Strahlenenzephalitis

Synonyme: Strahlenenzephalopathie

Definition

Strahlenenzephalitis

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Die Strahlenenzephalitis ist das Auftreten neurologisch-enzephalitischer Symptome in Folge der Schädigung von vor allem Gliazellen des Gehirns durch radioaktive Strahlung, die meist iatrogen bedingt ist.


Ätiologie

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Die Ursachen der Strahlenenzephalitis sind:

  • radioaktive Strahlung ab einer bestimmten Dosis:
    • Hirnstamm: > 45 Gy
    • Großhirnhemisphären: > 60 Gy
  • Strahlungsquellen: therapeutische Bestrahlung cerebraler Neoplasien, selten Havarien in kerntechnischen Anlagen

Pathophysiologie:

  • meist mehrjährige Latenz (Hirnstamm < Hemisphären)
  • Markscheiden, Oligodendrogliazellen und Gefäßendothelzellen sind selektiv strahlenempfindlich
  • Neuronen sind relativ strahlenresistent
  • Überschreitung der Strahlenhöchstdosis →
  • Entmarkungen mit Kolliquationsnekrosen,
    Zystenbildung
  • Gefäßwandschädigung mit Gefäßobliteration
    (v.a. der Venen) → Extravasate, größere Ödeme,
    Stauungshämorrhagien → raumfordernde Strahlennekrose

Epidemiologie

Strahlenenzephalitis

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Genaue epidemiologische Daten zur Strahlenenzephalitis liegen nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Strahlenenzephalitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Z.n. Bestrahlungstherapie?
  • Dosierung und Bestrahlungsschema?
  • bekannte (neurologische) Vorerkrankungen?
  • epileptische Anfälle?
  • Übelkeit und Erbrechen?
  • Kopfschmerzen?
  • Nackensteife?
  • psychische Veränderungen?
  • Sprach-/Seh-/Hörstörungen?
  • Schluckstörungen?
  • Lähmungen?
  • Missempfindungen/Gefühlsstörungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Strahlenenzephalitis sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Sensibilitätstestung, Kraftprüfung, Meningismuszeichen, Reflexe, Psychomotorik, Bestrahlung/Strahlenexposition in der Anamnese
  • bildgebende Verfahren: cMRT mit diffus-fleckiger, evtl. konfluierender Signalveränderung des Marklagers; Ausschluß anderer Ursachen
  • EEG: H.a. epileptische Aktivität? 
  • Labor: Ausschluß von Stoffwechselstörungen

Klinik

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Die Strahlenenzephalitis kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • epileptische Anfälle
  • Halbseitenlähmung
  • weitere fokal-neurologische Herdsymptome (Aphasie, Sensibilitätsausfälle, Lähmungen)
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Hirnstammsymptome: Hirnnervenausfälle, Kreislaufdysregulation, Schwindel, Gangstörungen

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Strahlenenzephalitis umfassen folgendes:

  • neurochirurgische Resektion strahlennekrotischer Areale
  • Hirnödemprophylaxe mit Glukokortikoiden
  • Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin
  • evtl. antikonvulsive Prophylaxe mit Oxcarbazepin, Carbamazepin oder Valproat

Komplikationen

Strahlenenzephalitis

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Bei der Strahlenenzephalitis kommen folgende Komplikationen vor:

  • irreversible Ausfälle
  • Schluckstörungen mit Aspirationsgefahr
  • Gefahr des Hirnödems mit Einklemmung → Koma

Zusatzhinweise

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NB: Unterscheidung zwischen raumfordernder Strahlennekrose/Hirnabszessen und malignen Neoplasien im CT/MRT nicht immer sicher möglich → evtl. Spezialuntersuchungen wie MRT-Spektroskopie


Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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