Schulterdystokie

Definition

Schulterdystokie

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Die Schulterdystokie [1,3]

  • Ist ein geburtshilflicher Notfall
  • der natürliche Ablauf der Geburt ist gestört, verlängert
  • Ist eine Regelwidrige Einstellung der kindlichen Schultern nach der Geburt des Kopfes
  • Hoher Schultergeradstand: Schultern im Beckeneingang längs; vordere Schulter bleibt hängen
  • Tiefer Schulterquerstand: Schultern stehen beide quer im Beckenboden
  • Vorkommen: meist makrosome (über 4000 g geschätztes Geburtsgewicht) Kinder

Ätiologie

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Risikofaktoren für eine Schulterdystokie [1][4]

Antepartual (vor der Geburt)

  • Schulterdystokie bei vorangegangener Geburt
  • Makrosomie des Kindes (> 4000 g) bei Diabetes mellitus der Mutter
  • Fettleibigkeit der Mutter
  • Massive Gewichtszunahme der Mutter während der Schwangerschaft
  • Mehrgebärende

Subpartual (unter der Geburt)

  • Verlängerte Austreibungsphase
  • Vaginal-operative Entbindungen (z.B.Vakuumextraktion)

Epidemiologie

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Epidemiologie Schulterdystokie [1][3]

  • Mittlere angenommene Inzidenz ca. 0,5%
  • Über 50% der Schulterdystokien treten bei einem Geburtsgewicht < 4000 g auf
  • Geburtsgewicht 4000 g  Inzidenz ca. 2 %
  • Geburtsgewicht 4500 g Inzidenz ca. 10 %
  • Geburtsgewicht 5000 g Inzidenz ca. 40 %
  • Wiederholungsrisiko nach vorausgegangener Schulterdystokie ca. 13,8%
  • Plexuslähmungen in ca. 13% der Fälle
  • Skelettverlezungen, z.B. Humerus- und Klavikulafrakturen, in ca. 5-7% der Fälle
  • Mortalität des Kindes: 2-16 %

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Die Schulterdystokie stellt einen gynäkologischen Notfall dar.

Deshalb ist es in der Situation zu spät für eine Anamnese und die folgenden Punkte sollten vor Geburtsbeginn geklärt werden, um die Gefahr einer Schulterdystokie zu verringern.

Spezielle Anamnese zur Geburtsvorbereitung und - Planung

  • Welche Schwangerschaftswoche (SSW)?
  • Wie verlief die bisherige Schwangerschaft?
  • Welche Komplikationen gab es?
  • Gibt es bekannte Vorerkrankungen, die erst während der Schwangerschaft entstanden sind (z.B. Hypertonus, Diabetes)?
  • Wenn ein Diabetes mellitus festgestellt wurde: wurde er behandelt, hat sich die Mutter entsprechend ernährt?
  • Ist dies die erste Schwangerschaft?
  • Gab es Komplikationen in vorhergehenden Schwangerschaften?
  • Welche waren das?
  • Wie verliefen evtl. vorangehende Geburten?
  • In welcher Schwangerschaftswoche wurde bei vorherigen Geburten entbunden?
  • Mußte ein „Kaiserschnitt“ (Sectio caesarea) durchgeführt werden?
  • War dieser geplant oder musste er notfallmäßig durchgeführt werden?
  • Gab es hinterher Komplikationen bei Mutter oder Kind?
  • Gab es irgendwelche Komplikationen bei der Narkose /Betäubung?
  • Wann und von wem wurde die aktuelle Einschätzung zur Geburt gestellt (Mutterpaß!)?
  • Wann und wie wurde zuletzt das Geburtsgewicht des Kindes gemessen (Mutterpaß)?

Diagnostik

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  • Die Diagnose Schulterdystokie kann erst unter der Geburt gestellt werden.

