Strabismus concomitans

Synonyme: Schielen

Definition

Strabismus concomitans

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  • Strabismus concomitans: beim Begleitschielen begleitet das führende Auge das Schielauge in allen Blickrichtungen

Ätiologie

Strabismus concomitans

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  • Dem Strabismus concomitans können Augenerkrankungen und -fehlbildungen zugrunde liegen (z.B. kongenitaler Katarakt, Retinopathie des Frühgeborenen)
  • häufiger sind primäre Formen, deren Ursache meist multifaktoriell und noch immer nicht ganz klar ist
  • bekannt ist, dass bei diesen Formen vorbestehende Sehfehler sehr häufig eine Rolle spielen (z.B. Hyperopie)
  • genetische Faktoren spielen auch eine Rolle (Risiko des Schielens ist 5x höher, wenn ein Elternteil als Kind geschielt hat)
  • Unterteilung in vier Formen, die möglicherweise jeweils unterschiedliche Pathomechanismen zugrunde liegen

Epidemiologie

Strabismus concomitans

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  • Der Strabismus concomitans tritt meist unilateral auf
  • seltener alternierend
  • entwickelt sich nach dem 3. Lebensmonat
  • in 80% vor dem 2. Lj.
  • betroffen sind 3-4% der Kinder

Differentialdiagnosen

Strabismus concomitans

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Anamnese

Strabismus concomitans

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Bei Strabismus concomitans sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Inspektion
  • Abdecktest
  • Aufdecktest
  • Schielwinkelbestimmung
  • Stellung der Reflexbilder der Hornhaut
  • Brückner-Test
  • Form des Schielens?
  • Welche Schielrichtung?
  • Doppelbilder?
  • Amblyopie?
  • Binokularsehen?
  • Wann ist das Schielen aufgefallen bzw. aufgetreten?
  • bestehen Augenerkrankungen oder -fehlbildungen?

Diagnostik

Strabismus concomitans

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Zur diagnostischen Abklärung des Strabismus concomitans sind relevant:

  • Stellung der Reflexbilder der Hornhaut = normalerweise symmetrisch
  • Brückner-Test
  • Abdecktest = kommt es zur Einstellbewegung, so spricht das für manifestes Schielen
  • Aufdecktest = bei latenten Schielen weicht das abgedeckte Auge unter der Abdeckung ab, es ergibt sich eine Einstellbewegung
  • Schielwinkel mit Hilfe einer Prismenleiste oder eines sog. Maddox-Kreuzes messen
  • foveale Fixation wird mit einem speziellen Augenspiegel geprüft

Klinik

Strabismus concomitans

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  • Beim Strabismus concomitans wird zwischen einem manifesten Schielen (Heterotropie) und einem latenten Schielen (Heterophorie) unterschieden
  • bei Letzterem tritt Schielen nur unter Stressbedingungen wie Müdigkeit auf
  • Schielrichtung eso-, exo-, hyper- und hypotrop
  • häufigste Schielform ist dabei die Esotropie (Schielen nach innen)
  • diese Form des Begleitschielens wird auch als Strabismus convergens bezeichnet und vom Strabismus divergens (manifestes Außenschielen) abgegrenzt

frühkindliches Schielsyndrom:

  • Schielen zeigt sich innerhalb der ersten 6 Lebensmonate
  • idR liegt die Fehlsichtigkeit eines Auges zugrunde
  • aufrund der entstehenden Amblyopie ist das Binokularsehen gestört

Mikrostrabismus:

  • Schielwinkel ist sehr klein (< 5°)
  • wird meist erst im 4.-6. Lj. entdeckt
  • Schielauge meist nur wenig amblyop
  • Binokularsehen meist noch erhalten
  • besteht eine anormale retinale Korrespondenz, d.h. bei Fixation korrespondiert die Fovea des gesunden Auges mit einem exzentrischen Fixationspunkt am Schielauge

normosensorisches Spätschielen:

  • seltene Form
  • tritt erst nach dem 2. oder 3. Lj. auf
  • Binokularsehen hat sich schon voll und normal etabliert
  • Doppelbilder und Kinder kneifen Augen zu
  • um Binokularsehen zu erhalten = OP wichtig

latentes Schielen:

  • Augen werden durch Fusionsanstrengungen des Gehirns parallel gehalten
  • Binokularsehen bleibt erhalten

Therapie

Strabismus concomitans

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Strabismus concomitans umfassen folgendes:

  • Ausgleich vorhandener Refraktiosfehler (Brille, Kontaktlinsen)
  • besteht eine Amblyopie = wird eine intermittierende Okklusion des führenden Auges durch Hautpflaster oder Brillenfolien durchgeführt
  • Dauer der Okklusionsintervalle ist vom Alter des Kindes abhängig (je jünger, desto kürzer)
  • die Okklusionsbehandlung wird meist bis zum Schulalter durchgeführt
  • in manchen Fällen auch länger
  • Schiel-Op mit Lockerung oder Verkürzung einzelner Augenmuskeln wird bei mangelndem Erfolg der konservativen Therapie im Vorschulalter empfohlen
  • beim normosensorischen Spaätschielen wird jedoch baldmöglichst operiert
  • beim latenten Schielen kann eine Schiel-OP erforderlich werden

Komplikationen

Strabismus concomitans

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Folgende Komplikationen des Strabismus concomitans können auftreten:

  • eine zu lange oder gar ständige Totalokklusion ist bei Okklusionsbehandlung zu vermeiden
  • da sonst die Gefahr der Behinderung der binokularen Funktionen und der Amblyopie des "guten" Auges besteht

Zusatzhinweise

Strabismus concomitans

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Folgende Zusatzhinweise bei Strabismus concomitans sollten beachtet werden:

  • da Schielen häufig mit Sehfehlern verbunden ist (Weitsichtigkeit, Linsentrübungen oder sogar Retinoblastom), müssen die Augen von Schielkindern immer komplett augenärztlich untersucht werden

Literaturquellen

Strabismus concomitans

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  1. E. Mayatepek - Pädiatrie - Urban u. Fischer
  2. M. Saschenweger - Augenheilkunde - Duale Reihe - Thieme Verlag
  • (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer
  • (2009) Dahlmann C - Crashkurs Augenheilkunde - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Schmidt D - Tipps und Tricks für den Augenarzt, Problemlösungen von A – Z - Springer Verlag
  • (2008) Lang, G.K - Augenheilkunde - Thieme Verlag
  • (2008) Kanski J - Klinische Ophthalmologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer Verlag, Berlin
  • (2003) Sachsenweger M - Augenheilkunde - Thieme
  • (2001) Augustin A - Augenheilkunde - Springer

Assoziierte Krankheitsbilder zu Strabismus concomitans

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Augenheilkunde

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