Sekundäre Varikose

Synonyme: Varikosis, Varizen, Krampfadern

Definition

Sekundäre Varikose

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Bei der sekundären Varikose handelt es sich um eine erworbene Erkrankung der Venen mit Ausbildung von Varizen (Varix = lat. Knoten).

WHO: sackförmig oder zylindrisch erweiterte, oberflächliche (epifasziale) Venen, wobei die Venenerweiterung umschrieben oder streckenförmig sein kann und zumeist mit einer Schlängelung und Knäuelbildung einhergeht.


Ätiologie

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Je nach ihrer Ätiologie unterscheidet man eine

  • primäre (hereditäre, idiopathische) von einer
  • sekundären Varikose: erworben, Folge einer Phlebothrombose oder im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms.

Risikofaktoren, die das Auftreten einer Varikose begünstigen, sind:

  • positive Familienanamnese
  • Alter
  • weibliches Geschlecht
  • Adipositas
  • Schwangerschaft
  • stehende und/oder sitzende Tätigkeit.

Pathogenese:

  • Wandüberdehnung der Vene
  • Insuffizienz der Venenklappen
  • Strömungsumkehr in den betroffenen Venen
  • Progredienz der Varikose.

Epidemiologie

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  • Die sekundäre Varikose tritt bei ca. 5% der Patienten auf (primäre Varikose: 95%).
  • Frauen sind von der Erkrankung häufiger betroffen (w:m = 3:1).
  • Die Prävalenz der Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter.

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der sekundären Varikose sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Wann ist die Erkrankung erschienen?
  • Provokationsfaktoren? Wärme?
  • Beruf des Patienten? Stehende und/oder sitzende Tätigkeit?
  • Beschwerden: Schmerzhaftigkeit? Spannungsgefühl? Schweregefühl? Juckreiz? Knöchelschwellung? 
  • Lokalisation? Verlauf?
  • Schwangerschaft?
  • Bekannte Grunderkrankungen?
  • positive Familienanamnese?
  • Allergien? 
  • Medikamenteneinnahme? Einnahme von Hormonpräparaten?
  • Bisherige therapeutische Maßnahmen? Mit welchem Erfolg?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der sekundären Varikose sind relevant:

Anamnese

körperliche Untersuchung [2]:

  • Inspektion
  • Palpation: Umfangsdifferenz, Überwärmung; erweiterte Venen lassen sich ausstreichen, wenn keine postphlebitischen Veränderungen bestehen.
  • Blow-out-Phänomen: wegdrückbare Vorstülpung der Haut über insuffizienten Perforansvenen.
  • Faszienlücke unter insuffizienten Perforansvenen tastbar.

Venenfunktionstests:

  • Trendelenburg-Test: zum Nachweis insuffizienter Venenklappen.
  • Perthes-Test: Überprüfung der Durchgängigkeit der tiefen Venen.
  • Schwartz-Test: Beurteilung der Krosseninsuffizienz, Bestimmung der  Refluxlänge.
  • Platt-Test: Beurteilung der Perforanteninsuffizienz.
  • Linton-Test: Überprüfung der Durchgängigkeit der tiefen Venen.

Ultraschalluntersuchung:

  • Man kann beurteilen, ob die  tiefen Venen durchgängig sind oder ob die Venenklappen der Stammvenen (in)suffizient.

Doppler-Duplexuntersuchung

Valsalva-Pressversuch:

  • Bestimmung des distalen Insuffizienzpunktes zur Stadieneinteilung (Punkt, an dem die Klappen der erkrankten Stammvenen wieder schließen, Drainage in tiefes Venensystem kann erfolgen).

Phlebographie:

  • zum Ausschluss einer Venenthrombose.
  • Mit diesem Verfahren kann man feststellen, ob die tiefen Beinvenen durchgängig sind (Vorraussetzung vor einem operativen Eingriff).

Photoplethysmographie/Lichtreflexrheographie:

  • nicht-invasive Beurteilung der Klappenfunktion sowohl der tiefen als auch der oberflächlichen Venen.

Venenverschlussplethysmographie:

  • gezielte Kompression der Venen und Arterien;
  • somit kann man die Blutflüsse berechnen und beurteilen ob die untersuchte Körperpatie gut durchblutet ist oder nicht. 

