Ringelröteln

Synonyme: Erythema infectiosum, 5. Infektionskrankheit, Exanthema variegatum, Megalerythema epidemicum sive infectiosum, 5. Krankheit

Definition

Ringelröteln

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Ringelröteln sind eine Infektionskrankheit, die durch eine Virusinfektion mit dem Parvovirus B19 verursacht werden. Typisch ist das Auftreten eines konfluierenden, girlandenförmigen Exanthems.


Ätiologie

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Zu den Ursachen einer Ringelröteln-Erkrankung zählen:

  • Erreger: Parvovirus B19, DNA-Virus (umhüllt), Gruppe der Parvoviren
  • Übertragungswege: Tröpfcheninfektion, direkter Kontakt, es wurden außerdem Fälle der Übertragung durch Bluttransfusionen beschrieben [13]
  • Rezeptorstruktur für das Virus ist die Substanz P der Erythrozyten [12]
  • einziges Erregerreservoir ist der Mensch
  • Inkubationszeit: etwa 6-17 Tage

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Ringelröteln-Erkrankung:

  • Häufig sind Vorschul- und Schulkinder von den Ringelröteln betroffen
  • Geschlechterverhältnis: m=w
  • Durschseuchungsrate bei Vorschulkindern: 5-10%
  • Durchseuchungsrate bei Erwachsenen: 60-70% 
  • gehäuftes Auftreten in Winter- und Frühlingsmonaten

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Ringelröteln sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Welche Beschwerden bestehen? Seit wann?
  • Fieber neu aufgetreten? Wie hoch? Fieberverlauf?
  • Exanthembildung? An welchen Körperstellen? Wie sieht es aus? Zeitlicher Verlauf?
  • Juckreiz?
  • Kopfschmerzen?
  • Ess- und Trinkverhalten?
  • Erbrechen?
  • Husten?
  • Durchfälle neu aufgetreten?
  • Gelenkbeschwerden?
  • Impfstatus? Nach Empfehlungen der STIKO regelmäßig geimpft worden?
  • Ähnliche Erkrankungsfälle in der Umgebung aufgetreten?
  • Vorerkrankungen? Immunschwäche?
  • Welche Kinderkrankheiten durchgemacht?
  • Allergien?
  • Werden Medikamente eingenommen? Welche?
  • Zeitlicher Abstand zwischen Einnahme der Medikamente und Auftreten des Exanthems?
  • Besteht eine Schwangerschaft?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Ringelröteln sind relevant [14]:

1. Anamnese

2. körperliche Untersuchung, dabei insbesondere:

  • Untersuchung des Integuments auf ein Exanthem: Lokalisation, Form, Farbe, Abgrenzbarkeit, Erhabenheit:
  • im Gesicht meist erysipelartig konfluierend (Schmetterlingsform)
  • oft an den Streckseiten der Extremitäten und gluteal makulopapulös, girlanden- oder gitterförmig
  • vaskulitisches Exanthem an Händen und Füßen möglich
  • Meningismus-Zeichen: auslösbar?
  • Gelenke untersuchen: Ausschluss rheumatischer Erkrankungen
  • Temperaturmessung: subfebril

3. Labor: Diff-BB (Anämie?), evtl. Titerbestimmung: IgM und IgG Anstieg, Virusnachweis aus dem Blut möglich (s.u.)

Beachte: Meist ist die Diagnosestellung klinisch möglich!

Beachte: Nur in 15-20% der Fälle ist ein Exanthem sichtbar!

