Septischer Schock

Synonyme: Schock durch generalisierte Entzündungsreaktion

Definition

Septischer Schock

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Beim septischen Schock kommt es durch eine inflammatorische Reaktion des Organismus auf das Eindringen von Bakterien, Viren, Pilzen, Endotoxinen oder Exotoxinen zu einem lebensbedrohlichen Multiorganversagen mit Störungen der Mikrozirkulation, der Sauerstoffversorgung des Gewebes und des Stoffwechsels. Trotz Volumen-substitution bleibt der altersabhängige systolische Blutdruck erniedrigt.


Ätiologie

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Die Ursachen des septischen Schocks sind:

  • Bakterien (häufig B-Streptokokken), Pilze, Viren, Protozoen
  • Endotoxine, Antigene oder Exotoxine
  • Nach Operationen, Knochenmarks-transplantationen, Chemotherapie
  • nosokomiale Infektionen (durch z.B. Intensivstationen, ZVK, Blasenkatheter)
  • schwere Grunderkrankungen
  • Polytrauma
  • Verbrennungen
  • Peritonitis, schwere Pneumonie
  • nach Splenektomie (OPSI-Syndrom)

Epidemiologie

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150.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einer Sepsis [5]. Diese Zahlen beziehen sich auf Erwachsene. Bei Kindern gibt es keine ausreichende Datenlage.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Da der septische Schock eine Notfallsituation darstellt, ist eine Anamneseerhebung meist nicht möglich, fremdanamnestisch wichtig sind:

  • Fieber?
  • Schüttelfrost?
  • reduziertes Allgemeinbefinden?
  • Beeinträchtigung des Bewusstseins?
  • Z.n. nach Operation?
  • Z.n. nach Knochenmarktransplantation?
  • Z.n. Chemotherapie?
  • Aufenthalt auf Intensivstation?
  • Zurückliegende Infekte?
  • Immunsuppressive Therapie?
  • Vorerkrankungen?
  • Medikamenteneinnahme?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des septischen Schocks sind relevant:

  • körperliche Untersuchung mit evtl. Fokussuche
  • wiederholte Blutkulturen aerob und anaerob noch vor Antibiotikatherapie
  • Messung von Blutdruck und Puls, evtl. intraarterielle RR-Messung, Pulsoxymetrie
  • Messung der Körpertemperatur
  • Labor (BB, Diff.BB: Leukozytose (>12.000) oder Leukopenie (< 4000), Linksverschiebung, >10% unreife Neutrophile, evtl. Thrombozytopenie, CRP↑, Kreatinin und Harnstoff evtl.↑, Elektrolyte, GOT,GPT,GGT, BZ, Gerinnung)
  • Procalcitonin als Frühmarker der Sepsis
  • Urinstatus mit Urinkultur
  • evtl. Trachealsekret
  • evtl. Rachenabstrich, Abszeßpunktion
  • evtl. Liquorpunktion (bei V.a. Meningitis)
  • Blutgasanalyse 
  • EKG
  • Echokardiographie
  • Röntgen-Thorax

Klinik

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Der septische Schock kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Körpertemperatur >38°C oder < 36°C
  • Schüttelfrost
  • Tachypnoe
  • Tachykardie, Bradykardie
  • Unruhe, Angst
  • Verwirrtheit, Benommenheit
  • Oligurie
  • septische Hautpusteln
  • Hautblutungen bei Meningokokkensepsis

Therapie

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Folgende Therapiemaßnahmen kommen beim septischen Schock zum Einsatz:

  • Fokus suchen und ggf. (chirurgisch) sanieren
  • Antibiotika-Therapie schon vor Erreger-Nachweis beginnen!
  • Breitbandantibiotika- Kombinationen bei unbekanntem Erreger i.v. (vorher mehrere Blutkulturen abnehmen), danach ggf. Antibiose nach Antibiogramm mit Resistenzprüfung
  • Volumensubstitution, Ziel-ZVD: 8-12 mm Hg
  • O2-Applikation,  ggf Intubation und Beatmung
  • BZ engmaschig kontrollieren
  • Volumenzufuhr mit NaCl o,9% oder Ringerlösung 20 ml/kg KG
  • Katecholamine (Dopamin, Dobutamin, Noradrenalin) iv. zur Kreislaufstabilisierung
  • Hydrokortison bei NNR-Insuffizienz (erhöht auch die Ansprechbarkeit des Organismus auf Katecholamine)
  • niedrig dosiertes Heparin zur Vermeidung einer DIC
  • Korrektur einer metabolischen Azidose mit Natriumbikarbonat
  • ggf. Erythrozytenkonzentrate
  • evtl. Nierenersatzverfahren

Komplikationen

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Komplikationen des septischen Schocks sind:

  • metabolische Azidose
  • Thrombozytopenie
  • disseminierte intravasale Gerinnung / DIC
  • Schockniere
  • Schocklunge
  • Stressulzera
  • Bewußtseinstrübungen, Enzephalopathie
  • Multiorganversagen
  • Tod

Zusatzhinweise

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Die verschiedenen Schweregrade der Sepsis sind:

  • Bakteriämie: Nachweis von Bakterien in der Blutkultur
  • Systemic inflammatory response syndrom (SIRS): generalisierte Entzündungsreaktion durch unterschiedliche Ursachen (z.B. Infektion, Verbrennung)
  • Sepsis: SIRS durch eine Infektion mit Organschäden
  • fulminante septische Verlaufsformen, z:B. toxic shock syndrome, Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, Meningokokkensepsis
  • Septischer Schock

Bewertung der Vitalparameter bei Kindern (AF/min, HF/min, RR/mm Hg)

                    AF     HF        RR

Säugling        40    160       96/60

Kleinkind       30     150      98/64

Schulkind      24      110     106/68

Jugendlicher  20      100     114/74


Literaturquellen

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  1. (2010) AWMF-Leitlinie 079/001: Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis
  2. (2007) Mayatepek E. - Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  3. (2007) Fuchs, Rothe, Wintergerst, Kieslich, Ruß- Arneimittel Pädiatrie pocket - Börm Bruckmeier Verlag
  4. (2006) Friedrich Carl Sitzmann - Duale Reihe - Pädiatrie - Taschenbuch-Georg Thieme Verlag
  5. (2008) Kiess, Merkenschlager, Pfäffle, Siekmeyer -Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier, Urban &Fischer Verlag
  6. (2006) Brunkhorst, FM: Epidemiologie, Öko-nomie und Praxis - Ergebnisse der deutschen Prävalenzstudie des Kompetenznetzwerkes Sepsis. Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie (AINS) 41:43-44
  7. (2002) Franz-Josef Kretz, Th. Beushausen: Das Kinder-Notfall-Intensiv-Buch: lebensrettendes Know-How. S. 220-221;2. Auflage; Urban & Fischer verlag, München

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