Spinalkanalstenose
Synonyme: spinale Stenose, Claudicatio spinalis
Definition
Spinalkanalstenose
Als lumbale Spinalkanalstenose bezeichnet man eine Einengung im Bereich des Rückenmarkkanals aufgrund von angeborenen oder erworbenen Veränderungen. Betroffene leiden häufig unter schwer therapierbaren, lokalen oder radikulären Schmerzen.
Spinalkanalstenose
Ätiologie
Spinalkanalstenose
Die Ursachen der lumbalen Spinalkanalstenose sind:
Angeborene Faktoren:
- kurze oder engstehende Wirbelpedikel
- Stellungsanomalien der Gelenkfortsätze
Erworbene Faktoren:
- Störungen im Bereich der Knochenbildung
- degenerative Knochenalterationen: Spondylophyten, Osteophysten
- degenerative Veränderungen am Bandapperat
- Narbenbildung nach OP
Bei vielen Patienten liegt eine Kombination aus angeborenen und erworbenen Faktoren vor.
Spinalkanalstenose Epidemiologie zu:
Spinalkanalstenose
Epidemiologie
Spinalkanalstenose
Zur lumbalen Spinalkanalstenose liegen nur wenige epidemiologische Daten vor:
- Das Risiko eine Spinalstenose zu entwickeln erhöht sich mit steigendem Lebensalter
- Bei über 60-jährigen liegt bei jedem 5. eine Stenose vor, die jedoch in vielen Fällen nur schwach ausgeprägt ist und symptomlos bleibt.
Spinalkanalstenose Differentialdiagnosen zu:
Spinalkanalstenose
Differentialdiagnosen
Spinalkanalstenose
- Stadium I der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Stadium IV der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Stadium III der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Stadium II der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Koxarthrose
- Lumbosakraler, medialer Bandscheibenvorfall
- Lumbale, laterale Diskushernie
- Bandscheibenprotrusion
- Bandscheibenprolaps und Spondylose
- Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule
Spinalkanalstenose Anamnese zu:
Spinalkanalstenose
Anamnese
Spinalkanalstenose
Bei der lumbalen Spinalkanalstenose sind folgende Informationen von Bedeutung:
- Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule bei Belastung?
- In die Beine einschießende Schmerzen?
- Besserung der Beschwerden beim Vorbeugen?
- Schmerzen beim längeren Gehen?
- Wirbelsäulen-Operation in der Vergangenheit?
- Bandscheibenvorfälle?
Spinalkanalstenose Diagnostik zu:
Spinalkanalstenose
Diagnostik
Spinalkanalstenose
Zur diagnostischen Abklärung der lumbalen Spinalkanalstenose sind relevant:
- Anamnese
- Röntgen, CT: Darstellung der anlagebedingten oder degenerativen Einengung
- MRT: Darstellung der Einengung des Rückenmarkkanals
- Patient vornüber beugen lassen (Besserung der Beschwerden)
Spinalkanalstenose Klinik zu:
Spinalkanalstenose
Klinik
Spinalkanalstenose
Die lumbale Spinalkanalstenose kann eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:
- Lumbalgien (belastungsabhängig)
- Ischialgie
- Claudicatio spinalis intermittens: beim längeren Gehen kommt es zum Auftreten von Schmerz, Lähmung, Schwächegefühl und Störungen der Sensibilität in den Beinen. Innerhalb weniger Minuten Ruhe erfolgt eine Rückbildung der Symptome.
- Flexion im Lendenwirbelsäulenbereich bessert Symptomatik, Hyperlordorsierung verschlimmert die Schmerzen
- Parästhesien
- Motorische Störungen
- Reflexdifferenzen (selten)
Spinalkanalstenose Therapie zu:
Spinalkanalstenose
Therapie
Spinalkanalstenose
Die therapeutischen Möglichkeiten bei lumbaler Spinalkanalstenose umfassen folgendes:
Die Therapie ist grundsätzlich konservativ orientiert. Nur in seltenen Einzelfällen ist bei deutlicher neurologischer Symptomatik oder nicht therapierbaren Schmerzen ein operativer Eingriff indiziert.