Klinik

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Die sekundäre Varikose wird durch folgende klinische Merkmale gekennzeichnet:

Je nach ihrer Lokalisation unterscheidet man verschiedene Varizentypen:

  • epifasziale Varizen: Stammvenenvarizen (Vena saphena magna (am häufigsten betroffen bei der primären Varikose), Vena saphena parva), Seitenastvarizen, Perforansvarizen.
  • kutane Varizen: retikuläre Varizen (netzartige Erweiterung subkutaner Venen; Lokalisation: vor allem in der Kniekehle und an der Außenseite der Beine), Besenreiservarizen (intradermale Venenerweiterungen; Lokalisation: bevorzugt die Rückseite des Oberschenkels betroffen).

Begleitsymptomatik:

  • Schwere-, Spannungsgefühl in den Beinen (Besserung durch Bewegung)
  • Juckreiz, Druckgefühl
  • Schmerzhaftigkeit an der betroffenen Stelle
  • Knöchelschwellung
  • Verschlechterung der Symptomatik bei Wärme.
  • Die Erkrankung kann aber auch beschwerdefrei verlaufen.

Klinische Stadieneinteilung der Varikose nach Marshall [2]:

  • Stadium I: keine Beschwerden, kosmetisch störender Befund.
  • Stadium II: Stauungsgefühl, nächtliche Krämpfe, Parästhesien.
  • Stadium III: Ödem, Hautinduration, Pigmentierung, abgeheiltes Ulcus cruris.
  • Stadium IV: Bildung vom Ulcus cruris venosum.

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei sekundärer Varikose umfassen folgendes:

Ziel: Verbesserung der ambulatorischen venösen Hypertonie.

Konservative Therapie (Therapie der Wahl bei der sekundären Varikose):

  • Behandlung der Grunderkrankung.
  • Beseitigung der krankheitsunterhaltenden Faktoren.
  • vermehrte körperliche Aktivität: Gehen, Laufen.
  • Hochlagerung der Beine.
  • Kompressionsbehandlung: Strümpfe, elastische Verbände.
  • physikalische Therapie mit Kaltwassergüssen.

Operative Maßnahmen (Verbesserung der Hämodynamik):

  • wichtige Vorraussetzung vor der operativen Beseitigung insuffizienter epi- und transfaszialer Venenabschnitte: gute Durchgängigkeit der tiefen Beinvenen.
  • Crossektomie: Unterbindung aller Venenäste am Venenstern.
  • Venenstripping nach Babcock.
  • Ligatur von einzelnen insuffizienten Perforansvenen führt oft zu Verbesserung der Hämodynamik.
  • Sklerosierung von periulzerösen Venen.

Transkutane Lasertherapie:

  • ambulante Durchführung möglich
  • meist handelt es sich um eine lindernde Behandlung (keine Heilung der Grunderkrankung).

Komplikationen

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Bei der sekundären Varikose können folgende Komplikationen vorkommen:

  • Thrombose, Lungenembolie.
  • Neigung zu Wadenkrämpfen.
  • Ruptur der Venenwand durch Bagatelltraumen, Varizenblutung.
  • Ulcus cruris venosum.
  • Chronisch venöse Insuffizienz.

Zusatzhinweise

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Zur sekundären Varikose liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2010) Thomas Noppeney, Helmut Nüllen - Varikose: Diagnostik- Therapie- Begutachtung - Springer Verlag
  2. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold Verlag, Köln
  3. (2005) Heiner Greten - Innere Medizin - Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  4. (1999) Alexander K - Thiemes Innere Medizin - Thieme Verlag
  5. (2007) AWMF-Leitlinie - Sklerosierungsbehandlung der Varikose - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie
  6. (2009) AWMF-Leitlinie - Phlebologischer Kompressionsverband (PKV) - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie
  7. (2008) Hans Dörfler, W. Eisenmenger, H. Lippert, U. Wandl, Dieter Lippert - Medizinische Gutachten - Springer Verlag
  8. (1999) Dwerryhouse S - Stripping the long saphenous vein reduces the rate of reoperation for recurrent varicose veins: five-year results of a randomized trial
  9. (2003) P. Altmeyer, Th.Dirschka, R. Hartwig - Klinikleitfaden Dermatologie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2. Auflage
  10. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg, 5. Auflage
  11. (2002) Constantin E. Orfanos, Claus Garbe - Therapie der Hautkrankheiten - Springer Verlag, 2. Auflage
  12. (2005) Peter Altmeyer - Therapielexikon Dermatologie und Allergologie - Springer Verlag, 2. Auflage

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