Respiratory Syncytial Virus

Synonyme: RSV-Infektion, RSV

Definition

Respiratory Syncytial Virus

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Das Respiratory Syncytial Virus (RSV) ist ein RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviren. Häufig löst es Infektionen im unteren Respirationstrakt von Säuglingen und Kleinkindern aus.


Ätiologie

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Zur Ätiologie einer Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus:

  • RNA-Viren, Familie der Paramyxoviren
  • Übertragung durch Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt (Schmierinfektion)

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie einer Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus:

  • häufigster Erreger von Pneumonie und Bronchiolitis im Säuglings- und Kleinkindesalter
  • epidemieartiges Auftreten in der kalten Jahreszeit
  • verschwindend geringes Auftreten im Sommer
  • ca. 80% der Kinder weisen bis zum 7. Lebensjahr Antikörper gegen das RSV auf

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Anamneseerhebung einer Erkrankung mit dem Respiratory Syncytial Virus ist zu beachten:

  • Welche Beschwerden bestehen? Seit wann?
  • Husten?
  • Luftnot?
  • Schnupfen?
  • Nasenatmung behindert?
  • Hat sich das Riechen verschlechtert?
  • Schluckbeschwerden?
  • Kopfschmerzen?
  • Ohrenschmerzen? Hat sich das Hören verschlechtert?
  • fasst sich das Kind oft ans Ohr?
  • trinkt das Kind ausreichend?
  • Fieber? Erbrechen?
  • Gliederschmerzen? Kopfschmerzen?
  • Grunderkrankungen bekannt? Immunschwäche? Lungenerkrankung?
  • wurde das Kind regelrecht nach STIKO-Empfehlungen geimpft?
  • Kinderkrankheiten gehabt?
  • Allergien bekannt?
  • Kontakt zu (Haus)tieren?
  • wird zu Hause geraucht?
  • andere Familienmitglieder erkrankt?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Diagnostik

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Diagnostik bei V.a. eine Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Tachypnoe? Dsypnoe? Zyanose? Sekretion aus der Nase? Petechien? Exanthem? Trommelfelle inspizieren
  • Auskultation und Perkussion der Lunge: trockene oder feuchte Rasselgeräusche? In- oder exspiratorisch? Sonorer Klopfschall?
  • Palpation der Lymphknoten
  • Körpertemperatur messen
  • Nackensteifigkeit ausschließen
  • evtl. Labor: Differential-BB, CRP, BSG, evtl. Antikörpernachweis 
  1. Virusinfekt: Leukopenie oder geringe Leukozytose ohne Linksverschiebung, CRP oft normal
  2. Bakterieller Infekt: Leukozytose mit Linksverschiebung, CRP oft erhöht
  • evtl. Erregernachweis aus Sputum, Rachenabstrich
  • evtl. Röntgen-Thorax in 2 Ebenen: zum Ausschluss einer Pneumonie

Neugeborene: bei Rezidiven evtl. Suche nach Atresien, anatomischen Besonderheiten, Immunschwäche


Klinik

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Bei einer Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus können folgende Symptome auftreten:

Bei gesunden Erwachsenen:

  • oft nur Infekt der oberen Atemwege, Rhinits oder Pharyngitis

Bei Kleinkindern:

  • oft schwere Infektion des unteren Respirationstraktes
  • Fieber
  • Husten
  • Pneumonie
  • Bronchiolitis
  • obstruktive Bronchitis
  • Laryngotracheitis
  • Kruppsymptomatik
  • Dyspnoe
  • Hyperkapnie
  • Zyanose
  • Tachydyspnoe
  • lebensbedrohlicher Verlauf mit Atemstillstand möglich

Weitere Informationen zum Respiratory Syncytial Virus:

  • epidemieartiges Auftreten in der kalten Jahreszeit
  • Inkubationszeit: 2 bis 8 Tage
  • anhaltende bronchiale Hyperreagibilität möglich
  • keine bleibende Immunität

Therapie

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Therapie bei einer Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus:

Symptomatische Therapie:

  • Inhalation mit Kochsalzlösungen, Sekretolytika bzw. Mukolytika oder Antitussiva, ggf. fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol)
  • Striktes Rauchverbot in der Umgebung des Kindes
  • z.B. Paracetamol oral, jeweils bis zu 4x tgl.: 125 mg (<1. LJ), 250 mg (1.-6. LJ), 500 mg (>6. LJ)
  • Bronchodilatatoren: β2-Mimetika
  • evtl. Mukolytikum, z.B. Acetylcystein
  • Atemtherapie, Atemgymnastik
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • bei bakterieller Superinfektion: Antibiotika-Therapie, z.B. mit Penicillinen
  • keine prophylaktische Antibiotika-Therapie bei V.a. virale Infektion!
  • ggf. O2 inhalativ, CPAP, Intubation
  • intensivmedizinische Überwachung

Beachte: in Ausnahmefällen antivirale Therapie mit Ribavirin möglich

Prophylaxe:

  • wiederholte Gaben von RSV-Immunglobulin für Hochrisikogruppen in der RSV-Saison

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen bei einer Erkrankung mit dem Respiratory Syncytial Virus:

  • Lungenabszess
  • respiratorische Insuffizienz
  • Fieberexsikkose
  • Reinfektionen
  • Sepsis
  • Tod

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zu Infektionen mit dem Respiratory Syncytial Virus:

Risikofaktoren, die Maßnahmen zur RSV-Prophylaxe rechtfertigen:

  • < 24 Lebensmonate
  • bronchopulmonale Dysplasie
  • hämodynamisch relevante Herzfehler
  • pulmonale Hypertonie

Eine Prophylaxe kann mit dem Antikörper Palivizumab durchgeführt werden.


Literaturquellen

Respiratory Syncytial Virus

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  1. (2004) RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte - Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Viren (RSV) Epidemiologisches Bulletin
  2. (2007) Kiess W, Merkenschlager A, Pfäffle R, Siekmeyer W - Therapie in der Kinder und Jugendmedizin- Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  3. (2005) Kayser F H, Böttger E C, Zinkernagel R M, Haller O, Eckert J, Deplazes P - Medizinische Mikrobiologie - Thieme
  4. (2004) Michalk D, Schönau E - Differentialdiagnose Pädiatrie - Elsevier, Urban & Fischer Verlag
  5. (2006) Sitzmann F C - Pädiatrie - Thieme Verlag
  6. (2010) AWMF-Leitlinie - Prophylaxe von schweren RSV-Erkrankungen bei Risikokindern mit Palivizumab - Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK), der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) und der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI)
  7. (2008) AWMF-Leitlinie - Husten - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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