Reizdarmsyndrom

Synonyme: Colon irritable, irritables Colon, irritables Kolon, spastisches Colon, spastisches Kolon, irritable bowl syndrome, RDS

Definition

Reizdarmsyndrom

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Ein Reizdarmsyndrom (RDS, irritables Kolon) liegt vor, wenn abdominelle Symptome in Situationen psychischer Belastung auftreten (z.B. Stress) und keine organischen Störungen objektiviert werden konnten.


Ätiologie

Reizdarmsyndrom

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Beim Rezdarmsyndrom handelt es sich um eine funktionelle Störung mit gesteigerter oder verminderter Darmmotilität sowie einer Hypersensibilität und Hyperalgesie des Darmes.

Von großer Bedeutung sind psychische Belastungs-faktoren (Stress, Ärger). Auch vorangegangene Darminfektionen werden als Auslöser angesehen.


Epidemiologie

Reizdarmsyndrom

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  • Ein Reizdarmsyndrom liegt bei bis zu 50% der Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden vor [1].
  • w : m = 2 : 1

Differentialdiagnosen

Reizdarmsyndrom

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Anamnese

Reizdarmsyndrom

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Zum Reizdarmsyndrom sind folgende Informationen wichtig:

  • abdominelle Schmerzen? wann treten diese auf? Nahrungsabhängige Beschwerden?
  • Obstipation?
  • Diarrhoe?
  • Wechsel von Obstipation und Diarrhoe?
  • Völlegefühl?
  • Stuhlfrequenz?
  • Stuhlkonsistenz?
  • Flatulenz?
  • Beschwerdezunahme durch "Stress"?
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
  • Ernährungsgewohnheiten?
  • Vorerkrankungen?
  • Alkoholkonsum?
  • Appetit?
  • Gewichtsverhalten?
  • Blut im Stuhl?
  • Laxantien-Gebrauch?
  • Medikamenteneinnahme?

Diagnostik

Reizdarmsyndrom

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I.Anamnese und Diagnosekriterien für das Reizdarmsyndrom (Rom II Konsensus-Kriterien [4;6]:

An mindestens 12 Wochen (müssen nicht in Folge sein) innerhalb von 12 Monaten bestehen abdominelle Schmerzen mit zwei von den folgenden drei Eigenschaften:

  1. Linderung der Beschwerden durch Defäkation
  2. Beginn der Schmerzen mit einer Veränderung der Stuhlfrequenz
  3. Beginn der Schmerzen mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz

Nebenkriterien, die allerdings noch keine RDS-Diagnose erlauben:

  • veränderte Stuhlhäufigkeit (<3 /Woche oder >3/Tag)
  • veränderte Stuhlkonsistenz (hart, breiig, schafskotartig, Bleistiftstühle, flüssig)
  • verändertes Absetzen des Stuhlgangs (z.B. starkes Pressen, Gefühl der unvollständigen Entleerung, imperativer Stuhldrang)
  • Weißlicher Schleim beim Stuhlgang
  • Blähungen, abdominelles Völlegefühl

II.Körperliche Untersuchung

III.Labor: BB, BSG, CRP, Transaminasen, Pankreasenzyme, Nierenwerte, Eisen, Ferritin, TSH (Normalwerte), normale Hämoccult-Testung und Stuhluntersuchung. Calprotectin im Stuhl (bei RDS im Normbereich, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Kolonkarzinom erhöht)

IV.Sonographie des Abdomens

V.Gastroenterologische Diagnostik: Gastroduodenoskopie mit Dünndarmbiopsien und Duodenalsaftuntersuchung (DD z.B. Sprue/Lamblien/ M. Whipple), Rektoskopie, hohe Koloskopie (DD z.B. M. Crohn, Colitis ulcerosa, Kolonkarzinom, mikroskopische Kolitis)

VI. Zusatzdiagnostik in speziellen Fällen: H2-Atemtest, Laktosebelastungstest, Tests auf Malassimilation, Untersuchung auf Nahrungsmittelallergien, Porphyriediagnostik etc.


Klinik

Reizdarmsyndrom

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Beim Reizdarmsyndrom können eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten: 

  • Bauchschmerzen in unterschiedlichem Ausmaß mit Obstipation und/oder Diarrhoe (Anamnese oft über Jahre)
  • aufgetriebenes Abdomen, oft im Tagesverlauf zunehmend
  • ständiges Rumoren im Bauch
  • Verstärkung der Beschwerden postprandial sowie durch Stress, fettreiche Nahrung
  • Erleichterung durch Defäkation oder Flatulenz
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Stuhl oft eingedickt oder schnurförmig (Bleistiftstuhl, Schafskotstühle)
  • imperativer Stuhldrang

Therapie

Reizdarmsyndrom

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Allgemeinmaßnahmen beim Reizdarmsyndrom:

  • Individuelle Diät mit Weglassen verschlimmernder Nahrungsbestandteile, evtl. Ernährungsberatung
  • Bei abdominellen Schmerzen feuchte Wärme anwenden
  • Aufklärung über Harmlosigkeit der Diagnose
  • Psychotherapeutische Begleitung

Die medikamentöse Therapie des Reizdarmsyndroms richtet sich nach der vorherrschenden Symptomatik:

  • bei Meteorismus :Entschäumer in hoher Dosierung (z. B. Simeticon Kau-Tbl.,bis zu 8 Tbl./d) oder Kümmel, Anis, hochdosiertes Pfefferminzöl  
  • bei Obstipation: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Lactulose-Sirup (2-3 x 15 ml/d) oder Macrogol  (1-3 Beutel/d) 
  • bei Diarrhoe: kurzfristig Loperamid Kps. 2mg (1-6 Kps./d)
  • bei abdominellen Krämpfen: N-Butylscopolamin  (1-6 Drag./d, max. Tagesdosis 60 mg/d) oder Mebeverin 135 mg (3x1/d)

Komplikationen

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Das Reizdarmsyndrom selbst ist nicht bedrohlich, führt jedoch zu einer gehäuften Rate an Krankschreibungen, Entwicklung von Neurosen (soziale Phobie) und zu einer Einschränkung der Lebensqualität.


Zusatzhinweise

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Beim Reizdarmsyndrom gibt es eine hohe Dunkelziffer, da viele Betroffene keine medizinische Hilfe suchen.


Literaturquellen

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  2. (2008) Layer P, Rosien U (2008) - Praktische Gastroenterologie - Urban & Fischer
  3. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  4. (2007) Sperber AD, Shvartzman P, Friger M, Fich A., A comparative reappraisal of the Rome II and Rome III diagnostic criteria: are we getting closer to the 'true' prevalence of irritable bowel syndrome?, Eur J Gastroenterology Hepatology
  5. (2006) Schauder P, Ollenschläger G - Ernährungsmedizin - Urban & Fischer
  6. (2000) Thompson WG, Longstreth GL, Drossman DA et al.: Rome II: The Functional Gastrointestinal Disorders. Diagnosis, Pathophysiology and Treatment. A Multinational Consensus. Lawrence, KS: Allen Press.

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