Spinalanästhesie

Synonyme: Lumbalanästhesie, Subarachnoidalanästhesie

Definition

Spinalanästhesie

Bearbeitungsstatus ?

älteste und häufigste zentrale Nervenblockade mit Einbringen einer Lokalanästhetika-Lösung in den Durasack der unteren lumbalen Subarachnoidalraum → dadurch kommt es zu vorübergehender Unterbrechung der Erregungsleitung in den Spinalnervenwurzeln

→ reversible Blockade (sympathisch, sensorisch, motorisch)


Ätiologie

Spinalanästhesie

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Indikationen:

  • OP unterhalb des Bauchnabels (Th10) an unteren Extremitätn, Becken, Perineum, Unterbauch, Geburtshilfe
  • Pat. mit vollem Magen, erhöhtem Risiko, gefärdeten Atemwegen, Diabetes mellitus
  • OP-Dauer nicht unter 10 min, nicht länger als 3 h
  • Muskelrelaxierung bei Myathenia gravis
  • eingent sich für ambulane Eingriffe

Epidemiologie

Spinalanästhesie

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Einfache, preiswerte Methode zur Schmerzausschaltung und Muskelrelaxierung


Differentialdiagnosen

Spinalanästhesie

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Spinalanästhesie

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  • kardiovaskuläre, respiratorische und/oder neurologische Vorerkrankungen
  • mögliche Gerinnungsstörungen: Antirheumatika, ASS, Lebererkrankung, abnorme Blutungen nach Zahnextraktion, häufiges und verlängertes Nasen- und Zahnfleischbluten, unverhältnismäßige Blutungen nach Trauma, Bluterkrankungen in der Familie
  • Medikamentenanamnese

Diagnostik

Spinalanästhesie

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  • körperliche Untersuchung (Inspektion der Wirbelsäule
  • Laborparameter (Hb, Hkt, Elekrolyte, Gerinnung: Quick, PTT, Thrombozyten)
  • Aufklärungsgespräch

Klinik

Spinalanästhesie

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Überwachungsmaßnahmen:

- frühe Postinjektionsphase

  • Beobachtung des Pat. (Atmung, Sprache, Blässe, Übelkeit, Erbrechen)
  • minütlich Blutdruck- und Herzfrequenz-Kontrolle
  • Überprüfung der Anästhesieausbreitung mit Kältereizen

- intraoperativ

  • EKG
  • nicht invasiver Blutdruck
  • Pulsoximetrie
  • Kapnometrie
  • Temperatursonde

Therapie

Spinalanästhesie

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Durchführung:

  • Sitzende Position oder Seitenlage
  • Sedierung bei empfindlichen Patienten und kleinen Kindern mit Midazolam oder Propofol
  • punktiert wird zwischen L2/L3 oder L3/L4
  • nach mehrfacher Desinfektion sowie örtlicher Betäubung wird die Kanüle unter sterilen Bedingungen zwischen zwei Dornfortsätzen eingestochen
  • nach Durchtritt durch die Dura tropft der klare Liquor cerebrospinalis aus der Nadel heraus und zeigt dem durchführenden Arzt, dass die Nadel korrekt platziert ist
  • bei blutigem Liquor (Punktion eines Blutgefäßes) oder fehlendem Liquorrückfluss muss die Kanüle entfernt und neu eingestochen werden
  • nach dem Einspritzen der an den Patienten angepassten Dosis Lokalanästhetikum setzt die Wirkung nahezu sofort ein und beginnt mit einem Wärmegefühl der Beine oder des Gesäßes

Entlassung:

  • erst nachdem die motorische und sensorische Funktion vollständig zurückgekehrt ist
  • und auch keine wesentliche Hypotension durch Sympathikusblockade mehr zu erwarten ist (othostatischer Blutdrucktest → Blutdruck sollte nich mehr als 10% abfallen)

Komplikationen

Spinalanästhesie

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Frühkomplikationen:

  • abgebrochene Nadel
  • versehentliche intravasale Injektion
  • Blutdruckabfall (meist mit Bradykardie)
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Muskelnzittern
  • totale Spinalanästhesie → Cave: lebensbedrohlich

Spätkomplikationen:

  • Störungen der Blasenfunktion
  • postpunktionelle Kopfschmerzen
  • transient neurologic symptoms (TNS)
  • Rückenschmerzen
  • neurologische Komplikationen: Arachnoiditis, Myelitis, Epiduralabszess, Cauda-equina-Syndrom, aseptische Meningitis

Zusatzhinweise

Spinalanästhesie

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Kontraindikationen:

- absolute

  • Ablehnung durch den Patienten
  • Thromboembolieprophylaxe und Antikoagulation
  • Hypovolamie
  • Schock
  • Infektion im Bereich der Punktionsstelle
  • Sepsis
  • neurologische Erkrankungen (z.B. erhöhter Hirndruck)
  • kordiovaskuläre Erkrankungen (KHK, Myokardinfarkt < 6 Monaten, schwere angeborene Herzfehler, erworbene Herzklappenfehler, zerebrale Arteriosklerose, maligner Hypertonus, Hypotonie)

- relative

  • Multiple Sklerose
  • Kopfschmerzen
  • Deformitäten der Wirbelsäule
  • Z.n. Laminektomie
  • Rückenbeschwerden
  • Wirbelsäulenmetastasen
  • Pat. mit hohem Risiko

Literaturquellen

Spinalanästhesie

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Schäfer R, Eberhardt M (2005) - Klinikleitfaden, Anästhesie - Urban & Fischer, München

Larsen, R (2006) - Anästhesie - Urban & Fischer, München

  • (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  • (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  • (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  • (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  • (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

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