Septische Thrombose des Sinus transversus

Synonyme: Sinusthrombose

Definition

Septische Thrombose des Sinus transversus

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Die septische Thromose des Sinus transversus ist ein thrombotischer Verschluss des venösen Sinus-transversus mit potentieller Stauungsblutung ins Hirnparenchym infolge einer lokalen bzw. systemischen Infektion.


Ätiologie

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Die Ursachen der septischen Thromose des Sinus transversus sind:

  • Lokale HNO-Infektionen (NNH, Mastoid, odontogen)
  • Lokale, intrakraniale Abszesse oder Empyeme
  • Meningitis
  • Sepsis
  • posttraumatisch
  • postoperativ

Pathophysiologie:

  • lokale Ausbreitung per continuitatem
  • hämatogene Ausbreitung von dentalen oder pulmonalen Herden

Epidemiologie

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Die septische Thromose des Sinus transversus ist selten.

  • pro Jahr etwa 5–10 Neuerkrankungen/1.000.000
  • etwa 2-4% aller Schlaganfälle auf dem Boden einer Sinusvenenthrombose
  • Frauen 1,5 x häufiger betroffen als Männer
  • mittleres Erkrankungsalter: 40. Lebensjahr
  • septische Thrombosen wesentliche seltener als aseptische

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der septischen Thromose des Sinus transversus sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Kopfschmerzen?
  • Sehstörungen?
  • epileptische Anfälle?
  • psychomotorische Veränderungen?
  • bekannte Schwangerschaft?
  • Schwangerschaftsverlauf?
  • Z.n. Meningitis/Enzephalitis/Sinusitis/Mastoiditis/Zahnabzessen/Schädel-Hirn-Trauma?
  • bekannte (hämatologische/rheumatologische) Vorerkrankungen?
  • Medikamentenanamnese

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der septischen Thromose des Sinus transversus sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Vigilanzniveau, Prüfung von Motorik, Kraft, Koordination, Reflexe, Sensorik, HN-Untersuchung (v.a. Pupillo- und Okulomotorik, Funduskopie)
  • bildgebende Verfahren: cCT nativ und mit KM + Darstellung der NNH, evtl. "Delta-sign" im KM-verstärkten CT = KM-freies Dreieck nahe des Konfluens sinuum; CTA (Ausnahme: nicht bei Schwangeren); cMRT und MR-A Mittel der Wahl; evtl. DSA mit fehlender Füllung und korkenzieherartigen Umgehungskreisläufen
  • EEG: evtl. Verlangsamung und fokal epilepsietypische Potentiale
  • Liquorpunktion: entzündliche Veränderungen bei septischer Thrombose
  • Labor:  Gerinnungsparameter (PTT, Quick, Thombinzeit, Fibrinogen, Thrombozyten, Faktor-
    V-Leiden-Mutation, Anti-Phospholipid-Antikörper, Prothrombinmutation G 20210A, Antithrombin 3, Protein C und S, Faktor VIII); bei V.a. Vaskulitis: Antikörperdiagnostik (ANA, ds-DNA, Lupusantikoagulanz, zirkulierende Immunkomplexe, p- und c-ANCA, Kryoglobuline, Komplement C 3 und 4, SSA und SSB), Entzündungsparameter, evtl. Blutkultur

Klinik

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Die septische Thromose des Sinus transversus kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Kopfschmerzen
  • epileptische Anfälle
  • neurologische Herdsymptome:
    • Mono-/Hemiparesen
    • Hemihypästhesie
    • Aphasie
    • Apraxie
    • Hemianopsie
    • Ataxie
  • Antriebsmangel
  • Wesensänderung
  • Verwirrtheit
  • Abduzensparese
  • Sehstörungen (Stauungspapille)
  • Nackensteife
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
  • Hirnstamm- und Kleinhirnsymptome im Vordergrund (Ataxie, Dysmetrie, Nystagmus, Schwindel, Hirnnervenparesen)

NB: häufig schleichender Beginn mit allmählicher Zunahme der Symptome


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der septischen Thromose des Sinus transversus umfassen folgendes:

Konservative Therapie:

  • septische SVT: empirische Antibiotika-Kombinationstherapie mit 3. Generations-Cephalopsporin und Staphylokokken-Penicillin + Antikoagulation:
    • Bolus von 5000–7500 IE Heparin, gefolgt von 24.000 IE über 24 h, dann nach PTT (Ziel: 60-80s für 10-14 Tage)
    • anschliessend orale Antikoagulation (evtl. lebenslang bei Gerinnungsstörungen)
    • bei milden Verlaufsformen: niedermolekulare Heparine
    • Thrombolyse: bisher nicht etabliert; mögliche Indikationen: Thromboserezidive,
      sehr ausgedehnte Pansinusthrombosen, Thrombosen der inneren Hirnvenen

Operative Therapieoptionen:

  • operative Desobliteration des Sinus sagittalis superior in Einzelfällen
  • transvenöse Katheterisierung des Sinus transversus und des Sinus sagittalis anterior mit lokaler Thrombolyse
  • bilaterale Dekompressionsoperation bei ausgedehnter bilateraler Schwellung

Komplikationen

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Bei der septischen Thromose des Sinus transversus kommen folgende Komplikationen vor:

  • Stauungsblutung
  • Hirnödem mit Einklemmung
  • Sepsis

Zusatzhinweise

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  • Stauungsblutung: keine Gefäßruptur, sondern vielmehr Diapedeseblutungen bei geschädigter Sinuswand
  • Mortalität: 10%
  • Prognose: wesentlich besser als bei arteriellen Ischämien

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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