Pulmonale Aspiration von Mageninhalt

Definition

Pulmonale Aspiration von Mageninhalt

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Aspiration (lateinisch: aspirātiō, von aspirāre = ansaugen, aus ad = heran und spirāre = atmen) bezeichnet man in der Medizin das Einatmen von körpereigenen Sekreten (Speichel oder Mageninhalt) sowie körperfremden, festen und flüssigen Substanzen in die Atemwege


Ätiologie

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ist nur möglich bei verminderten oder aufgehobenen Schutzreflexen (z.B. auch bei Patienten in stark reduzierten Allgemeinzustand) durch aktives Erbrechen oder passives Regurgieren


Epidemiologie

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gefährdet sind Patienten mit vollem Magen, nach Unfall und Schock (verzögerte Magenentleerung), bei GIT-Obstruktion, GIT-Blutungen, Adipositas, nach Unfall, SHT, Intoxikationen

Aspiration ist die häufigste Todesursache bei Schwangeren!


Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Prädispositons Faktoren:

  • herabgesetzte laryngeale Reflexe
  • Inkompetenz des gastroösophagalen Sphinkters
  • diabetische Neuropathie
  • nichtnüchterne Pat.
  • gastrale Gasinsufflation

Diagnostik

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erst nach Akuttherapie:

  • Rö-Thorax: Atelektase, Pneumonie, Lungenödem, häufig initial unauffällig
  • Bronchoskopie: Gewinnung von Material zur Keimbestimmung, pH-Bestimmung des Aspirats

Klinik

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klinisch oft stumm

  • Zyanose, Hypoxämie, später metabolische Azidose (pulmonale Vasokonstriktion)
  • feuchte und trockene Rasselgeräusche, vermindertes oder aufgehobenes Atemgeräusch, Stridor, Bronchospasmus und paradoxe Atmung bei Verlegung der Atemwegen:
  1. Magensaftaspiration: bei > 0,4 ml/kg aspiriertem Magensaft mit einem pH < 2,5 tritt ein Mendelson-Syndrom auf (akutes toxisches Lüngenödem, Bronchospasmus)
  2. Aspiration von festem Material: je nach Größe und Menge Verlegung kleiner oder großer Atemwege (Atelektasen, Bronchospasmus)

tiefe Inspiration, Schlucken, Würgen sind höufig Frühsymptome einer bevorstehenden Regurgitation


Therapie

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Akuttherapie:

  • Operateur unterrichten, OP ggf. verschieben
  • Kopftieflagerung, Freimachen der Atemwege durch digitale Ausräumung des Nasenrachenraums, Absaugen (unter laryngoskopischer Sicht)
  • Endotracheale Intubation: wenn möglich sofort endotracheal absaugen, bevor mit pos. Druckbeatmung begonnen wird, bei größerem Aspirat sowie Atelektasenbildung kann gezieltes Absaugen mittels Bronchoskopie indiziert sein
  • Beatmung: kontrolliert mit zunächst FIO2 1,0 und PEEP
  • Monitoring: Blutgasanalyse, evtl. erweitertes Monitoring
  • bei festsitzendem Material: Spülung mit 10ml NaCl 0,9%, Spülung bei flüssigem Material vermeiden (Ausbreitung in die Peripherie)
  • bei Bronchospasmus: Bronchodilatatoren und Kortikoide
  • Postop.: Pat. immer auf Intensivstation verlegen, antibiotische Therapie möglichst nach Antibiogramm

Komplikationen

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Pat. sollte für mind. 48h intensiv überwacht werden, auch wenn sich anfänglich keine kardiopulmonalen Auffälligkeiten zeigen


Zusatzhinweise

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Prävention:

  • 6-8 h Nahrungs- und Flüssigkeitkarenz
  • legen einer Magensonde bei Eingriffen am nicht nüchternen Patienten
  • Gabe eines Antazidums vor der OP
  • Pat. mit Aspirationsgefahr bereits beim Essen und Trinken wird der Oberkörper zur Nahrungsaufnahme hoch gelagert und genügend Zeit zum Essen und Trinken eingeräumt, nach dem Essen bleibt der Oberkörper einige Zeit erhöht, etwaige Essensreste werden gründlich aus dem Mund- und Rachenraum entfernt, ggf. muss ein Absauggerät bereitstehen, um vor dem Essen Sekret aus dem Mund des Patienten entfernen zu können und nach dem Essen evtl. Speisereste abzusaugen

Literaturquellen

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Schäfer R, Eberhardt M (2005) - Klinikleitfaden, Anästhesie - Urban & Fischer, München

Schüttler J, Biermann E (2003) - Der Narkosezwischenfall - Thieme Verlag, Stuttgart

  • (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  • (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  • (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  • (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  • (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

Assoziierte Krankheitsbilder zu Pulmonale Aspiration von Mageninhalt

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