Retrobulbärneuritis

Synonyme: Sehnerventzündung, Neuritis nervi optici

Definition

Retrobulbärneuritis

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Eine Retrobulbärneuritis ist eine Entzündung des Sehnervs in dem hinter dem Bulbus gelegenen Anteil.


Ätiologie

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  • in 20% der Fälle ist die Retrobulbärneuritis (einziges) Frühsymptom der Multiplen Sklerose (Encephalomyelitis disseminata)
  • weitere Ursachen entsprechen denen der Papillitis, z.B.: Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Exposition gegenüber toxischen Substanzen
  • in den meisten Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar

Epidemiologie

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Epidemiologische Daten zur Retrobulbärneuritis:

  • Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr
  • w > m
  • bei etwa 20 - 40% der Patienten manifestiert sich im weiteren Verlauf eine Multiple Sklerose

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei Retrobulbärneuritis sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • hat sich die Sehschärfe verändert?
  • Schmerzen? Kopfschmerzen?
  • Übelkeit?
  • hat sich das Farbsehen verändert?
  • wurden Gesichtsfeldausfälle bemerkt?
  • Blitzen, Rußschleier oder aufsteigende Wand gesehen?
  • Verschlechterung beim Baden? Bei Anstrengung?
  • Verlauf?
  • Grunderkrankungen?
  • Medikamenteneinnahme?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Retrobulbärneuritis sind relevant:

  • Untersuchung an der Spaltlampe
  • Funduskopie (Patient sieht nichts (Zentralskotom) und der Arzt nichts (normaler Fundusbefund))
  • Papillenbefund unauffällig
  • Visuscheck
  • Farbsinn gestört
  • Swinging-flashlight-test: ipsilaterale afferente Pupillenstörung
  • Motilitätsprüfung
  • Pupillomotorik
  • Perimetrie: Skotome
  • verlängerte Latenzzeit der VEP

Klinik

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Die Retrobulbärneuritis kann eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Sehschärfe hochgradig herabgesetzt
  • Visus unter 0,1
  • zeitweises Auftreten von Doppelbildern durch Augenmuskellähmungen
  • dumpfe Schmerzen hinter dem Auge
  • Bewegungs- und Druckschmerz
  • Papillenbefund unauffällig
  • Pupillenreaktion träge
  • Perimetrie zeigt Zentralskotom oder Zentrozökalskotom
  • VEP verlängert

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Retrobulbärneuritis umfassen folgendes:

  • bei deutlicher Herabsetzung des Visus: Hochdosis-Steroidtherapie möglich (1. - 3. Tag: 1000 mg Prednisolon i.v.; 4. - 14. Tag 1 mg Prednisolon/kg KG p.o.)
  • Visus nach 1 Jahr mit und ohne Hochdosis-Steroidtherapie in etwa gleich, allerdings schnellere Erholung unter der o.g. Therapie
  • bei Multipler Sklerose hohe Tendenz zur Spontanbesserung

Komplikationen

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Komplikationen bei der Retrobulbärneuritis umfassen:

  • oftmals bleiben Ausfälle zurück: z.B. verschlechtertes Kontrastsehen, Farbunterschiede werden schlechter wahrgenommen
  • das Ausmaß der persistierenden Ausfälle ist unterschiedlich und von der Grunderkrankung abhängig
  • Papille erscheint bei Funduskopie blasser

Zusatzhinweise

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Zur Retrobulbärneuritis sind im Moment keine Zusatzinformationen verfügbar.


Literaturquellen

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  1. (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer
  2. (2009) Dahlmann C - Crashkurs Augenheilkunde - Urban & Fischer, Elsevier
  3. (2008) Schmidt D - Tipps und Tricks für den Augenarzt, Problemlösungen von A – Z - Springer Verlag
  4. (2008) Lang G K - Augenheilkunde - Thieme
  5. (2008) Kanski J - Klinische Ophthalmologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2003) Sachsenweger M - Augenheilkunde - Thieme
  7. (2001) Augustin A - Augenheilkunde - Springer

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