Status psychomotoricus

Synonyme: nicht-konvulsiver Status epilepticus

Definition

Status psychomotoricus

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Der Status psychomotoricus ist eine Serie immer mit einer Bewusstseinsstörung einhergehender, jedoch lokal begrenzter epileptischer Anfälle mit meist temporal lokalisiertem epileptogenem Fokus über mindestens 15 Minuten ohne dass der Patient zwischen den Anfällen das volle Bewusstsein wiedererlangt.


Ätiologie

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Die Ursachen des Status psychomotoricus sind:

Der Status psychomotoricus ist die Maximalausprägung eines komplex-fokalen Anfalls. Dessen Ursachen können sein:

  • kongenitale Missbildungen
  • Hirntumoren
  • Ammonshornsklerose
  • Enzephalitis
  • Z.n. operativen Eingriffen
  • toxische/metabolische Läsionen
  • Speicherkrankheiten
  • degenerative und hereditäre Erkrankungen
  • idiopathisch

Lokalisation des epileptogenen Fokus:

  • basaler Temporallappen → limbisches System

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Angaben zum Status psychomotoricus liegen nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Status psychomotoricus sind folgende Informationen von Bedeutung:

Fremdanamnese entscheidend:

  • bekanntes Anfallsleiden?
  • Anfallscharakteristika: Häufigkeit, Kontext des Auftretens? Vorboten/Aura, Beginn und Dauer des aktuellen Status?
  • Zungenbiss/unwillkürlicher Urinabgang?
  • (psychiatrische) Vorerkrankungen?
  • Geburtskomplikationen?
  • Stress/Infekt vor dem Ereignis?
  • Kinderkrankheiten mit cerebraler Beteiligung?
  • Z.n. Schädel-Hirn-Trauma?
  • Familienanamnese

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des Status psychomotoricus sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: genaue Anfallsanamnese, Ausschluß, Zungenbiss/Einnässen,  Suche nach weiteren neurologischen Ausfällen (Kraftprüfung)
  • Fieber messen (Infektion als Ursache?)
  • Lumbalpunktion: sofort bei V.a. Meningitis oder Subarachnoidalblutung
  • EEG: paroxysmale Dysrhythmie, hohe Deltawellen oder sharp-waves mit Focus über Temporalregion, periodische, lateralisierte, epileptiforme
    Komplexe (PLEDs)
  • Labor: bei V.a. zugrundliegenden Stoffwechselstörungen/Speicherkrankheiten (BZ, Ca, Retentionsparameter, Elektrolyte, evtl. Blutalkoholspiegel, CK, Prolaktin)
  • cCT/cMRT: Ausschluß/Nachweis einer ursächlichen Hirnläsion; Klärung der DD Hirnblutung/ischämischer Hirninfarkt

Klinik

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Der Status psychomotoricus kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Typischer Ablauf des Status:

  1. Beginn mit Aura: epigastrische Missempfindungen/Übelkeit/Schwindel oder Déja-vu-Erlebnisse, evtl. mit verzerrter Größenwahrnehmung (Dysmorphopsie) und Geruchssensationen
  2. anhaltende Bewusstseinstrübung für mehr als 15 Minuten: Dämmerzustand des nicht ansprechbaren Patienten, Automatismen (v.a. oral, Grunzen, nestelnde Bewegungen), starrer Blick; evtl. zielgerichtet wirkende Aktionen, in Einzelfällen sogar längere Autofahrten oder zusammenhängende Handlungen
  3. Ausbleibende Reorientierungsphase wie sonst bei komplex-fokalen Anfällen üblich
  • vegetative Störungen relativ typisch: Tachykardie, Hypersalivation, Mydriasis, Blässe, Gesichtsrötung

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Status psychomotoricus umfassen folgendes:

Stufentherapie:

  • Stufe I: Lorazepam i.v. oder Diazepam oder Clonazepam i.v. kombiniert mit Phenytoin i.v.
  • Stufe II: Wiederholung der Maßnahmen von Stufe I. Sowohl in Stufe I als auch in Stufe II kann Valproat i.v. als Alternative angesehen werden. Evtl. Phenobarbital und Intubation.
  • Stufe III: Verlegung auf eine neurologische Intensivstation und Allgemeinnarkose.

Komplikationen

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Beim Status psychomotoricus kommen folgende Komplikationen vor:

  • nicht zu durchbrechender Status mit organischen Folgeschäden
  • 5-fach erhöhte Suizidrate bei Patienten mit komplex-fokalen Anfällen

Zusatzhinweise

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  • Aura als Differenzierungsmerkmal zur Absence

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

3. Bauer G - Nichtkonvulsiver Status epilepticus, Mitteilungen der Österreichischen Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie 2002; 2 (2), 8-10

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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