Rezidivierende unkomplizierte Zystitis der Frau

Synonyme: Cystitis, Blasenentzündung, Harnblasenentzündung, Harnblasenaffektion, Harnwegsinfekt, HWI

Definition

Rezidivierende unkomplizierte Zystitis der Frau

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rezidivierende Zystitis:

bei 5-10% der Frauen, definiert als mehr als 3
Harnwegsinfekte/Jahr oder mehr als 2 HWI/Halbjahr
[1]


Ätiologie

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Die Ursachen der rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau sind :

  • nicht ausreichend behandelte banale Zystitis
  • subvesikale Obstruktion
  • rezidivierende Pyelonephritiden
  • vesikorenaler Reflux
  • Abflusshindernisse in den ableitenden Harnwegen
  • neurogene Blasenentleerungsstörungen
  • Deszensus vaginalis
  • perivesikale Entzündungen: Divertikulitis, Crohn, Colitis, Adnexitis, Proktitis

Unterschied zu chronischen Zystitis: Intervalle ohne Klinik und ohne Erregernachweis!


Bakterielle Erreger in Deutschland (ARESC-Studie):

  • Haupterreger E. coli (76,7% )
  • Proteus mirabilis (4,7%)
  • Klebsiella pneumonie (2,5%)

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau liegern derzeit keine Daten vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau sind folgende Hinweise von Bedeutung:

  • Beschwerden beim Wasserlassen (Schmerzen, erschwertes Wasserlassen, häufige Frequenz, nächtliches Wasserlassen)?
  • Inkontinenz neu oder verstärkt?
  • Blut im Urin?
  • Schmerz in der Blasengegend?
  • Trübung des Urins?
  • Fieber?
  • Entzündungen der Blase in der Vergangeheit?
  • Vaginaler Ausfluß?
  • Allgemeines Krankheitsgefühl?
  • Geschlechtsverkehr?
  • Verhütungsmethode mit Scheidendiaphragmen und Spermiziden?
  • Anatomische Besonderheiten? Funktionseinschränkungen? 
  • Diabetes mellitus?
  • Antibiotikaeinnahme vor 2-4 Wochen?
  • früheres Steinleiden?
  • bekannte Prostata-Beschwerden?
  • Partner mitbetroffen (DD z.B. Gonorrhoe)?
  • Medikamenten-Einnahme?

Diagnostik

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Diagnostik der rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung
  • Streifentests: Nachweis der Leukozyten-Esterase und damit indirekt einer Pyurie. Hohe Sensitivität bei niedriger Spezifität, positiver Vorhersagewert nur 50%. Nachweis von Nitrit: sehr spezifisch, aber wenig sensibel, da nur bei Nitratreduktase-produzieren Bakterien positiv (z.B. nicht bei Pseudomonas, Enterokokken), ausserdem braucht man eine ausreichend lange Verweildauer des Urins (>4h) in der Blase. Nachweis von Blut: sehr sensitiv, wenig spezifisch.
  • Zystitis wahrscheinlich, wenn:
  • Leukozyten und Nitrit positiv sind oder
  • nur Nitrit positiv ist oder
  • Leukozyten und Blut positiv sind
  • Urikult:  Anzucht von Baktieren aus Patientenurin. Die signifikante Keimzahl wird derzeit kontrovers diskutiert, bei Reinkulturen können bereits Erregerzahlen von 10³ bis 10 hoch 4 signifikant sein, bei Urin aus suprapubischen Blasenableitungen bereits 10² [1,2].
  •  ev. Urinmikroskopie: mit Erfahrung kann eine
    Zystitis weitgehend ausgeschlossen werden, insbesondere  beim Fehlen von Leukozyten [2]
  • Sonographie: primäre bildgebende Diagnostik zur Abklärung von Restharn, anatomischer Anomalien etc.
  • evtl. Abstriche: Urethra, Scheide, Zervix
  • evtl. Sonographie/Röntgen: Verdickung der Blasenwand, Blasen- Divertikel, vesikorenaler Reflux, subvesikale Obstruktion
  • evtl. Zystoskopie: blass-weißliche Schleimhaut, partielle oder generalisierte Rötung; TU, Konkrement, FK

