Spasmus hemifacialis

Synonyme: Hemispasmus facialis, Spasmus facialis

Definition

Spasmus hemifacialis

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Einseitige (Spasmus fazialis) oder beidseitige (Spasmus hemifazialis) Attacken von klonischen bwz. tonischen und synchronen Kontraktionen der mimischen Muskulatur im Versorgungsgebiet des N. facialis.


Ätiologie

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Die Ursachen des Spasmus hemifazialis sind:

  • vaskuläre Kompression ("vessel loop compression") in der Eintrittszone des N.facialis am Hirnstamm, am häufigsten durch A. cerebelli inferior posterior (40%) und A. cerebelli inferior anterior (20%)
  • Parotistumor
  • Prozesse im Kleinhirnbrückenwinkel (arteriovenöse Malformationen, Aneurysmen, Arachnoidalzysten, Akustikusneurinome, Lipome, Hirnstammgliome)
  • Angiome
  • Multiple Sklerose
  • langjährige Hypertonie gilt als Risikofaktor

Epidemiologie

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Zum Spasmus hemifazialis liegen derzeit folgende epidemiologische Daten vor:

  • Die Erkrankung ist selten
  • M:W = 1:2
  • Inzidenz: Männer: 7:100.000, Frauen: 14:100.000
  • Erkrankung tritt vorwiegend über dem 40. Lebensjahr auf. 

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Spasmus hemifazialis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Zucken im Gesicht?
  • Wie lange?
  • Betroffenes Areal?
  • Schmerzen?
  • Schmerzcharakter?
  • Schmerzdauer (kurz und wiederholend)?
  • Schmerzlokalisation?
  • Schmerzauslösung durch Kauen, Sprechen, langes Lesen, Kältereiz der Gesichtshaut, emotionaler Stress?
  • Übergriff von Unterlid auf anliegende Muskulatur und Platysma?
  • Verschlimmerung der Symtome mit der Zeit?
  • Verschlimmerung bei Anspannung?
  • Fazialisparese?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des Spasmus hemifazialis sind relevant:

  • Aufgrund des charakteristischen Erscheinungsbilds ist in der Regel eine rein klinische Diagnose möglich. Weitere Diagnostik ist jedoch zur Abklärung der Ursache nötig.
  • MRT
  • Elektromyogramm: "Burst"-Entladungen (Dauer 20-100ms) über den beiden Muskeln der betroffenen Seite
  • Sonographie der Parotisloge (Parotistumorausschluß)
  • MR-Angiographie in 3D-Gradienten-Echosequenz nach Gadolinium-Enhancement (Gefäße an der Eintrittszone des N.facialis können nachgewiesen werden)
  • Bei Verdacht auf MS kann eine Liquorpunktion indiziert sein

Klinik

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Spasmus hemifazialis kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Krämpfe der Gesichtsmuskulatur (u.U. schmerzhaft) im Versorgungsgebiet des N. facialis
  • häufig beginnend am Auge
  • in den meisten Fällen vergrößert sich das betroffene Areal im Lauf der Zeit bis nach Monaten oder Jahren das gesamte Versorgungsgebiet des N. facialis betroffen ist.
  • selten kann eine Fazialisparese auftreten
  • Häufig führt Stress oder Anspannung zu einer Verschlimmerung der Symptomatik

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Spasmus hemifazialis umfassen folgendes:

  • 1. Wahl: Botulinum A- Injektion in betroffene Muskeln (Wiederholung ca. alle 4-5 Monate)
  • Vaskuläre Dekompression (Operation nach Janetta), sofern eine Gefäßschlinge  (MR-)angiographisch nachgewiesen ist
  • Bei anderer Ursache: Therapie der Grunderkrankung (z.B. operative Entfernung eines Tumors)

Komplikationen

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Beim Spasmus hemifazialis kommen folgende Komplikationen vor:

  • Progress der Erkrankung auf mimische Muskulatur
  • Sozialer Rückzug der Betroffenen

Zusatzhinweise

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Zum Spasmus hemifazialis liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2002) Schwenzer N. Ehrenfeld M - Spezielle Chirurgie Band 2 - Thieme Verlag
  2. (2000) Schulze-Bonhage A, Ferbert A - Spasmus facialis: Aktuelle Aspekte der operativen und medikamentösen Therapie - Deutsches Ärzteblatt 97 (47)
  3. (2009) Karow T, Lang R - Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie - Karow Verlag
  4. (2005) Masuhr K F, Neumann M - Neurologie - Thieme Verlag
  5. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  6. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  7. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme Verlag
  8. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  9. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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