Sinusvenenthrombose

Synonyme: Sinusthrombose, Hirnvenenthrombose

Definition

Sinusvenenthrombose

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Thrombose eines venösen Hirnsinus oder einer Hirnvene


Ätiologie

Sinusvenenthrombose

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  • septisch: lokale und systemische Infektionen (Meningitis, Mastoiditis, Otitis media u.v.m.), Immunsuppression prädisponiert
  • aseptisch:
  1. Gerinnungsstörungen: AT-III-Mangel, APC-Resistenz, Protein C-/S-Mangel, DIC, Antiphospholipid-AK-Syndrom
  2. Schwangerschaft/postpartal
  3. hämatologische Erkrankungen: Sichelzellanämie, Polyzthämia vera, ALL/AML
  4. Vaskulitiden: M. Behçet, Panarteriitis nodosa
  5. posttraumatisch: nach SHT
  6. medikamentös: Kortikosteroide, hormonelle Kontrazeptiva
  7. Dehydratation
  8. Tumore und Malignome

Epidemiologie

Sinusvenenthrombose

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  • 1-5% aller Schlaganfälle werden durch venöse Thrombosen verursacht
  • postpartal: 1/10.000 Wöchnerinnen
  • meist vor dem 40. Lebensjahr
  • Letalität: blande Thrombose <5%, septische Thrombosen bis zu 80%

Differentialdiagnosen

Sinusvenenthrombose

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Anamnese

Sinusvenenthrombose

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  • wann Eintritt der Beschwerden?
  • Schmerzcharakter?
  • vorausgegangenes Trauma?
  • Fieber oder Entzündungszeichen?
  • neurologische Ausfälle (Paresen, Gesichtsfeldausfälle, Vigilanzminderung)?
  • Medikamentenanamnese 
  • bekanntes Tumorleiden?
  • prädisponierende Vorerkrankungen (siehe Ätiol.)?

Diagnostik

Sinusvenenthrombose

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  • neurologische Untersuchung: Funduskopie
  • cCT/CT-Angiographie: Blutungsnachweis
  • cMRT/MR-Angiographie: Abschätzung des Thrombusalters möglich
  • konventionelle Angiographie: Goldstandard
  • Lumbalpunktion: evtl. xanthochromer Liquor, Erregernachweis bei V.a. septische Thrombose
  • Labor: D-Dimere, BSG, Leukozyten, Gerinnungsfaktoren, Thrombophilie-Screening
  • EEG

Klinik

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Allgemeine Zeichen:

  • initiale Kopfschmerzen (80-90%)
  • fokal neurologische Zeichen
  • epileptische Anfälle (60-70%)
  • neuropsychologische Symptome, Vigilanzminderung
  • Stauungspapille mit Zentralskotom
  • Hirndruckzeichen (Übelkeit, Erbrechen, Singultus)
  • subfebrile bis febrile Temperaturen

Spezielle Klinik (nach Lokalisation):

  • spastische Hemi-/Tetraparese (mittlerer Sinus sag. sup.)
  • Gesichtsfeldausfälle, Vigilanzminderung (posteriorer Sinus sag. sup.)
  • Protrusio bulbi, Lidödem, Fissura orbitalis sup.-Syndrom (Ausfall HN III,IV,VI und V1sowie V2; Sin. cavernosus)
  • retroaurikuläre Schmerzen (Sin. transversus)
  • Foramen-jugulare-Syndrom (Ausfall HN IX,X,XI; V. jugularis int.)
  • (Hemi-)Ballismus, Hemiparese (V. magna cerebri)

Therapie

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  • therapeutische Heparinisierung i.v. (1,5-2 fache PTT)
  • Umstellung auf Cumarin-Präparete nach 2-3 Wochen für 6 Monate, bei nachgewiesener Gerinnungsstörung lebenslang
  • septische Thrombosen: Antibiose nach Antibiogramm, sonst: 3.-Gen.-Cephalosporin+Flucloxacillin+evtl. Aminoglykosid; Antikoagulation umstritten
  • Hirndrucksenkung und -überwachung:
  1. 30°-Oberkörperhochlagerung
  2. hyperosmolare Lösungen (z.B. Mannitol)
  3. evtl. Liquorableitung
  4. Hydrierung unter Hirndruck-/RR-Kontrolle
  5. evtl. milde Hyperventilation
  • operative Dekompression bei unzureichendem Erfolg konservativer Maßnahmen
  • symptomatische Therapie von Anfällen
  • Therapie einer zugrundeliegenden Erkrankung

Komplikationen

Sinusvenenthrombose

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  • hämorraghische Infarzierung von Hirnarealen
  • Hirndruckanstieg mit Einklemmungsgefahr
  • durch Therapie: Heparin-induzierte-Thrombopenie (HIT I/II)

Zusatzhinweise

Sinusvenenthrombose

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  • Stauungsblutung bei Sinusvenenthrombose: Diapedeseblutung ohne Gefäßruptur;daher ist eine Heparintherapie auch bei nachgewiesener Blutung nicht kontraindiziert, sondern Mittel der Wahl

Literaturquellen

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1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart


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