Schädelfrakturen

Synonyme: Schädelbruch, Kalottenfraktur, Schädelbasisbruch, Schädelbruch

Definition

Schädelfrakturen

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Ein Schädelbruch entsteht durch Gewalteinwirkung auf den Schädel. Je nach Art und Ort der Gewalteinwirkung sowie der altersabhängigen Elastizität liegt eine von 3 Formen vor:

  1. reine Kalottenfraktur ( Impressions-, Biegungs-, Berstungsbruch)
  2. Fortsetzung der Bruchlinie der Schädelbasis
  3. reiner Schädelbruch

Ätiologie

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Die Ursachen des Schädelbruchs sind:

  • Gewalteinwirkung auf den Schädel

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Daten zum Schädelbruch sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Beim Schädelbruch sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Gewalteinwirkung?
  • Unfall?
  • Brillen oder Monokelhämatom?
  • Auslaufen von Flüssigkeit aus dem Nasengang?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des Schädelbruchs sind relevant:

  • nicht in allen Fällen ist unmittelbar nach dem Trauma eine Fraktur röntgenologisch nachweisbar
  • Schädelbasisbrüche können oft nur aus klinischen Zeichen erschlossen werden: Brillen oder Monokelhämatom, lageabhängiges Auslaufen von Flüssigkeit aus einem Nasengang ( Liquorfistel), Hämatotympanon, Blutung oder Liquorabfluss aus dem äußeren Gehörgang
  • manchmal dringt Luft aus den Nebenhöhlen durch den Frakturspalt in die Schädelhöhle und lässt sich auf der Röntgennativaufnahme nachweisen
  • im CT sind Schädelbasisfrakturen meist  gut zu erkennen
  • bei frontobasalen Frakturen findet man bei frühzeitiger Untersuchung im CT blutiges Sekret in den Siebbeinzellen und Luftperlen im frontalen Subarachnoidalraum
  • bei Felsenbeinfrakturen findet man Luftperlen in der hinteren und mittleren Schädelgrube
  • die nasale Liquorfistel muss frühzeitig operiert werden, ebenso die Querfraktur des Felsenbeins

Klinik

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Der Schädelbruch kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • die Klinik wird durch die Art der Fraktur bestimmt
  • generell führen Schädelfrakturen zu ausgeprägten Blutungenund Schwellungen, da die Blutversorgung des Schädels sehr gut ist
  • weitere mögliche Symptome sind Blutungen aus der Nase oder den Ohren, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Bulbus und Doppelbilder, ein Enophtalmus, eine sichtbare und tastbare Stufenbildung im Bereich des Gesichts sowie Sensibilitätsstörungen unterhalb der Augenlider
  • Leitsymptom der Mittelgesichtsfraktur ist eine Okklusionsstörung
  • ein Monokelhämatom oder ein Brillenhämatom weist dagegen auf eine Schädelbasisfraktur hin

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Schädelbruch umfassen folgendes:

  • ausser der Nasenbeinfraktur und der linearen Kalottenfraktur werden die Schädelfrakturen in der Regel operativ behandelt
  • vor allem bei Gesichtsschädelfrakturen sollte frühzeitig eine Intubation erwogen werden, um einer Aspiration vorzubeugen

Komplikationen

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Beim Schädelbruch kommen folgende Komplikationen vor:

  • bei Kalottenfrakturen kann die A. meningea media zerreissen, so dass ein epidurales Hämatom entsteht
  • bei Impressionsfrakturen bewirkt gelegentlich das eingedrückte Knochenfragment eine lokale Irritation der Hirnrinde und löst epileptische Anfälle aus, sie erhöhen das risiko einer traumatischen Spätepilepsie
  • nach Frakturen der Siebbeinplatte oder Stirnhöhlenhinterwand besteht die Gefahr aufsteigender Infektionen, die selbst nach Jahren noch zu rezidivierender meningitis, Meningoenzephalitis und zum Hirnabszess führen können
  • Felsenbeinlängsfrakturen zerreißen meist das Trommelfell und führen, wenn auch die Dura verletzt ist, zum Liquorabfluss aus dem Ohr
  • nach Querfrakturen kann der Liquor in die Tuba Eustachii übertreten, so dass eine "pseudonasale Liquorfistel" entsteht
  • Dissektion der A. carotis interna im Hals oder im knöchernen Carotiskanal
  • Schädelbruch mit Hirnnervensymptomen: die Hirnnervenasufälle werden oft irrtümlich auf eine Kontusion der orbitalen (basalen) Stirnhirnrinde oder des Hirnstamms zurückgeführt
  • tatsächlich werden die Nerven in ihrem Verlauf geschädigt
  • die Nn. oculomotorius und abducens können bei Schädelbasisbruch sowie der N. trochlearis bei Frakturen der medialen Orbitawand mit Dislokation der Trochlea peripher geschädigt werden
  • eine posttraumatische Fazialsilähmung zeigt immer eine Läsion im Felsenbein an
  • Hörstörungen kommen nach Kopftraumen mit und ohne Schädelbruch durch Innenohrverletzungen vor
  • in schweren Fällen sind dies Blutungen in das Innenohr, in leichteren Fällen kommt es zu Funktionsstörungen einzelner Abschnitte der äußeren Haarzellen mit einem Hörverlust in Form der C5 Senke, die durch einen hydrodynamisch bedingten Schaden im Transformationsgebiet der Frequenzen zwischen 4000 Hz und 6000 Hz entstehen soll

Zusatzhinweise

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  • nichtimprimierte Frakture der Kalotten erlauben keine Schöüsse auf die Schwere des Kopftraumas und kommen auch als Ursache für spätere, chronische Beschwerden nicht in Betracht
  • die Heilungstendez ist im Allgemeinen ausgezeichnet, und schon nach wenigen Wochen sind radiologisch keine Frakturlinien mehr zu erkennen
  • Impressionsfrakturen führen dagegen oft zu einer lokalen Substanzschädigung der Hirnrinde

Literaturquellen

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  • Poeck,Hacke,Neurologie,Springer Verlag
  • Masuhr,Neumann, Duale Reihe Neurologie, Thieme Verlag
  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

Assoziierte Krankheitsbilder zu Schädelfrakturen

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