Störung der neuromuskulären Überleitung

Synonyme: medikamentös bedingte Myasthenie

Definition

Störung der neuromuskulären Überleitung

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Die Störung der neuromuskulären Überleitung ist eine medikamentös bedingte Störung der Signalweiterleitung an der motorischen Endplatte und konsekutive Muskelschwäche.


Ätiologie

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Die Ursachen der Störung der neuromuskulären Überleitung sind:

  • Antibiotika: Colistin, Neomycin, Streptomycin, Tetracyclin, Sulfonamide
  • Kardiovaskuläre Medikamente: Thiazid-Diuretika, β-Blocker, Nifedipin, Verapamil, Lidocain, Propafenon, Procainamid
  • Antikonvulsiva: Phenytoin, Primidon, Phenobarbital
  • sonstige Medikamente: Benzothiadiazinen,
    D-Penicillamin, Hydantoinen, Mg2+-haltigen
    Abführmittel, Chlorpromazin und Benzodiazepine
  • Gabe therapeutischer Dosen oft für Schädigung ausreichend
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion (ältere Patienten!) besonders gefährdet
  • Komedikation kann Metabolismus und Plasmaeiweißbindung beeinflussen

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Angaben zur Störung der neuromuskulären Überleitung liegen nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Störung der neuromuskulären Überleitung sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Doppelbilder/Sehstörungen?
  • Muskelschwäche, v.a. an proximalen Extremitäten?
  • Ausfälle über den Tag zunehmend?
  • Atembeschwerden?
  • Muskelschmerzen?
  • Muskelschwund/Muskelschwäche/Lähmungen?
  • weitere neurologische Symptome?
  • ausführliche Medikamentanamnese (eingenommen Substanzen, Dosierung, Einnahmeintervall)
  • bekannte Vorerkrankungen (relevante Nieren-/Lebererkrankungen, Darmerkrankungen, neurologische Vorerkrankungen)?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Störung der neuromuskulären Überleitung sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: sichtbare Muskelatrophie,  Sensibilitätstestung, Kraftprüfung, Reflexe, Muskeltonus, Simpson-Test, Tensilon-Test
  • Elektrophysiologie: EMG, NLG, evtl. sensible NLG; Ausschluß einer Motoneuronerkrankung; repetitive Stimulation mit Dekrement?
  • bildgebende Verfahren: bei V.a. zentralen Prozess, CT-Thorax zum Ausschluß einer retrosternalen Raumforderung (paraneoplastische Myasthenie)
  • Labor: Retentionsparameter (Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin), Leberparameter (Transaminasen, Cholestasewerte, Quick, Albumin, Bilirubin) Blutbild, evtl. Medikamentenspiegel, fehlender Nachweis von Anti-ACh-Rezeptor-AK
  • evtl. Muskelbiopsie

Klinik

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Die Störung der neuromuskulären Überleitung kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Dyspnoe bei Beteiligung der Atemmuskulatur häufig als Erstsymptom
  • Doppelbilder
  • Ptosis
  • Facies myopatica
  • Sprechstörungen
  • Kau-und Schluckstörungen
  • Schwäche der proximalen Extremitätenmuskulatur

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Störung der neuromuskulären Überleitung umfassen folgendes:

  • Pyridostigmin , maximal 300 - 600 mg/d (wirkt nicht in allen Fällen!)
  • Anpassung der Medikamentendosis
  • Umstieg auf besser verträgliche Präparate
  • Therapie einer prädisponierenden Erkrankung (Niereninsuffizienz etc.)
  • Physio- und Ergotherapie

Komplikationen

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Bei der Störung der neuromuskulären Überleitung kommen folgende Komplikationen vor:

  • Aspiration
  • Ateminsuffizienz

Zusatzhinweise

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  • Das Kardinalsymptom Dyspnoe eignet sich gut zur Differenzierung zur echten Myasthenia gravis, die nur selten und spät die Atemmuskulatur betrifft

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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