Skabies

Synonyme: Krätze, Scabies

Definition

Skabies

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Die Skabies ist eine ansteckende parasitäre Hautkrankheit ausgelöst durch die Milbe Sarcoptes scabiei variatio hominis des Menschen.


Ätiologie

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kabies wird durch Sarcoptes scabiei varietas hominis übertragen. Wichtige Infos zu den Milben sind:

  • Spinnentiere mit vier Beinpaaren
  • Weibchen: 0,3-0,4 mm
  • 8 Wochen aktiv
  • Die kleinen 0,2 mm großen männlichen Milben sterben nach Begattung auf der Hautoberfläche ab
  • Sechsbeinige Larven schlüpfen aus den Eiern, werden innerhalb von 2-3 Wochen zu achtbeinigen Nymphen und entwickeln sich dann zu geschlechtsreifen Milben
  • Die weiblichen befruchteten Milben legen 2 - 3 mal pro Tag Eier und Fäzes in zuvor feine tunnelförmig gegrabene Gänge in der Hornschicht der menschlichen Haut ab und lösen dadurch den Juckreiz aus
  • Die Übertragung geschieht durch direkten Hautkontakt oder auch kontaminierte (Bett)Wäsche

Risikofaktoren für die Übertragung der Skabies sind:

  • häufiger, langandauernder Körperkontakt
  • schlechte Hygiene
  • schlechter Immunstatus

Händeschütteln sowie gemeinsame Benutzung von Gegenständen reicht laut AWMF Leitlinien nicht zur Übertragung.


Epidemiologie

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Die Skabies tritt gehäufter auf in Gegenden mit:

  • hohem Bevölkerungsaufkommen,
  • niedriger Hygiene,
  • niedrigem sozialem und ökonomischem Status,
  • schlechter medizinischer Versorgung.

Deswegen schwankt die Prävalenz weltweit zwischen 1% und 33%


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Wichtige Informationen bei der Skabies sind:

  • Seit wann?
  • Umfeld mitbetroffen?
  • Überträger bekannt?
  • unstillbarer Juckreiz?
  • besonders abends und in Bettwärme?
  • Reiseanamnese?

Diagnostik

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Zur Diagnostik werden bei der Skabies folgende Methoden angewandt:

  • Erst nach 20 Tagen sind Milbengänge nachweisbar
  • Lupenuntersuchung
  • Eröffnung der Milbengänge mit einer feinen Kanüle
  • Abziehen der Milbe mit einem doppelseitig klebenden Zellophanstreifen
  • Direkter Nachweis mit Auflichtmikroskop 20-40facher Vergrößerung
  • Skybala (Kotballen)
  • Mituntersuchung der Mitglieder einer betroffenen Gruppe


Klinik

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Die Skabies präsentiert sich meist wie folgt:

  • Erste Symptome: nach 8-20 Tagen
  • unstillbarer Juckreiz
  • Nachts bei Bettwärme schlimmer

Besonders betroffen:

  • Interdigitalfalten
  • Beugeseiten der Ellenbogen
  • Achselhöhlen
  • Brustwarzenhof
  • Nabel
  • Genitalien
  • Perianalregion

Durch Kratzen:

  • Impetigo
  • Ekzem

Hautveränderungen und Juckreiz können auch nach erfolgreicher antiparasitärer Behandlung persistieren


Therapie

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Therapiemöglichkeiten bei Skabies:

Therapie der 1. Wahl

  • Permethrin 5% als Creme auftragen, nach 8-12 h abduschen. Bei fehlendem Therapieerfolg nach 14 d wiederholen. Meist ist ein Anwendungsfehler die Ursache.
  • Hand und Fußflachen ggf. nach einer Woche erneute Anwendung.
  • Stark verhornte Areale ggf vorher keratolytisch behandeln.

Therapien der 2. Wahl

  • Lindan (γ-Hexachlorcyclohexan) an 3 aufeinander folgenden Abenden auftragen, morgens abduschen oder abwaschen. Keine Seifen oder Syndets verwenden, um die Resorption nicht zu fördern. 
  • Benzylbenzoat an 3 aufeinander folgenden Abenden auftragen, dann abwaschen. 
  • Crotamiton an 3 bis 5 aufeinander folgenden Abenden auftragen, dann abwaschen
  • postskabiösen Ekzem: topische Antihistaminika, steroidhaltige Cremes


Reinfektionsprophylaxe:

  • Waschen der Bett- und Leibwäsche, mind. 60 °C
  • getragene Oberbekleidung für 4 Tage nicht benutzen
  • rückfettende Bäder
  • Behandlung aller Kontaktpersonen
  • Desinfektion der Betten in Gemeinschaftseinrichtungen

Komplikationen

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Die Skabies kann zu folgenden Komplikationen führen:

  • bakterielle Superinfektion
  • Streptokokken induzierte Glomerulonephritis

Bei Immunsupprimierten kann die Extremvariante, die Scabies norvegica sive crustosa auftreten.


Zusatzhinweise

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Wichtige Zusatzinformationen zu Skabies:

  • Infektionen mit Thrombiculidae = pruriginöse Dermatitis
  • Nur durch Nachweis der Milbe ist die Diagnose absolut gesichert

Literaturquellen

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  1. AWMF-Leitlinie, Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), Skabies
  2. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  3. (2005) Sterry W, Paus R - Checkliste Dermatologie - Thieme Verlag, Stuttgart
  4. (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer
  5. (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  6. (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  7. (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer
  8. (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe

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