Spinale Abszesse

Synonyme: epiduraler Abszess, Rückenmarksabszess

Definition

Spinale Abszesse

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Der spinale Abzess ist eine Ausbildung eines umschriebenen Eiterherdes auf Rückenmarksebene durch Einwanderung bakterieller Erreger


Ätiologie

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Die Ursachen des spinalen Abzesses sind:

  • durch Fortleitung einer benachbarten Entzündung (Spondylitis, Psoasabszess, paranephritischer Abszess)
  • Trauma (Lumbalpunktion, Operation, Spinalanästhesie)
  • hämatogen (Furunkel, Pneumonie)
  • idiopathisch

Erreger:

  • Staph. aureus (am häufigsten)
  • Streptokokken
  • E. coli
  • Pseudomonas spp.
  • Serratia marescens
  • Mycobakterien (Knochen-Tbc)

Risikofaktoren:

  • Diabetes mellitus
  • chron. Nieren-/Leberinsuffizienz
  • chron. Alkoholabusus
  • i.v.-Drogenabusus
  • Malignom
  • medikamentöse Immunsuppression

Lokalisation:

  • meist epidural (selten intramedullär)
  • meist dorsal des Rückenmarks
  • meist thorakal/lumbal

Epidemiologie

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Der spinale Abzess ist selten.

  • Inzidenz: 0,2 - 0,8/100.000
  • Frauen und Männer gleich häufig betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim spinalen Abzess sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Fieber und Fieberverlauf?
  • Rückenschmerzen?
  • neurologische Ausfälle (Missempfindungen, Paresen, Querschnittssymptomatik)?
  • prädisponierende Grunderkrankung?
  • Medikamentenanamnese?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des spinalen Abzesses sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Sensibilitäts- und Kraftprüfung, lokaler Wirbelsäulen-Druck- /Klopfschmerz, Nervendehnungszeichen
  • Labor: Blutbild, CRP, BSG, Leber-/Nierenparameter, evtl. Blutkulturen
  • Liquorpunktion: Cave: keine Punktion auf Höhe eines vermuteten Abszesses! gemischtzellige Pleozytose < 1000/µl, Gesamteiweiß erhöht, Liquorkulturen
  • spinales MRT: in T2 hyperintens, in T1 hypo-/isointens mit homogenem oder randständigem KM-Enhancement, begleitende Spondylodiszitis?

Klinik

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Der spinale Abzess kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Entwicklung innerhalb weniger Tage bis zu mehreren Wochen möglich

  • Beginn mit Fieber
  • Rückenschmerzen
  • lokaler Druck-/Klopfschmerz
  • Paresen
  • Sensibilitätsstörungen
  • evtl. Querschnittssyndrom (spastische Paresen/Plegie, gesteigerte Reflexe, Blasen-/Mastdarmstörungen)

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim spinalen Abzess umfassen folgendes:

Operation + Antibiotikatherapie

  • Abszessentleerung/Entfernung von Granulomen, ggf. Ausräumung einer begleitenden Spondylodiszitis
  • Flucloxacillin 6 x 2g/d i.v. + Ceftriaxon 1 x 2g/d i.v. + Tobramycin 3 x 120mg/d i.v. über 4 - 8 Wochen
  • Anpassung an Antibiogramm

Alleinige Antibiotikatherapie bei geringen neurologischen Ausfällen.


Komplikationen

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Beim spinalen Abzess kommen folgende Komplikationen vor:

  • Myelitis
  • Defektzustände

Zusatzhinweise

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  • gute Progonose bei früher Intervention
  • Letalität < 10%

Literaturquellen

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1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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