Septisch-embolische Herdenzephalitis

Definition

Septisch-embolische Herdenzephalitis

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Die septisch-embolische Herdenzephalitis entsteht zumeist auf dem Boden einer bakteriellen Infektion, sehr oft als Folge einer Endokarditis. Hinzu kommt eine Verschleppung von Thromben, die zu einem ischämischen Schlaganfall einzelner Hirnareale führen. In diesen schlecht durchbluteten Gebieten sammeln sich die Erreger und können zu lebensbedrohlichen Entzündungen führen.


Ätiologie

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Die Ursachen der septisch-embolischen Herdenzephalitis sind:

  • Die Erkrankung entsteht in der Regel aus einer bakteriellen Endokarditis
  • Sehr selten sind andere Erreger (z.B. Pilze) ursächlich beteiligt
  • Es kommt zu einer Verschleppung infizierter Thromben, die über den Blutstrom in das ZNS gelangen. Hier kommt es durch die Verlegung von Gefäßen zu einer Ischämie mit nachfolgender Ausbreitung der Erreger und Infizierung umliegender Hirnstrukturen

Epidemiologie

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Zur septisch-embolischen Herdenzephalitis liegen nur wenige epidemiologische Daten vor:

  • Bei circa 10-50% aller Patienten mit bakterieller Endokarditis kommt es zu mehr oder weniger ausgeprägten ZNS-Komplikationen
  • Die Mortalität beträgt bei frühzeitiger Behandlung 5-20%

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der septisch-embolischen Herdenzephalitis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Liegt eine bakterielle Infektion vor (insbesondere eine Entzündung des Herzens)?
  • Plötzlich auftretende neurologische Ausfälle?
  • Sehstörungen?
  • Bewegungseinschränkungen?
  • Missempfindungen?
  • Lähmungen?
  • Kopfschmerzen?
  • Allgemeine Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit, Schwäche?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der septisch-embolischen Herdenzephalitis sind relevant:

  • CCT/MRT zur Identifikation und Lokalisation des Herds
  • Lumbalpunktion
  • Identifikation des Erregers anhand von Proben aus Liquor, Blutkulturen oder aus Gewebeproben nach chirurgischer Entnahme
  • Labor: CRP, BSG erhöht. Häufig Anämie
  • Antibiogramm
  • Bei Verdacht auf Endokarditis: EKG, Echokardiografie

Klinik

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Die septisch-embolische Herdenzephalitis kann eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Plötzlicher Beginn mit neurologischen Ausfallerscheinungen (Symptombild wie beim Schlaganfall)
  • Vorausgehend findet sich eine bakterielle Infektion (häufig eine Endokarditis). Selten auch eine Infektion mit anderen Erregern.
  • Sehstörung (z.B. Gesichtsfeldausfall, Erblindung, Doppelbilder)
  • Neglect
  • Schwindel, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
  • Taubheit
  • Lähmungen von Armen, Beinen, Gesicht oder ganzer Körperpartien
  • Verwirrung, Verständnis- und Orientierungsstörungen
  • Kopfschmerz
  • Allgemeinsymptome: Fieber, Schwäche, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Bei Endokarditis: Herzgeräusche, Herzinsuffizienzzeichen, Petechien, Osler-Knötchen, Milzvergrößerung, Mikrohämaturie, Proteinurie, Anämie

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei septisch-embolischer Herdenzephalitis umfassen folgendes:

Je nach Lage des Herds kann eine chirurgische Intervention mit Entfernung des entzündeten Areals und des Ödems erwogen werden. Bei gut zugänglichen Herden ist dies die Therapie der Wahl.

Antibiotika

Zur Bestimmung des Erregers sollte in jedem Fall ein Antibiogramm durchgeführt werden. Zu Beginn wird eine Therapie mit Breitspektrum-Antibiotika in maximaler Dosierung empfohlen. Sobald das Ergebnis das Antibiogramms vorliegt, wird zu einem spezifischen Antibiotikum gewechselt.

Breitband-Antibiotika-Therapie:

Spezifische Antibiotika-Therapie:


Komplikationen

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Zu den Komplikationen der septisch-embolischen Herdenzephalitis liegen folgede Daten vor:

  • Ohne Behandlung führt die Erkrankung fast immer zum Tod
  • Es kann zu weiteren Schlaganfällen und Entzündungsherden kommen
  • Dauerhafte neurologische Defizite
  • Erhöhung des Hirndrucks
  • Hämmorhagie
  • Vaskulitis

Zusatzhinweise

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Es liegen derzeit keine Zusatzhinweise zur septisch-embolischen Herdenzephalitis vor.


Literaturquellen

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  1. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer Verlag
  2. (2007) Masuhr K F, Neumann M - Neurologie, 6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  3. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme Verlag
  4. (2007) Bitsch A - Neurologie to go - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
  5. (2006) Poeck K, Hacke W, - Neurologie - Springer Verlag
  6. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  7. (2006) Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie - Nicht-titrige Infektionen von Gehirn und Rückenmark: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/022-004.htm>
  8. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie - Hirnabszess: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-108.htm>
  9. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie - Bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-089.htm>
  10. (2008) Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie - Atypische erregerbedingte Meningoenzephalitiden: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-061.htm>

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