Konservative Therapie:
NSAR z.B.:
- Diclofenac max. 150 mg/d
- Azetylsalicylsäure max. 5 g/d
- Ibuprofen max. 2400 mg/d
- Naproxen max. 750 mg/d
- Indometacin max. 175 mg/d
- Nifluminsäure max. 750 mg/d
- Meloxicam max. 15 mg/d
Opioide (nach WHO-Stufenschema nur in Kombination mit NSAR) z.B.:
- Evtl. Cortison-Stoßtherapie: Prednisolon (initial 60 mg/d mit langsamer Verringerung der Dosis für 1 Woche)
Nicht-medikamentöse-Verfahren:
- Stufenbett- Schlingentischlagerung zur Entlordorsierung der Wirbelsäule
- Physiotherapie
- Peridurale Infiltration mit Lokalanästhetika und Corticosteroiden
- CT-gesteuerte Facetteninfiltrationen mit Lokalanästhethetika und Corticosteroiden
- Massagen
- Entspannungsverfahren
- Balneologische Therapie
- Ergotherapie
- Flexionskorsett (nur kurzfristig)
Operative Verfahren:
- Laminektomie mit Entfernung des Processus spinosus (derzeit Standard)
- Cross-over-Technik
- Dorsale Fusion
Nachsorge:
- Physiotherapie
- Rückenschule
- Bei persistierenden Schmerzen: Fortführung analgetischer Medikation
Spinalkanalstenose Komplikationen zu:
Spinalkanalstenose
Komplikationen
Spinalkanalstenose
Die Spinalkanalstenose führt zu folgenden Komplikationen:
- Zervikal: Atemlähmung durch Parese der Zwerchfellmuskulatur C3-C5
- Konussyndrom: Kompression des unteren Myelons mit reithosenanästhesie, Blasen- und Mastdarmlähmung
- Cauda-equina-syndrom: Schlaffe Parese der Beine und Sensibilitätsstörung, Blasen und Mastdarmentleerungsstörungchronisches Schmerzsyndrom
- persistierende neurologische Symptome (Parästhesien, Lähmungen etc.)
- Narbenbildung nach OP
Spinalkanalstenose Zusatzhinweise zu:
Spinalkanalstenose
Zusatzhinweise
Spinalkanalstenose
Es liegen zur Zeit keine Zusatzinformationen zur Spinalkanalstenose vor.
Spinalkanalstenose Literaturquellen zu:
Spinalkanalstenose
Literaturquellen
Spinalkanalstenose
- (2008) Heisel J - Lumbale Spinalkanalstenose - Der Allgemeinarzt 4/2008 20-23
- (2009) Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/074-001.htm >
- (2005) Wülker N - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme Verlag
- (2007) Rössler H, Rüther W - Orthopädie und Unfallchirurgie - Elsevier Verlag
- (2005) Niethard, Pfeil - Orthopädie - Thieme Verlag
- (2005) Rössler H, Rüther Wolfgang - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer Verlag
- (1998) Krämer J, Grifka J, Hedtmann A, Krämer R - Orthopädie - Springer Verlag
Spinalkanalstenose
Assoziierte Krankheitsbilder zu Spinalkanalstenose
- Bandscheibenprotrusion
- Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule
- Lumbale, laterale Diskushernie
- Lumbosakraler, medialer Bandscheibenvorfall
- Stadium I der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Stadium II der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Stadium III der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Stadium IV der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit an den Extremitäten
- Degenerative Erkrankungen der Brustwirbelsäule
- Halswirbelsäule
- Koxarthrose
- Morbus Scheuermann
- Bandscheibenprolaps und Spondylose
- ...gesamte Liste anzeigen
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