahlenschäden des Rückenmarks sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Blasen-/Mastdarmfunktion, Sensibilitätstestung, Kraftprüfung, Reflexe, Lhermitte-Zeichen, Meningismuszeichen
  • bildgebende Verfahren: spinales MRT/CT und Myelographie zeigen i.d.R. eine spinale Passagebehinderung; hyperintense Myelonschwellung in T2; im Spätstadium umschrieben Atrophien und Gliosen
  • Liquorpunktion: evtl. erhöhter Eiweißgehalt i.S. eines Stoppliquor und Pleozytose

Klinik

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Die Strahlenschäden des Rückenmarks können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • nach Latenzzeit Symtpomentwicklung schubförmig oder kontinuierlich innerhalb von Wochen
  • partielles zervikales oder thorakales Querschnittssyndrom, auch vom Typ Brown-Séquard
  • initial häufig brennende Par- und Dysästhesien in Händen und Füßen
  • positives Lhermitte-Zeichen
  • Blasen-Mastdarmstörungen
  • schlaffe Paresen und Muskelatrophien bei lumbaler Lokalisation
  • Konus-Kauda-Syndrome mit Paresen, Reithosenanästhesie und Blasen-Mastdarmstörungen nach Bestrahlung paraaortaler Lymphknoten

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Strahlenschäden des Rückenmarks umfassen folgendes:

  • keine kausale Therapie verfügbar
  • Therapieversuch mit Glukokortikoiden
  • antispastische Therapie mit Baclofen und Benzodiazepinen
  • analgetische Therapie
  • Physio- und Ergotherapie

Komplikationen

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Bei den Strahlenschäden des Rückenmarks kommen folgende Komplikationen vor:

  • bei Affektion des oberen Zervikalmarks: Tod innerhalb des ersten Jahres

Zusatzhinweise

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  • zur Prophylaxe sollte die Einzeldosis bei fraktionierter Bestrahlung mit Rückenmark im Strahlungsfeld nicht größer als 2 Gy sein und in Pendelbestrahlungstechnik durchgeführt werden
  • generell schlechte Prognose

Literaturquellen

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1. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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