Zur differentialdiagnostischen Abklärung ggf. erforderlich:

  • Rektoskopie, Coloskopie, gynäkolog. Untersuchung

Klinik

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Folgende sind die Zeichen der rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau:

  • Miktionsbeschwerden: Dysurie, Pollakisurie, Blasen-Tenesmen, Nykturie
  • Unterbauchbeschwerden
  • evtl. Makrohämaturie, Pyurie
  • Trübung des Urin, Geruch des Urins
  • Suprapubischer Schmerz
  • Vorhandene oder verstärkte Inkontinenz
  • meist kein Fieber, wenn dann nur subfebril
  • Allgemeines Krankheitsgefühl

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten der rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau umfassen folgendes :

antibiotische Therapie dieselbe wie bei sporadischer Zystits. Bei sehr frühem Rezidiv Antibiose zwei Wochen und Urinkultur. [2]

1. Wahl:

  • Fosfomycintrometamol 3000mg 1 x 1 Tag (mit 97.9% Empfindlichkeit m wenigsten Resistenzen [2], nicht bei Männern [2])
  • Nitrofurantoin 50mg 4 x tgl., 7 Tage (nicht bei Männern [2]) darf in Deutschland allerdings nur verabreicht werden, wenn effektivere und
    risikoärmere Antibiotika nicht einsetzbar sind
  • Nitrofurantoin RT 100mg 2 x  tgl., 5 Tage (nicht bei Männern); darf in Deutschland allerdings nur verabreicht werden, wenn effektivere und
    risikoärmere Antibiotika nicht einsetzbar sind

wenn empfindlich oder lokal wenig Resistenzen auch:

  • Cotrimoxazol 160/800mg 2 x tgl 3 Tage (Resistenz von E. coli über 20% [2])
  • Trimethoprim 200mg 2 x tgl. 5 Tage

2. Wahl: 

bei Schwangerschaft: Therapiedauer sieben Tage, Mittel der 1. Wahl: Cephalosporine und Amoxicillin. [1]

Prophylaxe:

  • Lokale Östrogenisierung bei postmenopausalen Patienten
  • Nahrungsergänzung: Cranberry-Saft oder -Tabletten
  • Ansäuern des Urins mit Methionin (Ziel-pH: 5-6) 
  • Antibiose postkoital 100 mg Nitrofurantoin oder Trimethoprim p.o.
  • Antibiotische Dauerprophylaxe: 100 mg Nitrofurantoin oder Trimethoprim p.o./Tag
  • evtl. auch Reinigung des Anus nach dem Stuhlgang, Meiden einer zu häufigen Genitalhygiene, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, häufiges Wasserlassen, postkoitale Miktion, Vermeidung von Kälte und Nässe (hierzu gibt es allerdings kaum wissenschaftliche Daten) [1]

Komplikationen

Rezidivierende unkomplizierte Zystitis der Frau

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Als Komplikationen einer rezidivierenden unkomplizierten Zystitis können auftreten:
  • hämorrhagische Zystitis
  • chronischer Harnwegsinfekt
  • Aszendierende Infektion mit Pyelonephritis
  • Urosepsis
  • Tod

Zusatzhinweise

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Es liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise zur rezidivierenden unkomplizierten Zystitis der Frau vor


Literaturquellen

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  1. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/009 -
    Harnwegsinfekt der Frau
  2. Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Urologie
    (DGU) federführend - Epidemiologie, Diagnostik, Therapie und Management unkomplizierter bakterieller ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten, S-3 Leitlinie AWMF-Register-Nr. 043/044 Harnwegsinfektionen
  3. (2009) Gasser T - Basiswissen Urologie - Springer
  4. (2009) Thüroff J - Urologische Differenzialdiagnose - Thieme
  5. (2007) Jocham D, Miller K - Praxis der Urologie - Thieme
  6. (2006) Schmelz HU, Sparwasser C, Weidner W - Facharztwissen Urologie - Springer

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