    Turtle- Phänomen [1]:

    • Geborener Kopf des Kindes weicht in Vulva- Dammbereich zurück
    • Anteriore Schulter kann nicht entwickelt werden

    Hoher Schultergeradstand [3]:

    • Vulva umschließt kindlichen Kopf halskrausenartig

    Tiefer Schulterquerstand [3]:

    • Kopf geboren
    • Schultern stehen erkennbar quer

Klinik

Schulterdystokie

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Schulterdystokie unter der Geburt erkennen:

Turtle- Phänomen [1]:

  • Geborener Kopf des Kindes weicht in Vulva- Dammbereich zurück
  • Anteriore Schulter kann nicht entwickelt werden

Hoher Schultergeradstand [3]:

  • Vulva umschließt kindlichen Kopf halskrausenartig

Tiefer Schulterquerstand [3]:

  • Kopf geboren
  • Schultern stehen erkennbar quer

Therapie

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Vorgehen bei Schulterdystokie [1,4,2,5]

Hoher Schultergeradstand

  • Facharzt, Anästhesist, erfahrene Hebamme informieren!
  • Abstellen einer evtl. laufenden Oxytocin- Infusion
  • Wehenhemmung z.B. mit Fenoterol 25 µg in z.B. 4ml 5%-ige Glucose aufziehen (1ml der Lösung enthält dann 5 µg Fenoterol); Verabreichen über 2-3 Min.; kann wiederholt werden
  • McRoberts- Manöver (Strecken und Beugen der Beine der Gebährenden in Kombination mit supraphysärem Druck)
  • Keinen supraphysären Druck ausüben (Kristeller Handgriff) solange die Schultern noch fixiert sind!
  • Gelingt das nicht auf Anhieb: Notfallsectio (erlaubter Zeitbedarf: zwischen 10-20 Min.)

Tiefer Schulterquerstand

  • Facharzt, Anästehsist, erfahrene Hebamme informieren!
  • Abstellen einer evtl. laufenden Oxytoxin- Infusion
  • Wehenhemmung z.B. mit Fenoterol 25 µg in z.B. 4ml 5%-ige Glucose aufziehen (1ml der Lösung enthält dann 5 µg Fenoterol); Verabreichen über 2-3 Min.; kann wiederholt werden
  • Episiotomie (Dammschnitt) erweitern
  • Kind versuchen am Kopf zu drehen („äußere Drehung“)
  • Woods- Manöver (mit der Hand eingehen um hintere Schulter zu rotieren) → Analgesie
  • McRoberts- Manöver (Strecken und Beugen der Beine der Gebährenden in Kombination mit supraphysärem Druck)
  • Kristeller- Handgriff (Hilfsperson übt supraphysären Druck aus) erst wenn Schulter gelöst!

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen bei Schulterdystokie [1,4]:

  • Neonatale Morbidität (Versterben des Kindes) sehr hoch!
  • Fetale Hypoxie (Minderversorgung des Kindes mit Suerstoff), evtl. mit bleibenden Schäden
  • Schädigungen des Plexus brachialis (Nervengeflecht der oberen Extremität) mit evtl. bleibenden Folgen
  • Skelettverletzungen (Humerusfraktur, Klavikulafraktur)
  • Schwere Verletzungen der Mutter im Vulva-Dammbereich
  • Zervixrisse
  • Starke Blutungen

Zusatzhinweise

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Zum Ablauf einer Notlage [2] bei z.B. Schulterdystokie

  • Zeitbedarf zwischen 10-20 Minuten, wobei das in Studien häufig zu lange für das Kind war
  • Kliniken wird dringend empfohlen ihren Ablauf per Simulation zu prüfen und bei einer Dauer über 20 Minuten zu optimieren.

Wiederholungsrisiko einer Schulterdystokie: ca. 13,8 % [1]


Literaturquellen

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  1. Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht, Empfehlungen zur Schulterdystokie, Erkennung, Prävention und Management, AWMF 015/024, Stand August 2010
  2. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Zu Frage der erlaubten Zeit zwischen Indikationsstellung und Sectio (E-E-Zeit) bei einer Notlage, Stand August 2010
  3. Lehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, M. Stauber, Th. Weyerstahl, Thieme- Verlag 2001
  4. Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Board für Pränatal- und Geburtsmedizin, Vaginal- operative Entbindungen AWMF 015/023, Stand August 2010
  5. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main
  6. Accuary of Leopold maneuvers in secreening for malpresentation: a prospective study by Lydon- Rochelle, Albers, Gorwoda, Craig, Qualls, Birth. 1993; 20(3):132-5

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