Bei V.a. eine Infektion während der Schwangerschaft:

  • Titerbestimmung (Verlauf!)
  • PCR von Virus-DNA
  • wöchentliche sonographische Kontrollen des Feten
  • Flussgeschwindigkeitsmessung über Aortenbogen: Erhöhung durch Anämie?
  • Nabelschnurpunktion: Hb-Bestimmung

Klinik

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Ringelröteln können eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen [14]:

  • Exanthem beginnt im Bereich von Wangen und Nasenrücken: erysipelartig, konfluierend
  • Nach 1-3 Tagen netzförmige Anordnung an den Innenseiten der Extremitäten (girlanden-/gitterartig)
  • Ständiges Abblassen und Wiederaufflammen des Exanthems
  • außerdem ist ein vaskulitisches Exanthem an Händen und Füßen möglich
  • Allgemeinbefinden in der Regel nicht wesentlich beeinträchtigt

Beachte: Abortive Formen, die ohne Auftreten eines Exanthems einen grippeähnlichen Verlauf nehmen, sind häufig!


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Ringelröteln umfassen [16]:

Symptomatische Therapie:

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr, je nach Trinkverhalten oral oder i.v.
  • körperliche Schonung
  • Antipyretika: z.B. Paracetamol: 3-4x tgl. 10-15mg/kgKG/d, max. 50mg/kgKG/d p.o. (Erwachsene)

Therapieoptionen bei Komplikationen:

  • beim Hydrops fetalis können intrauterine Transfusionen von Erythrozytenkonzentraten wiederholt notwendig werden

Eine spezifische antivirale Therapie bei Ringelröteln ist nicht bekannt.


Komplikationen

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Ringelröteln können zu folgenden Komplikationen führen [15]:

  • Arthritiden und Arthralgien, v.a. sind kleine Gelenke betroffen
  • aplastische Krisen
  • Panzytopenie
  • Myokarditis
  • Vaskulitis
  • Hepatitis
  • Enzephalopathie
  • chronisch-persistierende Verläufe bei immunsupprimierten Patienten

Bei einer Infektion während der Schwangerschaft ist außerdem mit folgenden Komplikationen zu rechnen:

  • transplazentare Übertragung während gesamter Schwangerschaft möglich
  • schwere Anämie
  • Hydrops fetalis
  • Parvovirus B19-assozierte Aborte

Beachte: Durch das Parvovirus B19 bedingte Embryopathien sind nicht bekannt!


Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zu den Ringelröteln [8]:

  • es besteht keine Meldeflicht im Erkrankungsfall
  • bei Auftreten des Exanthems besteht oftmals keine Infektiosität mehr
  • bei einer Infektion mit dem Parvovirus B19 während einer bestehenden Schwangerschaft kommt es in jedem 5. Fall zur intrauterinen Infektion
  • Schwangere sollten den Kontakt mit Erkrankten meiden
  • ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht indiziert

Literaturquellen

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  1. (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M – Dermatologie und Venerologie – Springer
  2. (2005) Sterry W, Paus R - Checkliste Dermatologie - Thieme
  3. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  4. (2009) Arasteh K, Baenkler H W, Bieber C - Innere Medizin, Duale Reihe - Thieme
  5. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Gerd Herold Verlag
  6. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  7. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  8. (2009) Illing S, Claßen M - Klinikleitfaden Pädiatrie - Urban & Fischer, Elsevier
  9. (2006) AWMF-Leitlinie - Aplastische Anämie -
    Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
  10. (2006) AWMF-Leitlinie - Nicht-eitrige Infektionen von Gehirn und Rückenmark - Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP)
  11. (2008) AWMF-Leitlinie - Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge - Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
  12. (1993) Brown K E - Erythrocyte P antigen: cellular receptor for B19 parvovirus - Science. 1993;262(5130):114-7.
  13. (1995) Transfusion-transmitted human parvovirus B19 infection in a thalassemic patient - Transfusion
  14. (2007) Waza K - Symptoms associated with parvovirus B19 infection in adults: a pilot study, Intern Med. 2007;46(24):1975-8.
  15. (2004) Donoso O - Analysing myocardial tissue from explanted hearts of heart transplant recipients and multi-organ donors for the presence of parvovirus B19 DNA - J Clin Virol. 2004;31(1):32-9.
  16. (2004) Young N S - Parvovirus B19 - N Engl J Med. 2004;350(6):586-97.

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