Psychosen im Kindes- und Jugendalter

Synonyme: EOS, Early Onset Schizophrenia, VEOS, very early onset schizophrenia, juvenile Psychosen, infantile Psychosen

Definition

Psychosen im Kindes- und Jugendalter

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Psychosen im Kindes- und Jugendalter sind Störungen der Psyche, die zu einer Veränderung der Persönlichkeit und des Erlebens führen.


Ätiologie

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Die Ursachen der Psychosen im Kindes- und Jugendalter sind:

  • genetische Faktoren
  • Entwicklungsstörungen
  • organische Vorschädigungen
  • Ereignisse im Laufe des Lebens

Risikofaktoren:

  • genetische Belastung
  • intrauterine Schädigung
  • peri- und postnatale Traumen
  • hormonelle Einflüsse
  • Störungen der Selbst-Entwicklung
  • familiäre Interaktions- und Kommunikationsmuster

Einteilung:

  • frühkindliche Psychosen
  • desintegrative Psychosen
  • kindliche Schizophrenie
  • Psychosen der Adoleszens

Epidemiologie

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Psychosen im Kindes- und Jugendalter:

  • treten bei Kindern halb so häufig wie bei Erwachsenen
  • 4% aller Schizophrenien treten vor dem 15. Lebensjahr, nur 1% vor dem 10. Lebensjahr
  • Mädchen sind seltener betroffen als Jungen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Psychosen im Kindes- und Jugendalter sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Ist das Kind apathisch?
  • Stereotypien (wiederholte Handlungen, die der konkreten Umweltsituation nicht entsprechen)?
  • Ist das Kind psychomotorisch unruhig?
  • Störungen sozialer Kontakte?
  • Probleme mit schulischen Leistungen?
  • Familienanamnese
  • Entwicklung des Kindes (ab der Schwangerschaft bis jetzt)

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Psychosen im Kindes- und Jugendalter sind relevant:

  • Anamnese
  • körperliche und neurologische Untersuchung
  • Labor (Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Schilddrüsenwerte, Elektrolyte, Drogenscreening)
  • EEG
  • EKG
  • testpsychologische Untersuchung der kognitiven Entwicklung

Klinik

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Die Psychosen im Kindes- und Jugendalter, v.a. die schizophrene Psychosen, können folgende Symptome zeigen:

Gruppe 1:

  • Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung
  • Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des "Gemachten" (eigene Gedanken, Gliederbewegungen, Empfindungen, Stimmungen und Wahrnehmungen werden als durch fremde Mächte und Kräfte hervorgerufen - gemacht - erlebt)
  • Kommentierende oder dialogische Stimmen
  • Anhaltende Wahnideen

Gruppe 2:

  • Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität ohne deutliche affektive Beteiligung
  • Formale Denkstörungen wie Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Neologismen führt
  • Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien, wächserne Biegsamkeit, Mutismus oder Stupor
  • Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, Affektverflachung, sozialer Rückzug und allgemeine Verringerung der Leistungsfähigkeit, die nicht durch eine Depression oder eine neuroleptische Medikation verursacht werden (1)

Die Diagnose der kindlichen Schizophrenie erfordert:

  • Mindestens 1 eindeutiges Symptom aus der Gruppe 1 (2 oder mehr, wenn weniger eindeutig)
  • oder mindestens 2 aus der Gruppe 2
  • für einen Zeitraum von mindestens 1 Monat (1)

Folgende Krankheitsbilder sollten ausgeschlossen werden:

  • Affektive Störungen mit psychotischen Symptomen
  • Drogenkonsum oder Medikamentenmissbrauch

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Psychosen im Kindes- und Jugendalter:

  • immer multimodaler Behandlungsansatz
  • Aufklärung der Familie

Pharmakotherapie:

  • atypische Neuroleptika: Olanzapin 10-20 mg/d p.o. oder Risperidon 2 mg/d p.o. als Anfangsdosis, Erhaltdosis 4-6 mg/d
  • typische Neuroleptika: Haloperidol 5-10 mg/d p.o., i.v oder i.m. Anfangsdosis, Steigerung auf maximal 60 mg parenteral oder 100 mg p.o./d, Erhaltdosis nach Abklingen akuter Krankheitszeichen 3-15 mg/d p.o.
  • Therapiedauer: mindestens 4 Wochen
  • bei keiner Besserung: Dosiserhöhung oder Pharmakonwechsel
  • die Dosis sollte mindestens alle 6 Monate überprüft und neu angepasst werden

Psychotherapie nach Remission der Akutsymptomatik

Familienbezogene Maßnahmen:

  • Interventionen unter Einbeziehung der Betreuung von Angehörigen
  • Veränderung der emotional belastender Familieninteraktionen
  • Einbeziehung der Angehörigen in die Rezidivprophylaxe

Komplikationen

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Prognose der Psychosen im Kindes- und Jugendalter:

  • chronischer Verlauf in ca. 50% der Fälle
  • Remissionen in ca. 25% der Fälle
  • bessere Prognose bei späterem Erkrankungsbeginn

Nebenwirkungen der Pharmakotherapie:

  • extrapyramidal-motorische Störungen: Akathisie (Trippelmotorik, innere Unruhe, Reizbarkeit und Dysphorie), Dystonie, Parkinsonoid
  • Dyskinesien

Zusatzhinweise

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Komorbidität und Begleitstörungen der Psychosen im Kindes- und Jugendalter:

  • Affekt-, Zwangstörungen
  • Substanzmittelmissbrauch
  • organische Erkrankungen
  • Suizidalität

Literaturquellen

Psychosen im Kindes- und Jugendalter

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  1. (2006) AWMF - Leitlinie - Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  2. (2003) Geffers J - Schizophrenie im Kindes- und Jugendalter
  3. (2009) Möller HJ, Laux G, Deister A - Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie - Thieme
  4. (2009) Tölle R, Windgassen K - Psychiatrie - Springer
  5. (2003) Kasper S, Volz HP - Psychiatrie compact - Thieme
  6. (2009) Klußmann R, Nickel M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer Verlag, Wien
  7. (2009) Mentzos S - Lehrbuch der Psychodynamik - Verlag Vandenhoeck & Ruprecht/BRO
  8. (2009) Janssen P, Joraschky P, Tress W - Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherap - Deutscher Ärzte Verlag
  9. (2008) Rentrop M, Müller R, Bäuml J - Klinikleitfaden Psychiatrie und Psychotherapie - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  10. (2007) Rudolf - Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik - Thieme
  11. (2007) Arolt V, Reimer C, Dilling H - Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie - Springer
  12. (2006) Fritzsche K, Wirsching M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer

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